New Amsterdam (2018) - Review des Piloten

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Ryan Eggold, New Amsterdam
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Als ich die Beschreibung von "New Amsterdam" las, dachte ich doch tatsächlich: "Nicht noch eine Arztserie!" Das ist für mich schon eine ungewöhnliche Aussage, da ich normalerweise unheimlich gerne Arztserien schaue, weil mich die Schicksale der Patienten und die Verwicklungen des Krankenhauspersonals immer faszinieren. Aber "New Amsterdam" klang für mich alleine vom Papier her zu sehr nach "Atlanta Medical", da es in beiden Serien um die schonungslose Darstellung des Krankenhausalltags in den USA geht. Während "Atlanta Medical" dabei aber die Mischung zwischen Pathos und hartem Alltag emotional anpackt, wirkte der Trailer von "New Amsterdam" gar unrealistisch, da Dr. Max Goodwin (Ryan Eggold) gar wie gottgegeben wirkt, wenn er rigoros alles umschmeißt, um zum Weltverbesserer zu werden. Dennoch habe ich nun die Chance ergriffen, um anlässlich des Serienstarts bei Vox in den vorab zur Verfügung gestellten Screener reinzuschauen, da eine Seriensynopsis und ein Trailer durchaus täuschen können.

Die Serie handelt vom bereits erwähnten Goodwin, der als ärztlicher Direktor im New Amsterdam, gelegen in New York, anfängt, das als eines der ältesten öffentlichen Krankhäuser in den Vereinigten Staaten gilt. Dabei begegnen ihm viele Bürokratien und andere Hindernisse, die der effektiven Arbeit des Krankenhauses in den letzten Jahren geschadet hat. Daher versucht er all das neu zu organisieren, damit das Krankenhauspersonal zum Kern seiner Arbeit zurückkehren kann: der Versorgung von Patienten.

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Für Eggold ist es das erste Engagement seit seinem Serientod in "The Blacklist". Auch wenn ich den Trailer nicht unbedingt ansprechend fand, muss ich eingestehen, dass Eggold natürlich definitiv ein Argument war, mal reinzuschauen, da er ein sehr charmanter Schauspieler ist, der eine Serie locker alleine tragen kann. Das wissen offenbar auch die Serienmacher, die ihn sehr offensiv als das Herzstück des Piloten inszenieren. Er beherrscht fast jede Szene, in der er auftaucht. Er ist immer präsent und durch die enge Einbindung seiner persönlichen Situation, wenn seine Frau Georgia (Lisa O’Hare) mit verfrühten Wehen eingeliefert wird, gelingt es geschickt, dass sich die ZuschauerInnen vor allem mit ihm identifizieren. Gerade durch seine menschliche Seite, die sich überall zeigt, wirkt er auch sehr nahbar und das hilft wiederum darüber hinweg, dass er am Anfang der Episode gottgleich und unwirklich erscheint. Wenn er mal eben die gesamte Herzchirurgie feuert, weil denen die Statistiken wichtiger sind als die Patienten, dann erkennt er zwar den Kern des Problems, aber wenn er auch noch zig andere Baustellen gleichzeitig angeht, dann wirkt es einfach unrealistisch und total übertrieben. Daher hat die Serie es im weiteren Verlauf dringend nötig, dass sie an dieser Stelle stark zurückschraubt, denn die Intention ist richtig, kommt mit weniger aber vermutlich deutlich besser herüber.

Aber nicht nur Eggold kann schauspielerisch im Piloten überzeugen, da noch zahlreiche weitere tolle SchauspielerInnen gecastet wurden, die zwar gegenüber dem Star der Serie noch etwas zurückstehen, die aber deutlich ihr Potenzial durchblitzen lassen. Einen bleibenden Eindruck haben dabei vor allem Janet Montgomery ("This Is Us") als Dr. Lauren Bloom und Freema Agymen ("Sense8") als Dr. Helen Sharpe hinterlassen, die zwei wirklich gern gesehene starke weibliche Charaktere werden könnten. Bloom ist so gesehen ein wenig das Gegenstück zu Goodwin, da auch für sie der Patient an erster Stelle steht, so dass sie sogar eine Ebola-Infektion riskiert, um den betroffenen Patient zu retten. Zudem hat sie eine sehr freche und lockere Art und Weise. Sehr selbstbewusst ist auch Sharpe, die der Star des Krankenhauses ist, weil sie in jedem Fernsehformat des Landes zu sehen ist und kräftig die Werbetrommel rührt. Jedoch bleibt ihr tatsächlicher Beruf, Onkologin, dabei vollkommen auf der Strecke. Einerseits fragt man sich natürlich wirklich, warum sie diesen Beruf dann überhaupt ergriffen hat, wenn sie ihn doch gar nicht leidenschaftlich ausübt, aber sie ist damit auch eine willkommene Gegnerin, da sie Goodwins offensive Art noch offensiver begegnet.

Zum Hauptcast gehören des Weiteren noch Jocko Sims ("The Last Ship") als Herzchirurg Dr. Floyd Reynolds, Tyler Labine ("Deadbeat") als Psychiater Dr. Iggy Frome und Anupam Kher ("Sense8") als Neurologe Dr. Vijay Kapoor. Reynolds darf als einziger Herzchirurg seinen Posten behalten, da Goodwin in ihm Menschlichkeit erkennt. Bei ihm ist sicherlich auch interessant, dass Bloom großes Interesse an ihm zeigt, dass er das aber aus Gründen der Rasse ablehnt, da er lieber mit einer schwarzen Frau eine Beziehung führen will. Frome ist sehr unangepasst und nimmt die größten Hindernisse auf sich, um für seine Patienten das Beste zu erreichen. Kapoor wiederum ist der älteste Arzt im Kollegium und wirkt stellenweise schon etwas senil, was auch seine Krankenschwestern in Aufruhr versetzt. Auf seinem medizinischen Fachgebiet ist er jedoch eine Koryphäe, auf dem ihm keiner so schnell etwas vormacht. Es wird spannend zu sein, wie die Serie all diese unterschiedlichen Figuren zusammenführen wird.

Obwohl der Pilot unheimlich viele einzelne Handlungsbögen hat, fand ich ihn überraschenderweise gar nicht vollgestopft und zudem wirkte es sehr, sehr kurzweilig, was immer für sich spricht. Man merkte einfach, dass alle einzelnen Geschichten Teil eines großen Ganzes waren, dass Goodwin und damit auch wie ZuschauerInnen Einblick in die Abläufe und das Personal des Krankenhauses bekommen. Für den weiteren Verlauf der Staffel hatte ich ja bereits erwähnt, dass Goodwins Aktionen dringend weniger wie Mission Impossible wirken sollten, aber dennoch bin ich sehr interessiert daran, dass man weiter innovative Wege findet, um sich dem Patienten wieder anzunähern. Ich bin sehr gespannt, ob "New Amsterdam" diesen Weg erfolgreich bestreiten wird.

Fazit

"New Amsterdam" bietet in seiner Auftaktfolge eine sehr kurzweilige Unterhaltung, die nur aufgrund der Vorstellungen des neuen ärztlichen Direktors das ein oder andere Augenrollen hervorruft. Ansonsten besticht das Geschehen durch einen ansprechenden Cast, bei dem eindeutig Eggold mit seiner charmanten Art hervorsticht und Lust auf mehr macht. Es wird interessant werden, welche Wege gegangen werden, um den Krankenhausalltag zu verbessern.

Lena Donth – myFanbase

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