Bewertung

Review: #4.11 Familiäre Überreste

Eigentlich hätten wir es hier mit einer langweiligen Geschichte zu tun. Eigentlich. In Wirklichkeit sieht es nämlich so aus, dass einige vollkommen unvorhersehbare Wendungen eine durchaus sehenswerte Episode formen.

Die üblichen Verdächtigen

Wenn in "Supernatural" ein Mann in einem abgeschlossenen Raum in einem abgeschlossenen Haus ohne Spuren eines Einbruchs ermordet wird, dann ist es für Sam und Dean zunächst klar, dass es sich nach einem Geist anhört. Normalerweise ist alles danach klar: Geist finden, Überreste verbrennen, fertig. Dieses Mal gestaltet sich die Suche nach dem Geist jedoch aus mehreren Gründen schwieriger, denn es versagt nicht nur der EMF-Meter wegen der nahegelegenen Hochspannungsleiter, die Winchesters müssen sich zusätzlich auch noch mit den neuen Mietern des Hauses herumschlagen, die sich quer stellen, wo sie nur können. Dennoch ist diese Geschichte nicht außergewöhnlich und hätten die Brüder am Ende ihres Job den Geist doch noch gefunden und dessen Überreste verbrannt, wäre es zwar recht passabel, aber sicher nicht spannend geworden.

Allerdings wendet sich das Blatt in dieser Folge scheinbar andauernd. So ist das Opfer, der Vater des toten Mädchens, das als Geist umherspuken soll, in Wirklichkeit ein Täter und überhaupt ist der Geist nicht ein einziger Geist, sondern zwei Geschöpfe, die viel niedrigere Beweggründe zum Morden haben.

"Der Mensch ist im Grunde ein wildes Tier. Wir kennen es bloß im Zustand der Bändigung und Zähmung." (A. Schopenhauer)

Gut, Schopenhauer mit "Supernatural" in Verbindung zu bringen ist ziemlich vermessen. Aber immerhin – die Autoren hinter #4.11 Family Remains sind wohl zu dem gleichen Schluss gekommen wie der große deutsche Philosoph, denn sie werfen zwei Kinder in ein brutales und unmenschliches Szenario. Was zunächst wie ein Geist aussieht, ist in Wirklichkeit ein Mädchen, das in den Wänden lebt, sich von Tieren ernährt, Erwachsene ermordet und Kinder zum Spielen sucht. Als Zuseher ist man ebenso geschockt von dieser Überraschung wie Dean und Sam. So hat auch mir der Atem gestockt, als das vermeintliche Geistermädchen plötzlich die unbezwingbare Grenze aus Salz übertreten konnte.

Aber dabei bleibt es noch nicht. So ist das Mädchen in den Wänden nicht die Tochter des ermordeten Mannes, sondern deren inzestuös mit seiner Tochter gezeugtes Kind, das sich nun rächen will. Und wer an diesem Punkt denkt, man hätte die große Wendung dieser Folge auf den Tisch gebracht, der rechnet nicht mit dem Bruder des Mädchens, der wie seine Schwester munter alles mögliche ermordet. Ein Vater, der seine Tochter durch Missbrauch schwängert und sie nach der Geburt Kinder in den Selbstmord treibt. Ein Vater, der seine inzestuös gezeugten Kinder wegsperrt, ohne Sonnenlicht und Würde aufwachsen lässt und schließlich von diesen Kindern niedergemetzelt wird. Schockierend, grausam und sehr plötzlich ergab sich plötzlich die Auflösung der Folge. Man gebe noch einen toten Hund, einen entführten Sohn und einen erstochenen Onkel der Familie hinzu, die gerade erst in das Haus eingezogen ist und man bekommt eine atmosphärisch sehr dichte Folge, die einem des Öfteren das Blut in den Adern gefrieren lässt.

Menschen, die zu Bestien werden

Aber nicht nur zwei kleine Kinder mutierten unter widrigen Umständen zu Monstern, denn Dean lässt einmal mehr die Katze aus dem Sack. Dieser hat nämlich nicht nur in der Hölle Seelen gefoltert, sondern seine Gräueltaten auch noch genossen. Ich persönlich weiß nicht, was genau ich zu diesem Geständnis sagen soll. Einerseits war es spannend und aufreibend, was Dean jetzt wieder offenbart, andererseits scheint mir diese Entwicklung vollkommen überflüssig zu sein.

Dass Menschen zusammen brechen, wenn sie gequält werden, ist verständlich und dass Dean eine sehr dunkle Seite hat, wissen wir schon lange. Dieser neue Aspekt steht aber auf einem ganz anderen Blatt. Dean mag hart sein, wenn er es sein muss, aber unberührt von seinen Taten ist er selten. Das Ende der Folge ist also vollkommen unglaubwürdig, scheint keinen Sinn zu machen und stellt Dean, als wäre es nicht genug Sam in dieser Staffel zum Sündenbock zu machen, absolut unsympathisch dar.

Fazit

Was eigentlich wie eine langweilige Geistergeschichte aussieht, entpuppt sich dank der auffällig vielen Wendungen als ein psychotisches Familiendrama. Zusammen mit dem Ende, dem ich zwar derzeit nichts abgewinnen kann, das aber durchaus irgendwann Sinn machen könnte, wird so aus einer simpel gestrickten Ausgangslage eine mehr als passable Leistung.

Eva K. - myFanbase

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