Bewertung: 9
The Blanks

The Blanks in Berlin am 10.09.2011

Als Freund von a-capella-Musik habe ich schon seit Jahren meine Freude an den Auftritten der erbärmlichen Versager in "Scrubs - Die Anfänger". Die Momente sind nicht nur musikalisch eine wahre Freude, sie sprühen auch immer vor komödiantischen Potenzial. Auch mit den YouTube-Videos konnte man lange Zeit seine Freude haben. Als sich die echte Band "The Blanks" nun aber für Deutschland angekündigt haben, war sofort klar, was ich zu tun hatte. Also ging es los zum nächsten Ticket-Shop, der mir ein paar Karten anbieten konnte, zu meiner Freude auch noch zu sehr erschwinglichen Preisen.

Foto: The Blanks am 10. September 2011 im Heimathafen Neukölln, Berlin - Copyright: myFanbase/Emil Groth
The Blanks am 10. September 2011 im Heimathafen Neukölln, Berlin
© myFanbase/Emil Groth

Ein paar Wochen später sollte das schon anders aussehen, denn das Konzert war ausverkauft. Eine Stunde vor Beginn schlängelte sich eine Menschenmasse die Hauptstraße vor dem Neuköllner Heimathafen entlang und viele Passanten waren regelrecht neugierig, was es denn hier gäbe. Zugegeben, die Antwort hat nicht immer den sofortigen Aha-Effekt zur Folge gehabt, aber das war der wartenden Meute eigentlich auch egal. Sie war froh, als mit etwa einer halben Stunde Verspätung der Einlass endlich begann. Die zunächst noch auf dem Boden sitzenden, wartenden Gäste mussten dann auch bald aufstehen, damit die nachströmenden Zuschauer genügend Platz im Saal erhalten konnten. Mitten in diese Unruhe begann die Sängerin Diane Weigmann ihr Vorprogramm. Mit ihren deutschen Texten und ihrer stimmigen Gitarrenbegleitung wusste sie durchaus zu überzeugen, nur leider waren viele der Gäste nicht an ihr interessiert und tauschten lieber noch bestimmt ganz wichtige Informationen mit ihren Begleitern aus. Der Lärm, der sich dadurch konstant im Saal hielt, war dann in erster Linie frustrierend und auch wenn man es der Sängerin in ihren Ansagen zwschendrin anmerkte, dass sie genervt ist von dieser respektlosen Einstellung, so hat sie während ihrer Songs mit viel Ausstrahlung und guter Miene Freude verbreiten können und die Wartezeit hübsch verkürzt. Man hat es eben nicht leicht in dem Business.

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Kurz nach halb zehn war es dann aber auch so weit. Die ersten Töne erklingen und "The Blanks" alias Sam Lloyd, Paul F. Perry, Philip McNiven und George Miseralis betraten die Bühne und legten sofort los. Live ist a capella ja direkt noch beeindruckender. Die Menge tobte sofort und brachte den Saal zum Kochen. Das Programm war dann zunächst vor allem mit Beiträgen bestückt, die man auch von ihrer bisher einzigen CD aus dem Jahre 2004 kennen könnte. Umramt wurden diese allesamt sehr schön performten Songs von einer Storyline, die das schauspielerische und komödiantische Talent der vier Goldkelchen offenbarte. Sie mimten sich selbst als Band mit dem ersten Auftritt überhaupt, der ihnen helfen soll, einen Vertrag zu ergattern, damit sie eines Tages am Broadway auftreten können. Dazu haben sie von einer Managerin einen Leitfaden bekommen, den sie sich nun genauer anschauten. Was muss eine Show haben, damit sie gut ankommt? Na klar! Einen Charakter, der ein Problem überwinden muss, spannende Momente, bei denen alles auf dem Spiel steht, Gastauftritte und einen Star. Mit viel Geschick und Humor bringen sie all diese Elemente ein und sorgen für eine sehr amüsante Stimmung auch zwischen den Songs. Selten konnte man bei einem Konzert so viel lachen.

Musikalische Highlights gab es dann natürlich auch zu genüge. Neben Laslo Banes "Superman", welches der gesamte Saal mitsingen konnte, wussten vor allem die Medleys zu überzeugen, bei denen man immer schön mitraten könnte, ob man den Song erkennt. Beeindruckend war dann vor allem die Zusammenstellugn von 23 Hits in nur rund zwei Minuten, was tatsächlich einem Ratespiel glich, weil immer nur ein paar Töne der Songs dargeboten wurden. Und diese wurden trotz teils aufwändiger Choreographie und größten Tonumfang immer sauber getroffen. Wenn man bedenkt, dass die Jungs jeden Tag in einer anderen Stadt eine solche Show abziehen, kann man nur den Hut ziehen. Jeder, der wenigstens in einem Chor singt, weiß, wie anstrengend es auf Dauer ist. Dass es beim Konzert dann auch keine Pause gab, ist ein weiterer Aspekt, den man sich voller Ehrfurcht erst mal bewusst machen muss. Doch an Durchhaltevermögen mangelt es den im Scheinwerferlicht schwitzenden, sich agil bewegenden Quartett nicht.

Nach etwa eineinhalb Stunden neigte sich das Konzert dem Ende, doch die Fans wollten mehr, immerhin sind die ganz großen Highlights noch nicht gekommen. Voller Hoffnung brüllte die Menge "The Blanks" zurück auf die Bühne und wurde umfassend belohnt. Erst kam das wunderschöne "Hey Ya", dann das Medley der aktuellen Songs mit "Teenage Dream" etc. und der Abschluss "Guy Love" stellte auch den letzten Zuschauer im Saal vollends zufrieden. Somit endete ein großartiges, hoch qualitatives, unglaublich amüsanten Konzert, das keine Wünsche offen ließ.

Doch das war noch nicht das Ende des Abends. Nach einer verdienten Pause kamen "The Blanks“ noch mal auf die Bühne um Autogramme zu geben. Die lange Schlange wartete sehnsüchtig und wurde mehr als belohnt. Wer ein schnelles Durchwinken erwartete, sah sich getäuscht. Die vier Jungs nahmen sich für jeden Fan Zeit, um auch ein paar Worte zu wechseln und Fotos zu schießen. Besonders die ersten Fans durften bis zu zehn Minuten auf der Bühne verweilen. Dieses Tempo konnte so nicht bleiben, aber auch drei Minuten sind mehr als man erwarten konnte. Dass sich "The Blanks" dann auch noch bedanken, dass man so lange gewartet hat, ist dann schon fast absurd, zeigt aber, welch großartige, bodenständige und überaus sympathische Kerle das sind. Erst zehn nach eins waren dann auch die letzten Fans versorgt und "The Blanks" durften ihren hochverdienten Feierabend antreten. Für die Fans ist der Abend unvergesslich gewesen und auch wenn das knallharte Tourprogramm ein wahrer Kraftakt ist, so hatte man doch immer das Gefühl, dass auch "The Blanks" den Abend nicht so schnell vergessen werden. Die Fans haben jedenfalls alles dafür getan, dass die Vier mal wieder nach Berlin kommen werden.

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Emil Groth - myFanbase
25.09.2011