Bewertung: 8
Allison Anders, Alexandre Rockwell, Robert Rodriguez, Quentin Tarantino

Four Rooms

Das ist so einfach, dass es schon wieder dämlich ist. Irgendein Idiot klingelt und du springst. Du springst und stehst parat!

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Inhalt

"Four Rooms" zeigt uns die erste Nachtschicht des Pagen Theodore, oder wie er lieber genannt werden will: Ted. In vier verschiedenen Zimmern ereignen sich Dinge, die Ted wahrlich nie wieder in seinem Leben vergessen werden wird. In der Honeymoon Suite trifft er auf einen Hexenzirkel, der eine Göttin wieder beleben will und Ted zum Samenspenden benötigt. In Zimmer 404 gerät Ted in ein verzwicktes Streitgespräch eines Ehepaares. In Zimmer 309 soll Ted auf zwei kleine Kinder aufpassen, während die Eltern der beiden sich auf einer Party amüsieren und im Penthouse wird Ted in eine kleine Wette mit einem Hollywood-Star verwickelt.

Kritik

Bevor ich meine Meinung zu den einzelnen "Räumen" im Film und der Gesamthandlung abgebe, lasse ich die einzelnen Autoren und Regisseure selbst zu Wort kommen, denn auf der DVD kann man kurze Kommentare zu den einzelnen Passagen lesen.

Abschnitt "Die fehlende Zutat" von Allison Anders

"Ich wollte eine Geschichte über das weibliche Mysterium und seine Kraft erzählen. Mit dem Hexenbund gelang mir ein Freiraum, mit dem ich spielen konnte."

Mit "Die fehlende Zutat" wurde man direkt ins Geschehen geworfen und da ich mir vorher keinerlei Informationen über den Film besorgt hatte, war ich erst mal ein wenig verwirrt, da ich vorher auch noch nie etwas von Allison Anders gesehen hatte. Jedoch schaffte sie es definitiv in ihrem Teil des Films verschiedene Facetten von Weiblichkeit und weiblicher Erotik zu präsentieren, ohne dabei schier ernsthaft zu bleiben, sondern vielmehr genau diese Facetten zu überspannen und damit ein überdeutliches Bild von Weiblichkeit zu geben, wie man es nur in gerade mal 15 Minuten schaffen kann. Die nahezu kindlichen Effekte passten perfekt ins Szenario, auch wenn es zuerst ein wenig befremdlich war, dass man auf einmal bunte Comic-artige Effekte in dem Abschnitt sah. Außerdem hat mich an diesem Abschnitt begeistert, dass ich viele bekannte Darstellerinnen in Rollen sehen konnte, in denen ich sie mehr oder weniger auch schon vorher kannte bzw. in denen man sie sich gut vorstellen konnte. So spielte beispielsweise "Six Feet Under Gestorben wird immer"-Darstellerin Lily Taylor mit und ähnelte schon sehr ihrem Charakter in der Serie. Auch Madonna war Teil dieses Abschnittes und spielte eine Rolle, die ihrer Außendarstellung als Künstlerin mehr als gerecht wurde.

Abschnitt "Der falsche Mann" von Alexandre Rockwell

"Ein Mann und eine Frau testen sich gegenseitig, ein Nervenkitzel... sie befinden sich auf einer Gratwanderung und wenn man an einer Grenze entlang geht, fällt man mit dem nächsten Schritt in die Hölle oder in den Himmel..."

Ich muss zugeben, dass mir dieser Abschnitt am wenigsten gefallen hat. Von der darstellerischen Leistung her waren David Proval und Tim Roth wirklich brillant, allerdings hat mir die Geschichte an sich nicht wirklich zugesagt. Sie hatte einige interessante Elemente, doch wenn ich mir die anderen Abschnitte ansehe, so haben diese mich insgesamt viel mehr überzeugt.

Abschnitt "Die Ungezogenen" von Robert Rodriguez

"Ich dachte mir, Alex, Quentin und ich würden sicher jeder auf ihre Weise das Zimmer in die Luft sprengen. Und da habe ich mich für die Komödie entschieden. So hatte ich Gelegenheit, das Zimmer ohne den Gebrauch von Schusswaffen oder Dynamit zu verunstalten. Ich fing mit der guten Absicht zur Familienkomödie an, aber am Ende wurde es doch ein "Leichenschmaus". So bin ich nun mal!"

Neben dem Teil von Quentin Tarantino, war es vor allem dieser, auf den ich mich mehr als gefreut habe, da ich schon einige Werke und das sind sie, Film wäre einfach nicht genug von Robert Rodriguez gesehen habe und immer wieder hell auf begeistert war. So wie Rodriguez seinen Teil selbst beschreibt, kann ich es einfach nur unterzeichnen. Die beiden jungen Darsteller waren ein Glanzstück im ganzen Film und auch Antonio Banderas hat mal wieder, wenn auch nur sehr kurz, überzeugt. Der Unterhaltungswert dieses Abschnittes war grandios und ich habe es als schwer empfunden, diesen noch zu steigern, da Rodriguez wirklich immer einen drauf gesetzt hat, bis das Szenario so absurd wurde, dass man gar nicht mehr wusste, wie es weitergehen soll. Dabei hat mir vor allem gefallen, dass dieser Abschnitt auch einfach beendet wurde, ohne irgendwelche Ausflüchte oder Erklärungen.

Als nächstes folgte erst einmal der verzweifelte Versuch von Ted, endlich aus der Nachtschicht zu kommen, indem er seine Chefin anrief und ihr verdeutlichte, dass er keinen Bock mehr hatte, da dies wohl die schlimmste, wenn auch interessanteste, Nacht seines Lebens war. Doch die bat ihn noch einen letzten Anruf anzunehmen:

Abschnitt "Der Mann aus Hollywood" von Quentin Tarantino

Der Abschnitt hat "ein paar besoffene Idioten zum Inhalt, die gerade die "Hitchcock Show" gesehen haben und in ihrem Stumpfsinn versuchen, ihre eigene Show auf die Beine zu stellen."

Der Abschluss des Films bildete sogleich den Höhepunkt des Films an sich, auch wenn dieser Abschnitt schwer in Konkurrenz zu "Die Ungezogenen" liegt. Wahrscheinlich ist die Tatsache, dass Tarantino selbst die Hauptrolle in seinem Abschnitt übernimmt, ein extremer Pluspunkt. Außerdem kommt hinzu, dass Bruce Willis, der nicht im Abspann genannt wird, da er kein Geld für seinen Auftritt bekam, sondern nur aus Spaß mitmachte, auch einen Part übernahm. Auch wenn dieser Abschnitt eine Hommage an Hitchcock ist, von dem ich zugegebenermaßen noch nicht wirklich viele Filme gesehen habe, sondern eher nur die üblichen Klassiker, so kann er auch Nicht-Hitchcocker begeistern und es macht einen auch ein wenig Angst, dass das Fernsehen betrunkene Männer vielleicht doch zu sehr beeinflussen kann...

Zusammengehalten werden diese vier Abschnitte allein durch Ted, der von Tim Roth grandios verkörpert wurde. Eigentlich war die Rolle für Steve Buscemi vorgesehen, der diese jedoch aus Image-Gründen ablehnte. Auch wenn ich mir Steve Buscemi sehr gut in der Rolle vorstellen könnte, so war es dennoch interessant, Tim Roth einmal in einer so konträren Rolle zu seinen sonstigen Charakteren zu sehen.

Fazit

Vier verschiedene Regisseure (die extra alle aus dem "Director's Guild of America" ausgestiegen sind, da dieser ihnen verbot, einen gemeinsamen Film zu machen), vier verschiedene Räume, vier verschiedene Situationen, die alle durch Ted zusammenhängen, zeigen uns, dass Geld eine wichtige Rolle im Leben spielt und dass jeder auf die eine oder andere Art käuflich ist, wenn der Preis stimmt. Wenn man es nicht so sozialkritisch sehen will, dann ist "Four Rooms" ein absolut unterhaltsamer Film, der uns in skurrile Situationen führt, aus denen es im wahren Leben keinen einfachen Ausweg geben würde, aber was soll's dafür haben wir ja auch den Film!

Annika Leichner - myFanbase
22.08.2007

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