Review: Trying, Staffel 5

Zwei Jahre ist es her, seitdem die vierte Staffel von "Trying" bei Apple TV veröffentlicht wurde. Während man sich damals noch an einen größeren Zeitsprung gewöhnen musste und die Staffel insgesamt mit eher schweren Themen daher kam, wird Staffel 5, die seit dem 8. Juli 2026 bei Apple TV zu sehen ist, schon im Trailer wieder deutlich fröhlicher angekündigt. Die Vorfreude auf die neuen Folgen war riesig, denn es ist wie das Wiedersehen mit einer alten Freundin. Man fühlt sich umarmt, verstanden und kann über die absurdesten Dinge lachen. Eine Mischung aus dem Gefühl des Nach-Hause-Kommens und der Neugier auf neue Geschichten machte sich breit und es wurde, wie immer, nicht enttäuscht.
Review: Trying, Staffel 4
Was soll man noch über eine Serie sagen, über die man schon so viele Reviews geschrieben hat, ohne sich ständig zu wiederholen? "Trying" ist es aber einfach wert, bei jeder neuen Staffel auf sie aufmerksam zu machen - nicht ohne Grund bezeichne ich sie gerne als kleines Juwel. In der heutigen Zeit, in der das Leben so sehr von negativen Schlagzeilen und Gefühlen dominiert wird, tut es gut, dass es noch Produktionen wie "Trying" gibt. Ohne in ein kitschiges Heile-Welt-Szenario abzudriften, wird hier eine chaotische kleine Familie porträtiert, die durch Situationskomik, witzige Dialoge und geschickte Gefühlsmomente ins rechte Licht gerückt wird und dabei zwar vielleicht in einigen Momenten überspitzt, aber nie unrealistisch wirkt. Eine Folge "Trying" zu schauen, fühlt sich wie ein nach Hause kommen an und so beschreibt es auch Hauptdarstellerin Esther Smith im exklusiven Interview mit myFanbase, wenn es um die Produktion an sich geht. Mit fünf Staffeln ist auch hinter den Kulissen ein Team zusammen gewachsen und mit großer Freude habe ich herausgehört, dass auch sie sich jedes Mal auf das Wiedersehen mit Cast und Crew freut und die Drehbücher zur Serie nur so verschlingt, ähnlich wie ich die fertig produzierten Folgen.
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Der Realismus der Serie wird durch das Miteinander der Hauptfiguren geprägt. In einigen Momenten sind es Geldsorgen, dann wieder die Fürsorge der Kinder oder die Aufregung vor einem Jobwechsel; hier der chaotische Familienalltag, dort die verrückten Hirngespinste des Schwagers oder das boomende Handwerkerbusiness des Vaters. Den Charakteren aus "Trying" wird es sicherlich nicht langweilig und obwohl sie sich immer wieder neuen Herausforderungen stellen müssen, sind diese nicht völlig aus der Luft gegriffen, sondern entsprechen dem ganz normalen Auf und Ab des Alltags und den Überraschungen, die uns ab und zu aus der Reserve locken. Nicht jede Familie ist gleich und nicht jede muss sich den selben Herausforderungen stellen, wie es Jason (Rafe Spall) und insbesondere Nikki (Smith) durch die Rückkehr von Kat (Charlotte Riley) in das Leben ihrer Kinder in dieser Staffel tun müssen. Aber die Reaktion auf diese Situationen wird jedes Mal nachvollziehbar dargestellt. Typisch für Nikki, dass sie immer erstmal das schlimmste Szenario entwirft, um sich dafür zu wappnen, nur um dann Wege zu finden, damit umzugehen und die Situation zu verbessern. Wie sie zum Ende der ersten Episode hin, ihrer Tochter Princess (Scarlett Rayner) möglichst unauffällig den Wunsch erfüllt, etwas Zeit alleine mit ihrer leiblichen Mutter zu verbringen, ist wirklich herzerwärmend. Sie stellt ihre eigenen Unsicherheiten zurück, weil sie ihrer Tochter die Gelegenheit geben will, ihre Mutter besser kennenzulernen und eine Beziehung aufzubauen, die es ihr ermöglicht, all die Fragen über ihre Vergangenheit zu stellen. Wenn man sich in Erinnerung ruft, welche Ängste es noch in Staffel 4 in Nikki ausgelöst hatte, sich vorzustellen, dass mit der Rückkehr von Kat auch die Familie auseinander gerissen wird, die sie sich so lange mühsam aufgebaut hat, ist das ein riesiger Schritt für sie und man kommt nicht umher, genau wie Darstellerin Esther Smith selbst, stolz auf sie zu sein.

© Apple TV
Während Nikki einen Weg gefunden hat, ihr Familienleben zu sortieren und die Rückkehr von Kat zu akzeptieren, bietet das auch die Chance, ihr eine neue Storyline zu geben. Und das sorgte sogleich für eine riesige Überraschung, nicht nur beim Publikum, sondern auch bei der Schauspielerin selbst. Wie sie im Interview mit myFanbase verriet, sei sie anfangs "total schockiert" darüber, in welche Richtung die Autoren Nikkis Storyline treiben würden. Auf Nikki sollte nicht nur ein neuer Job warten, in dem sie zuerst einmal Fuß fassen und die Anerkennung der neuen Kolleg*innen gewinnen musste, sie sollte sich auch sogleich in einen ihrer Mitarbeiter verknallen. Ich verwende absichtlich dieses Verb, weil es für mich kein richtiges Verlieben war. Sie hatte eine Schwärmerei und diese Gefühle der Neugier, eine neue Person kennenzulernen, oder des Geschmeicheltseins über die Aufmerksamkeit des Gegenübers sind in meinen Augen durchaus nachvollziehbar. Wenn man Nikki kennt, weiß man aber auch, dass sie damit beginnt, infrage zu stellen, was das für ihre Ehe mit Jason bedeutet. Solange sie sich darüber unsicher war, wollte sie die Sache nicht unnötig größer machen, als sie es war, was eine Reihe von Missverständnissen zur Folge hatte, die es erschwerten, schließlich endlich reinen Tisch zu machen. Ich kann durchaus verstehen, dass sie Jason erstmal im Unklaren gelassen hat. Es auszusprechen, würde es real machen und würde sie dazu zwingen, einzuordnen, was da gerade passierte. Und was sich da zu entwickeln schien, widersprach komplett dem Lebensweg, für den sie sich entschieden hatte und für den sie so lange mit Herzblut gekämpft hatte. Sie schien über sich selbst und dieses Gefühlswirrwarr in jeder Sekunde überrascht zu sein und man sah ihr das schlechte Gewissen auch an. Nach all den Jahren der Beziehung und Ehe schien sie es aber auch spannend und aufregend zu finden, dieses Geheimnis zu haben. Letztendlich ist ja auch überhaupt nichts passiert; es war lediglich dieses "Was wäre wenn..?", was die ganze Zeit im Raum stand und die Spannung aufrecht erhielt.
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Während man als Zuschauer*in die ganze Zeit den großen Knall erwartet hat, kam dann die nächste Überraschung, die für mich in einer der schönsten Momente dieser Serie überhaupt resultiert hat. Ausgerechnet in der Halloween-Episode dieser Staffel, die vor skurrilen Momenten und Anspielungen nur so strotzt und in der man alles andere als ein Geständnis erwartet, ist es schließlich soweit, dass Nikki Jason die Wahrheit sagt - gezwungenermaßen, da sie ihm vorwirft, eine Frau im Supermarkt attraktiv gefunden zu haben, während sie selbst seit Wochen mit ihrem Mitarbeiter geflirtet hat. Die Art und Weise, wie dieser Moment aufgebaut wird, lässt einen innerlich verkrampfen, auch wenn er durch den ein oder anderen Spruch aufgelockert wird. Doch anstelle verletzter Gefühle oder verletzten Stolzes beginnt Jason Nikki aufzuziehen und ihr dabei versteckte Komplimente zu machen. Das nimmt zum einen die Anspannungen aus der Situation und zeigt zum anderen, wie tief seine Liebe und sein Vertrauen in sie ist. Er weiß, dass sie sich mit ihren Schuldgefühlen schon genug bestraft und in seinen Augen gibt es überhaupt keinen Grund, sich schuldig zu fühlen. Abschließend sagt er dann einfach nur "We are always fine!", nimmt ihre Hand und blickt ihr dabei tief in die Augen. So erwachsen, so ohne Drama, mit einer Prise Selbstironie und Veräppelung wird dieser große Spannungsbogen aufgelöst. Die Beziehung hatte dadurch vielleicht einen kleinen Riss bekommen, ist nun aber gestärkt daraus hervorgegangen, was einen großen Seufzer der Erleichterung auslöst. Für Rafe Spall, der vor dem Start der fünften Staffel im exklusiven Interview mit myFanbase auf diese Entwicklung in Nikkis Storyline angesprochen wurde, war die Beziehung zu keinem Zeitpunkt in Gefahr. Für ihn seien das Dinge, die im Leben und in Langzeitbeziehungen eben passierten. Dass die beiden so verständnisvoll miteinander umgehen würden, denn auch Jason hatte in Staffel 1 mal einen Flirt mit einer seiner Studentinnen, würde eine solche Beziehung "für das Publikum so erstrebenswert machen". Und auch Esther Smith war sich im Interview mit uns sicher, dass die beiden "eine starke Einheit sind" und sie das nun "noch stärker" machen wird.
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Während Nikkis neuer Job und alles, was damit zusammen hängt, die Zuschauenden in Atem hält, glaubt man bei Jason eigentlich, dass er seine neue Aufgabe mit links angehen wird. Nach Jahren als Lehrer und Taxifahrer hat er in Staffel 4 durch die Betreuung des Fußballteams von Tyler (Cooper Turner) erkannt, dass er seine Zukunft in der Sozialarbeit sieht. Dafür muss er aber erstmal ein Studium absolvieren und wird dort mit lauter jungen Leuten und neuen Herausforderungen konfrontiert, die ihn seine Entscheidung schnell in Frage stellen lassen. Während sich Jason in Staffel 1 noch fast auf einer Ebene mit seinen Sprachschüler*innen gesehen hat, wird der Altersunterschied in dieser Staffel umso deutlicher. Dennoch will er sich nicht unterkriegen lassen und sucht nach einer Beziehung mit seinen Kommiliton*innen. Dabei ist mir ein Gespräch mit Mia (Danielle Vitalis) in Erinnerung geblieben, das wunderbar mit dem Vorurteil über die sogenannte Genz Z gebrochen hat, denn trotz aller Lebenserfahrung konnte Jason hieraus etwas mitnehmen, dass nicht nur Nikki einen Wunsch erfüllt hat, sondern die Familie noch enger zusammen geschweißt hat, auch wenn es nur eine kleine Geste war. Bei seinem ersten Einsatz als Praktikant wird Jason dann aber auch mit der harten Realität seiner zukünftigen Arbeit als Sozialarbeiter konfrontiert. Während er gerne in die Fußstapfen von Penny (Imelda Staunton) und all den anderen treten würde, die ihm und Nikki über die Jahre mit der Adoption beigestanden hat, stehen im Alltag weniger die Menschen und die Beziehungen zu ihnen im Fokus als Formulare und Bürokratie. Zu gerne würde er ein Wundermittel haben, um allen zu helfen, aber oft wird er es auch mit Menschen zu tun haben, die seine Hilfe nicht wollen, so wie Harriet (Celia Imrie). Dass ihn das aber sogleich daran zweifeln lässt, ob dieser Job der richtige ist, hat mich etwas traurig gemacht. Aber immerhin spricht er mit Nikki darüber, so dass sie gemeinsam eine Lösung finden können, anstatt dieses Problem aus Sorge vor ihrer Reaktion für sich zu behalten.

© Apple TV
Während uns Nikki und Jason letztendlich also präsentieren, wie erwachsen sie inzwischen in ihrem Leben agieren, befinden sich Princess und Tyler in der Pubertät. Princess fühlt sich schon wie eine Erwachsene und geht Risiken ein, die nicht mal ihre leibliche Mutter gutheißen kann, während Tyler seine erste Freundin präsentiert und in eine Emo/Goth-Phase abrutscht. Dass in ihnen mit Blick auf Kat etwas Rebellisches steckt, ist in dieser Staffel nicht zu übersehen. Dass sie aber gleichzeitig in Nikki und Jason Eltern gefunden haben, denen sie sich anvertrauen können und die sie bedingungslos lieben, ist nach allem, was sie als Kinder durchmachen müssten, wirklich schön mitanzusehen. Insbesondere wie offen Tyler mit Jason über seine "Frauenprobleme" spricht, zeugt von diesem Vertrauen.

© Apple TV
Dass eine Familie noch deutlich komplizierter sein kann, insbesondere wenn man nicht offen miteinander kommuniziert, zeigen auch in dieser Staffel wieder Karen (Sian Brooke) und Scott (Darren Boyd). Während letzter sich vermeintlich tatsächlich auf seine Atlantiküberquerung gemacht hat, um seine Tochter Stevie (Matilda Flower) stolz zu machen, findet Karen nur zufällig heraus, dass er sich tatsächlich im Keller versteckt und seine Fortschritte und Anrufe vom Atlantik zu faked. Als sich ein großer Sturm über den Atlantik zusammen braut, droht aber die ganze Familie davon zu erfahren, was Karen um jeden Preis vermeiden möchte. Doch eins haben uns die Folgen, in denen die ganze Familie zusammen kommt, in den vergangenen Staffeln bereits gezeigt: Sie sind nicht nur immer etwas Besonderes, sondern bringen oft auch sehr spannende Dynamiken zwischen den einzelnen Figuren zu Tage, die das weitere Geschehen unvorhersehbar machen. Und so ist es nicht verwunderlich, dass eine solche Großfamilien-Episode auch das Finale dieser fünften Staffel darstellt. Erneut ist Scott, eine der absurdesten Figuren dieser Serie, von der man nie genau weiß, ob man sie lieben, hassen oder einfach nur Mitleid empfinden soll, der Auslöser dafür. Obwohl Wood Scott (wie oft es hier beim Dreh wohl zu Versprechern mit "Woodstock" gekommen ist?) natürlich wieder eins seiner Hirngespinste war, war Karens Idee dahinter, ihrem Mann neuen Lebensmut zu geben, wirklich bemerkenswert. Dass die Familie in solchen Momenten immer zusammen hält und sich dabei auch von persönlichen Rückschlägen nicht aufhalten lässt, füreinander da zu sein, macht dieses Staffelfinale so perfekt.

© Apple TV
Fazit
Man kommt nicht umhin, sich von dieser Serie umarmt zu fühlen - sie bringt einen zum Lachen und lässt einen auch mal eine Träne verdrücken, aber alles in allem lässt sie einen mit dem Gefühl zurück, dass alles gut wird. Die Beziehung von Nikki und Jason ist gerade wegen aller Hürden, die sie bisher überwinden mussten, von so tiefem Vertrauen geprägt. Und das überträgt sich nicht nur auf ihre Kinder, sondern auch auf uns Zuschauende, die hier nicht nur etwas Beneidenswertes, sondern auch eine erstrebenswerte Liebe zu sehen bekommen. Gerade weil sie nicht perfekt ist, macht es sie so real und den Vorbildcharakter umso größer, weil es erreichbar scheint. Nun beginnt die Wartezeit auf Staffel 6, die Apple TV uns nicht vorenthalten darf.
Die Serie "Trying" ansehen:
Catherine Bühnsack - myFanbase
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