Bewertung: 7

Review: #3.11 Innerlich zerrissen

Nach der fast schon dramatisch anmutenden letzten Folge, scheinen sich die Dinge in einem etwas seichterem Tempo weiter zu entwickeln. Das bedeutet nicht, dass sie weniger schwerwiegend sind, aber es wird zu mindestens nichts überstürzt. "Innerlich zerrissen" ist dabei ein gutes Stichwort, denn Amy weiß nicht so recht wie sie mit Ephrams Fehlverhalten umgehen soll und Andy zerreißt der Stress mit Amanda wortwörtlich den Magen.

Funkstille

Die Auseinandersetzung die zwischen Ephram und Amy in der letzten Folge so folgenschwer begonnen hatte, scheint relativ sanft abzuklingen. Doch es scheint eben nur so. Man merkt sofort, dass Amy seit ihrem Streit von etwas belastet wird und Ephram deswegen so lange zappeln lässt. Ich konnte nicht direkt erkennen, was sie so plagt, denn es hatte anscheinend nichts mehr mit Madison zu tun. Aber dadurch konnte die ganze Folge über eine erfrischende Neugierde in mir aufrechterhalten werden. Die Szene in der sie mit Ephram schließlich über ihre Sorgen und Ängste spricht, wirkte dadurch schon fast erleuchtend auf mich, da nun klar wurde, was der wahre Grund für ihre abwertende Haltung in letzter Zeit war. Auch fand ich den Dialog an dieser Stelle sehr gut, da es nicht sofort in einem Streit ausartete, sondern einfach nur ein offener und ehrlicher Austauscher ihrer Gefühle war. Trotz ihrer Versöhnung werde ich aber das Gefühl nicht los, dass dieses Thema damit immer noch nicht ganz angeschlossen ist.

Treten wir noch ein paar Schritte zurück und kommen darauf zu sprechen, wie lächerlich Bright sich in dieser Situation wieder verhält. Der Versuch Ephram bei einem Abendessen der Abbotts als perfekten Schwiegersohn darzustellen, was schon von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Schließlich war doch klar, dass Amy diese Masche von vorne bis Hinten durchschaut und es wundert mich auch, dass Ephram sich überhaupt darauf eingelassen hat. Ich hätte nicht gedacht, dass er so naiv ist und empfinde es auch eher als Bruch seines Charakters, was hoffentlich nicht häufiger vorkommt.
Auch Brights Charakter wirkt in letzter Zeit etwas stumpf und farblos. Dabei hatte ich seine zunehmende charakterliche Tiefe in Folgen wie #3.02 Geheimnisse oder #3.04 Peinliche Fragen sehr geschätzt. Nun scheint er jedoch mehr und mehr den Macho-Kumpel zu geben, dessen Handlungen immer weniger Gewicht haben. Ich hoffe dass sein Potential in den nächsten Folgen wieder genutzt wird.

Liebesgeschwür

Auch bei Andy und Amanda sind die Auswirkungen der Ereignisse aus der letzten Folge weniger schlagartig zu spüren. Wie vernünftige Erwachsene versuchen sie, einander fern zu bleiben, indem der kranke John für längere Zeit in eine Klinik geschickt wird und Amanda alleine verreisen möchte. Trotzdem ist Andy von dieser ganzen Angelegenheit sehr betroffen, was sich schließlich auch auf sein gesundheitliches Befinden auswirkt. Es hat mich schon ein wenig überrascht, dass er plötzlich zusammengebrochen ist, denn ich habe ihn bisher nie als körperlich oder psychisch labile Person empfunden. Aber auch einem Dr. Andy Brown kann mal etwas zu Kopf steigen.

Womit ich jedoch überhaupt nicht warm werden kann, ist die Liebesbeziehung zwischen den beiden. Ich finde Amanda ist ein wirklich toller und selbstbewusster Charakter, deren Szenen und Dialoge ich immer sehr genieße. Aber eine Frau wie sie passt meiner Meinung nach nicht zu einem Mann wie Andy. In ihren gemeinsamen Szenen spürt man einfach nicht diese besondere Chemie, welche zwischen Andy und Linda aber immer ganz deutlich vorhanden war. Amanda ist einfach nicht die Sorte Frau, die ich mir an Andys Seite vorstelle. Abgesehen davon fand ich auch diese Rückblenden, die während der Szene in der Praxis eingeblendet wurden, total schrecklich. Sie haben überhaupt nicht zum gewohnten Stil der Serie gepasst und wirkten einfach fehl am Platz.

Auszeit

Die "junge" Ehe zwischen Irv und Edna steht mittlerweile leider auch unter keinem guten Stern mehr. Während sie sich vorher noch in ihrer Verschiedenheit ergänzt haben, scheinen sie sich nun immer weiter voneinander zu entfernen. Das Edna sich nur noch in ihrer Arbeit vergräbt und kein ruhiges Rentnerleben führen möchte, kann ich immerhin noch nachvollziehen. Denn das ist es einfach, was ihren Charakter so ausmacht und vor allem ein Sturkopf wie sie lässt sich davon nicht abbringen. Aber Irv hat für mich die meisten seiner freundlich-liebevollen und fast schon weisen Charakterzüge verloren und ist nun ein relativ trauriger und unerfüllter älterer Mann. Die Folge zeigt ganz deutlich, wie nun auch der Zauber zwischen den beiden Eheleuten langsam vorüber geht. Die Entscheidung, sich für eine Weile zu trennen, wirkt zwar ziemlich endgültig und auch traurig, aber mich hat sie jetzt nicht so sehr getroffen, da der Zauber wie gesagt schon lange vorher verflogen war.

Fazit

Abgesehen von dem Krankenhausaufenthalt, der schlussendlich weniger dramatische war, als er aussah, lebte diese Folge weniger von großen Ereignissen. Es waren mehr die Dialoge, die hier auch die gewohnte Stärke der Serie zeigen. Ich bin froh, dass nach der etwas überstürzen letzten Folge hier einen Gang zurück geschaltet wurde. Trotzdem hätte das Potential einiger Charaktere noch weiter ausgeschöpft werden können, denn dann hätte es diese Folge auf etwas mehr als soliden Durchschnitt gebracht.

Laura Kulik - myFanbase

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