Bewertung: 5

Review: #3.13 Alistair Pitt (Nr. 103)

Foto: James Spader, The Blacklist - Copyright: MG RTL D / 2016 Sony Pictures Television Inc. and Open 4 Business Productions LLC. All Rights Reserved
James Spader, The Blacklist
© MG RTL D / 2016 Sony Pictures Television Inc. and Open 4 Business Productions LLC. All Rights Reserved

Ein Gastdarsteller wie Tony Shaloub verspricht auf den ersten Blick eine interessante Episode, gerade wenn er einen eloquenten Gegenpart zu James Spader übernehmen würde und angesichts der Tatsache, dass Raymond Reddington unbedingt den von Shaloub dargestellten Verhandlungsführer dingfest machen wollte, durfte man als Zuschauer schon davon ausgehen, dass es zu einem verbalen Schlagabtausch der beiden kommen dürfte. Doch das Ende der Episode, als Alistair Pitt und Reddington endlich aufeinandertreffen, ist weder der erhoffte Höhepunkt der Episode, noch irgendwie spannend inszeniert.

"You destroyed a creature more beautiful than you could ever comprehend."

Es ist sicherlich nicht verkehrt, hin und wieder ein klein wenig Einblick in das Seelenleben von Raymond Reddington zu bekommen, um zu erfahren, was ihn antreibt und wie er tickt. Privat wissen wir nur sehr wenig von ihm, doch selbst wenn wir in dieser Episode erfahren, dass er einst eine Freundin namens Josephine hatte, die er aufrichtig liebte und mit der er sich eine Zukunft hätte vorstellen können, so wirkt die ganze Geschichte aufgesetzt, deplatziert und absolut irrelevant. Gut, man könnte meinen, die Autoren streuen die Geschichte ein, um zu zeigen, welche Wege Reddington für die, die er liebt, auf sich nimmt oder vielleicht auch, dass niemand, der sich mit ihm einlässt, ein normales, gefahrloses Leben führen kann. Doch irgendwie mag der Funke, der zwischen den beiden Turteltäubchen sein soll, nicht so recht auf den Zuschauer überspringen. Daher ist sein Rachefeldzug gegen den Mann, den er für ursächlich für Josephines momentanen Zustand hält, nichts weiter als eine weitere Vendetta gegen einen Bösewicht, der sonst immer unter dem Radar der Behörden agiert.

Es ist am Ende eben ein 08/15-Fall, den Reddington dem FBI mal wieder liefert, weil er alleine nicht in der Lage ist, schnell an Ergebnisse zu kommen. Die Geschichte um die verfeindeten Drogenclans, die per Heirat dazu gezwungen werden sollen, einen jahrelangen Streit zu beenden, ist weder recht innovativ inszeniert, noch von den Akteuren überzeugend getragen. Es ist relativ schnell klar, worauf alles hinauslaufen soll und außer Samar Navabi im schönen Abenkleid gibt es absolut nichts weltbewegendes, was sich dort abspielt. Reddington darf mal wieder eine schöne Rede halten, liefert dem FBI und dieses Mal der DEA gleichermaßen noch eine ganze Bande Verdächtiger und geht am Ende als Sieger vom Platz. Business as usual.

"I underestimated how difficult this was gonna be. But if you are intent on giving up your child, I think you have to accept hat you're not gonna be able to be in its life."

Auch die Geschichte um Elizabeth weiß nicht so recht zu überzeugen. Im Fall selbst ist sie zwar zugegen, doch wirklich richtige Impulse kann sie nicht setzen. Sie ist einzig und alleine dem ständigen Spott des DEA-Agenten ausgesetzt, der sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit "Genossin Rostova" nennt und sie auf ihre Flucht und ihre Verbindung zu Reddington anspricht. Das geht nach dem zweiten Mal bereits auf die Nerven, nach dem dritten oder vierten Mal ist es einfach nur noch redundant und für die Geschichte absolut irrelevant. Gerade als es interessant wird und der DEA-Agent herausfindet, wer da mit dem FBI überhaupt zusammenarbeitet, wird er Opfer eines Kugelhagels und scheidet darin – nicht, dass es irgendetwas gebracht hätte, wenn eine weitere Behörde von der höchst zweifelhaften Kooperation gewusst hätte, irgendeiner aus der Regierung hätte schon dafür gesorgt, dass die Task-Force weiterhin fröhlich vor sich hinarbeiten darf.

Da Keen in die Fälle selbst nicht mehr wirklich verwickelt werden kann, bliebt eigentlich nur noch ihre persönliche Geschichte, die irgendwie in den Fokus rücken könnte, um Interesse beim Zuschauer hervorzurufen. Und auch hier hängt ihr ihre Flucht und die öffentliche Wahrnehmung dieser noch stark nach. Wie es den Anschein hat, möchte Liz zwar ihr Kind zur Adoption freigeben, jedoch weiterhin ein Teil des Lebens von ihm oder ihr sein und strebt deswegen eine offene Adoption an. Schnell findet sich auch ein geeignetes Pärchen, das jedoch gerade diese offene Adoption ablehnt, weil sie Liz eben aus dem Fernsehen als Verbrecherin und Terroristin kennen. Das soll primär natürlich Drama generieren und zeigen, wie schwer es Liz momentan in ihrem Leben hat, doch mich stört ein wenig die Tatsache, dass ein potentielles Elternpaar für ein Kind tatsächlich derartige Ansprüche stellen kann und lieber das Kind ablehnt, als zu akzeptieren, dass die Mutter es hin und wieder sehen möchte. Hier würde ich als Mutter intervenieren und mir dann eben ein anderes Paar suchen, zumal Liz öffentlich rehabilitiert wurde und alle Vorwürfe gegen sie fallen gelassen wurden. Vielleicht läuft alles am Ende darauf hinaus, dass sie das Kind behalten muss, weil niemand sie als Mutter im Leben ihres Kindes akzeptieren würde.

Randnotiz

  • Die Geschichte um Tom soll hier kurz Erwähnung finden, auch wenn ich sie nicht gut heiße. Nachdem Reddington seine aufrichtigen Jobavancen zunichte gemacht hat, sucht Tom verzweifelt nach einer Möglichkeit, an Geld für seine Familie zu kommen und flüchtet sich in die Illegalität. Zwar ist das Wiedersehen mit Gina Zanetakos, der Coup an sich und auch die Tatsache, dass der Major noch immer hinter ihm her ist und ihn töten möchte, interessant, doch ein wenig ärgert mich, dass Tom in alte Muster zurückfällt, obwohl er genau weiß, dass er damit bei Liz garantiert nicht punkten kann und sie ihn sicherlich fallen lassen wird, wenn sie dahinter kommt. Was also bezweckt er mit der ganzen Sache? Ist er wirklich so kurzsichtig und verzweifelt, dass er sich in alte Gepflogenheiten stürzen muss? Mir gefällt die Sache nicht.



Fazit

War die letzte Episode schon nur eine mäßig interessante Übergangsfolge, so unterbietet #3.13 Alistair Pitt diese leider noch, weil die Protagonisten auf der Stelle treten und nach dem großen Kampf gegen den Kabal ein wenig die Luft raus ist. Die emotionalen Geschichten wissen einfach nicht zu überzeugen, so dass man leider sagen muss, dass "The Blacklist" schon wieder eine qualitative Talfahrt wie in der zweiten Staffel hinlegt, die auch erst am Ende wieder abgefangen werden konnte. Wollen wir hoffen, dass die Autoren bald die Kurve bekommen und es endlich wieder spannend und interessant wird.

Melanie Wolff - myFanbase

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