Bewertung: 8
Chris Weitz & Paul Weitz

About a Boy oder: Der Tag der toten Ente

"Ich bin der Star der Will-Show."

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Inhalt

Will Freeman (Hugh Grant) führt ein bequemes Leben. Sein Vater hat ihm so viel Geld hinterlassen, dass der Enddreißiger keinen Job braucht. Um den Tag zu überstehen, hat er sein Leben in Zeiteinheiten eingeteilt. Das gute Gefühl nach einem Arbeitstag etwas Sinnvolles gemacht zu haben, kennt er nicht. Frauen kommen und gehen in seinem Leben. Um Frauen aufzureißen, verfällt er schließlich auf den Trichter, sich bei einer Selbsthilfegruppe für alleinerziehende Mütter umzuschauen. Dort gibt er sich als alleinerziehender Vater aus. Natürlich fliegen dort alle Frauen auf den charmanten "Vater". Dort trifft er auf Suzie, die er schließlich auch datet. Beim Date mit Suzie trifft er auf Marcus (Nicholas Hoult).

Marcus ist auf seiner Schule ein Außenseiter, seine Mutter Fiona (Toni Collette) neigt zu Depressionen. In Will sieht er etwas, was andere nicht in ihm sehen. Hartnäckig sorgt er dafür, dass sich beide anfreunden. Getreu dem Motto: Steter Tropfen höhlt den Stein. Schließlich trifft Will dann auch noch Rachel (Rachel Weisz). Er beginnt sich zu verändern und merkt, dass es nicht so einfach ist, ein besseres Leben zu führen. Kann Will zu seinem Sinneswandel stehen? Und kann Will Marcus helfen, dass sein Leben nicht mehr so trist ist?

Kritik

"About a Boy" ist als Literaturvorlage von Nick Hornby ein Gesellschaftsporträt und der Film verpackt dieses in einer gelungenen Komödie. Der Film zeigt die Sorgen und Ängste eines Kindes, dessen Mutter depressiv und selbstmordgefährdet ist. Er erinnert auch daran, wie grausam Schule und Kinder sein können, wenn sie es auf bestimmte Außenseiter abgesehen haben. Aus dieser Rolle versucht Marcus auszubrechen. Klar, wer will nicht auch einfach mal nur Hamburger essen und Markenturnschuhe tragen, wie alle anderen Kinder? Für Marcus ist aber alles ein zweischneidiges Schwert. Er liebt seine Mutter und fühlt sich gleichzeitig für sie verantwortlich. Dafür ist er sogar bereit, sich vor der ganzen Schule zu blamieren. Trotzdem ist sie einfach mal peinlich. Wer erinnert sich nicht an mütterliche Abschiedsszenen auf dem Schulhof?

Durch Will gewinnt Marcus wieder etwas an Hoffnung im Leben und er beginnt, ihn zu imitieren. Mit dem Trotz eines Kindes versucht er sein Recht auf Glück einzufordern. Größere Unterschiede zu Will könnte es kaum geben. Beide bieten unglaubliche Kontraste und sind sich doch in dem Punkt ähnlich, dass sie einen Haltepunkt im Leben suchen. Diese Kontraste zeigt der Film sehr gut, indem vom einen zum anderen geschnitten wird und beide Protagonisten aus dem Off ihre Gefühle und Gedanken kommentieren.

Will hat im Gegensatz zu Marcus so gut wie keine Prinzipien. Nicht umsonst heißt er mit Nachnamen Freeman. Genauso fühlt er sich zu Beginn des Filmes, als jemand ohne eine einzige Verpflichtung; er lehnt es sogar ab, Pate für das Kind eines befreundeten Ehepaares zu werden. Er verkörpert den reichen Nichtsnutz, der noch nicht die wirklichen Werte im Leben gefunden hat. Will steht auch für die Leere einer Generation, die sich nicht wirklich als etwas fühlt, trotz finanzieller Absicherung. Marcus gibt ihm dann diesen Sinn.

Die Rolle von Fiona, die Mutter von Marcus, steht gewissermaßen für die Rolle der Frau aus der Frauenbewegung der 1980er Jahre. Vegetarierin und Feministin, die nur das Elend der Welt sieht und auch von ihrem Sohn die gleichen Prinzipien verlangt. Was selbstredend an sich nichts schlechtes ist - es wird einfach nur aufgezeigt, dass es wichtig ist, die richtige Balance zu finden. Auch in den Nebenrollen finden sich bestimmte Charaktere. Der Sohn, der Angst hat, dass seine Mutter einen neuen Freund hat, ein Mitarbeiter von Amnesty International, der versucht, für das Gute zu kämpfen, das gutmeinende Ehepaar, dass versucht, Will einen anderen Lebensweg aufzuzeigen...

Was die schauspielerischen Leistungen betrifft, so können alle durchweg überzeugen. Vor allem finde ich Toni Collette in der Rolle der Fiona optimal besetzt. Bei der Rolle von Hugh Grant, hat man gerade anfänglich das Gefühl, dass er sich selbst spielt - glaubt man sämtlichen Klatschblättern... Sollte er sich nicht selbst spielen, gibt er eine gute Darstellung des unbeholfen Mannes ab, der zum ersten Mal wirklich mit Kindern zu tun hat, unsicher darüber ist, was er zu tun hat und von Marcus schlussendlich angeleitet wird. Toll an der Besetzung von Hugh Grant ist vor allem auch, dass er mal nicht einfach nur einen tollen Typen abgibt, sondern dass Grant mal endlich eine Rolle spielen kann, bei der er eine größere Vielfalt von Charakterzügen darstellen kann. Schlussendlich sei noch Nicholas Hoult als Marcus erwähnt, der als sehr junger Darsteller in seiner Rolle überzeugen kann.

Fazit

Ein gelungenes Gesellschäftsportät, oder: eine gelungene Comedy mit nachdenklichem Hintergrund! Wer allerdings den Song "Killing me Softly" nicht mag, sollte an mehreren Stellen weghören...

Miriam Ahrenholz - myFanbase
09.07.2008

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