How to Sell Drugs Online (Fast) - Review Staffel 1

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Ich muss gleich vorweg nehmen, dass mich der Titel der Serie überhaupt nicht angesprochen hatte und ich dann eigentlich nur deswegen einen Blick riskiert habe, weil Bjarne Mädel ("Der Tatortreiniger") mitspielt und man bei sechs Episoden à 30 Minuten nun auch nicht so viel verkehrt macht. Und ich bin sehr froh über diesen Impuls, denn die insgesamt drei Stunden haben mir wirklich gute Unterhaltung geboten.

Foto: Maximilian Mundt, How to Sell Drugs Online (Fast) - Copyright: Netflix, Inc.
Maximilian Mundt, How to Sell Drugs Online (Fast)
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Das liegt vor allem daran, dass die Geschichte und ihre Charaktere abgesehen von einer serientypischen Verdichtung an Besonderheiten äußerst authentisch und glaubwürdig daher kommen und die Handlung ein gutes Erzähltempo aufweist, das auch Raum lässt für kleine Nebengeschichten. Moritz ist im Zentrum der Handlung eine tolle Mischung aus Nerd und Romantiker, dem man seine Fehler wegen seiner Absichten durchaus verzeiht und ihm ein Happy End wünscht, sowohl bei Lisa als auch bei seiner Freundschaft zu Lenny, die auf viele Proben gestellt wird. Dass mit Gerda noch ein anderes Mädchen ist, was in Moritz verliebt ist, ist ein schöner Nebenplot, der ebenfalls sehr gut geschrieben wurde. Lisa agiert in ihrer Unsicherheit, wer sie selbst ist, auch wunderbar nachvollziehbar, soweit man die Pubertät überhaupt nachvollziehen kann. Daniel ist als verwöhnter Bengel, Sohn eines Fußballnationalspielers, auch ein witziger Charakter, der dann irgendwie mit drin hängt und fast schon zu einem Freund von Moritz wird.

Foto: Bjarne Mädel, How to Sell Drugs Online (Fast) - Copyright: Netflix, Inc.
Bjarne Mädel, How to Sell Drugs Online (Fast)
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Doch nicht nur die zentralen Charaktere überzeugen. Bjarne Mädel ist als unterdurchschnittlicher Dealer Baba mal wieder eine Freude, wenn er versucht seine Macht auszuspielen, aber eigentlich nur die Hälfte von dem versteht, was er tut. Die Eltern der einzelnen Kinder, die alle ihre eigene Geschichte angedeutet bekommen, die ins Gesamtbild passen, runden die Storyline ab. Insbesondere Moritz' alleinerziehender Vater macht einen sehr sympathischen Eindruck, wenn er zwischen Humor, Verzweiflung, einem Durchbruch als Polizist und in seiner Rolle als Vater wechselt. Das klingt nach viel, wird aber immer so weit erzählt, dass es nicht den Raum der Hauptgeschichte beschränkt. Auch Moritz' Schwester fügt sich hier wunderbar ein, als ihr Geburtstag ansteht und Moritz Größe beweisen kann.

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Foto: Lena Klenke & Damian Hardung, How to Sell Drugs Online (Fast) - Copyright: Netflix, Inc.
Lena Klenke & Damian Hardung, How to Sell Drugs Online (Fast)
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Es sind also die vielen kleinen Geschichten, die sich um die Haupthandlung herum wimmeln, die die gesamte Serie rund machen und so für tolle Unterhaltung sorgen. Es ist spannend, überraschend, aus der Naivität der Charaktere heraus gerne auch mal sehr lustig und wirklich authentisch. Erwähnen möchte ich auch noch die witzigen Sequenzen, in denen gezeigt wird, was passiert, wenn die Pillen geschluckt werden. Da ist immer alles an Wirkungen) dabei. Pädagogisch quasi fast wertvoll werden auch unerwünschte negative Effekte des Drogenkosums dargestellt. Allerdings wird hier nicht auf Suchtverhalten aufmerksam gemacht, was mein einziger wirklicher Kritikpunkt an der Serie ist. Die Einnahme von Drogen wird ein Stück weit verharmlost, weil die (wohl authentische) Ausrede, man wollte nur mal was Neues probieren, immer keine weiteren Folgen hat. Die Sequenzen sind eher witzig und für das danach hätte man sich noch etwas mehr Zeit nehmen können.

Fazit

Die sechs Episoden der ersten Staffel von "How to Sell Drugs Online (Fast)" sind wunderbar kurzweilig, unterhaltsam und vor allem deswegen überzeugend, weil eigentlich alle Charaktere glaubhaft und überzeugend im Kontext ihrer Geschichten handeln. Eine weitere deutsche Serie, die sich im breiten Angebot nicht verstecken braucht.

Emil Groth - myFanbase

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