Bewertung: 8

Review: #4.03 Gut hier draußen

Foto: Lennie James & Frank Dillane, Fear the Walking Dead - Copyright: 2018 AMC Networks Inc.; Richard Foreman, Jr/AMC
Lennie James & Frank Dillane, Fear the Walking Dead
© 2018 AMC Networks Inc.; Richard Foreman, Jr/AMC

Ok, das habe ich nicht kommen sehen. Zwar wurde schnell deutlich, dass man die gesamte Episode Nick widmet. Dass es aber damit endet, dass er das Zeitliche segnet, ist wirklich ein schockierender Moment gewesen, obwohl man im Nachhinein gesehen das auch hätte kommen sehen können. Aber der Reihe nach…

"Sorg’ dafür, dass ich sie wieder sehe."

Nick, Luciana, Strand und Alicia haben Althea, John und Morgan erst mal gefangen genommen, doch Althea ist ganz schön tough und geht schnell in die Offensive, was zu einen Unfall führt und die Voraussetzungen komplett umkehrt. Irgendwie einigen sie sich schließlich darauf, dass es doch besser wäre, wenn man zusammen arbeitet, was eher an den neuen als an den neuen Charakteren liegt. Dieses Spannungsfeld ist aber sehr logisch, denn Alicia und Co sehen schon so aus, als hätten sie eine wirklich miese Zeit hinter sich. Jedenfalls macht sich ein Trupp daran, die Bergung des Trucks zu koordinieren, während Morgan mit Nick zurück bleiben. Der Part ist insofern ganz spannend, weil Althea mit Strand in die Diskussion gerät, warum ihr so viel an den Geschichten liegt und sie dafür so viel Risiko eingeht. Die Fragen von Strand sind ja sehr berechtigt und ich habe eigentlich die gleichen. Eine befriedigende Antwort gibt es zwar noch nicht, aber Althea ist ein beeindruckender Charakter. Sie ist stark, durchsetzungsfähig, konsequent und so von ihrer Sache überzeugt, dass die anderen gar nicht anders können, als ihrem Weg zu folgen. Toll. So führt es dann dazu, dass auch Strand und Alicia ein Risiko eingehen, um Althea zu helfen. Diese hat dann richtig Panik, als sie befürchtet, ihre Videos verloren zu haben. Auch das ist spannend gemacht, weil nur ein Puzzleteil hingeworfen wird, das sehr neugierig macht. Das persönliche Schicksal von Althea, ihre Geschichte also, ist wohl die spannendste von allen.

"Und anders als ihr kriege ich meine Familie satt."

So richtig schlau geworden ist man immer noch nicht, was nun genau um das Stadium herum passiert ist, aber man hat so eine Ahnung bekommen, die hier durch die Rückblenden und die tollen Szenen zwischen Nick und Madison umgesetzt wurde. Madison ist mit ihrem unermüdlichen Optimismus ein echter Farbtupfer in dieser tristen Welt und der Gedanke, dass sie damit nicht weit gekommen ist, schmerzt doch sehr. Doch leider ist sie auf einen Gegner getroffen, der schon ganz schön krass arrogant ist. Ennis ist in dieser Episode ein echtes Feindbild und man gönnt ihm seinen Tod regelrecht. Wie kann man nur so fies sein? Ich kann verstehen, dass man in dieser postapokalyptischen Welt erst mal nur an sich selbst denken sollte. Aber warum man dann die unfairen Mittel auch noch mit gemeinen Sprüchen unterlegen muss, ist etwas sehr dick aufgetragen. Es ist ein Wunder, dass Ennis offenbar nicht schon vorher auf Leute getroffen ist, die ihm einfach die Birne wegballern. Seine gesamte Existenz scheint nur dem zu dienen, andere zu erniedrigen. Ich hoffe sehr, dass man in den Rückblenden noch mehr über ihn erfährt, denn nach dieser Episode ist es eigentlich absolut unverständlich, dass Charlie ihm so treu ist und die Ungerechtigkeiten mitträgt und ihrerseits das Gute im Menschen ausnutzt. Charlies Loyalität muss also noch etwas besser geklärt werden, damit man ihrer überraschenden Racheakt am Ende noch besser begreifen kann. Jedenfalls hat mir Madison in dieser Episode absolut gefallen, weil sie so bedingungslos positiv war und das in dem gesamten Universum doch sehr selten vorkommt (und Carl auch schon zum Verhängnis wurde).

"Wirf mir meinen Stock zu."

Bleibt noch Nick in der aktuellen Situation. Morgan ist sehr selbstbewusst und lässt Nick im Prinzip laufen. Man hätte sich schon denken können, dass Nick nicht die gesamte Zeit hörig ist, wenn Morgan doch recht eingeschränkt ist mit seinem Bein. Es kommt also, wie es kommen musste. Nick flieht und zahlt Morgan überhaupt nichts an Nettigkeiten zurück. Nicht mal den Stock gibt er ihm runter. Das ist wirklich mies gewesen und ohne zu ahnen, dass es so kurzfristig relevant werden könnte, habe ich in diesem Moment schon gedacht, dass sich das gerne rächen darf. Wie auch immer schafft es Morgan gegen eine Vielzahl von Beißern (gut, dass man das nicht sehen musste, weil es dann nicht logischer geworden wäre) und er schafft es sogar recht fix mit seinem Bein aufzuholen und Nick erneut zu retten. Das akzeptieren wir mal so, weil es ermöglicht, dass sich die beiden annähern und eigentlich tolle Dialoge führen, vor allem in Hinblick auf die Frage, ob Rache sich lohnt oder nicht. Morgan kann sich nicht durchsetzen, weil Nick doch zu zerfressen ist von seiner Rachsucht. Das war alles nachvollziehbar, stilvoll erzählt und nach dem Tod von Ennis hatte ich mich für die nächsten Episoden schon gefreut, wie Morgan und Nick nun weiter agieren, weil man nun schauen kann, ob Nick seine Rache wirklich gut getan hat oder nicht. Durch Charlies plötzliches Auftauchen (ich hatte mich schon gefragt, warum Ennis offenbar alleine unterwegs ist und warum das auch Morgan nicht interessiert hat) kommt es dazu nicht. Die Diskussion wird nun also an die trauernden Luciana und Alicia weitergegeben, die den Rachegedanken sicherlich auch hatten und nun damit leben müssen, dass es sie nicht weiter bringt, weil Gewalt eben nur Gegengewalt erzeugt und der Leidensweg weiter geht.

Auf der anderen Seite scheint es Nick eigentlich ganz gut zu gehen mit seinem Ableben. Das Abschlussbild auf der Lupinienwiese impliziert jedenfalls, dass er seine Ruhe und damit irgendwie sein Glück gefunden hat. Ich lese daraus, dass sein Tod letztlich etwas Positives hat, weil die Monate und wohl auch schon Jahre ihn eigentlich so kaputt gemacht haben, dass sein Leben eh nicht mehr ins Positive hätte gewendet werden können. So bleibt man also mal wieder etwas schockiert mit dem Ende der Episode zurück (Travis’ Tod letzte Staffel war auch so ein Moment) und kann durch die gesamte Inszenierung nach einigem Nachdenken doch akzeptieren, dass diese Entwicklung auch passt. Ich hoffe, dass man durch Rückblenden trotzdem noch ein bisschen von Nick zu Gesicht bekommt und seinen Werdegang noch betrachtet.

Fazit

Leider ist ein entscheidender Punkt der Episode etwas sehr naiv geschrieben. Der Rest ist aber hochemotional und wirklich gut umgesetzt, sodass insgesamt eine erneut richtig gute Episode herausspringt, die die Staffel immer mehr in Fahrt bringt.

Emil Groth - myFanbase

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