Bewertung: 8
Dashner, James

Die Auserwählten - Kill Order

"Sie haben übrigens schon einen Namen für den Virus. Sie nennen ihn Den Brand."

Foto: Copyright: Chicken House
© Chicken House

Inhalt

Ein Jahr ist es her, seitdem die Sonneneruptionen große Teile der Erde vernichtet haben. Mit Mühe und Not haben sich Marc, Trina, Alec und andere Überlebende ein neues Leben mitten in den Wäldern der Appalachen aufgebaut. Gerade als sie glauben, dass sich die Erde langsam erholt und sie tatsächlich neu anfangen können, trifft ein noch viel größeres Unglück ihr Dorf. Eines Tages fliegt ein Berk über sie und beschießt sie mit Pfeilen. Einige sterben sofort, bei anderen verhält sich das hochansteckende Virus anders. Es mutiert rasend schnell und fortan sind Marc und seine Freunde auf der Flucht vor der Krankheit und auf der Suche nach Antworten. In einem weiteren ausgerotteten Dorf finden sie ein kleines Kind, das immun gegen den Virus zu sein scheint und nehmen es in ihre Gruppe auf. Als die Mädchen von einer anderen Gruppe entführt werden, suchen Alec und Mark nicht nur mehr nach dem Landeplatz des Berks, sondern auch nach ihren Gefährtinnen. Die Ängste vor einer Ansteckung und der Begegnung mit den Infizierten verfolgen Marc genau so sehr wie seine Albträume, in den er sich an die Ereignisse in New York erinnert.

Kritik

Die Geschichte beginnt mit zwei für uns Leser alten Bekannten: Thomas und Teresa. Beide sind kurz davor, ins Labyrinth zu gehen. Thomas wird am Ende des Prologs ohne Erinnerungen in die Box gesteckt. Dieses Kapitel ist als Einstieg sehr gut gewählt, soll doch "Kill Order" die Vorgeschichte liefern und erklären, warum es überhaupt zum Bau des Labyrinths und zum Studium der Todeszone, also dem Gehirn, gekommen ist.

In gewohnter Dashner-Manier wird der Leser direkt in das Geschehen katapultiert, das 13 Jahre vor den Ereignissen im Labyrinth spielt, als nach einem kurzen Einstieg Pfeile die Menschen im Dorf treffen und die Krankheit sich rasend schnell verbreitet. Da das Virus direkt zu mutieren beginnt, wird die Geschichte schnell grausam. Es wird nichts beschönigt, sondern dem Wahnsinn und dem Tod direkt ins Auge geblickt. Verteidigung und Mord stehen in "Kill Order", passend zum Titel des Romans, an erster Stelle. Vor allem wenn man die tatsächliche Kill Order in der Korrespondenz der Regierungsmitarbeiter liest, wird einem wieder deutlich, dass der Mensch und seine Handlungen schlimmer sein können als jede Naturkatastrophe. Kenner der "Maze Runner-Serie" wissen bereits, wie die Bekämpfung um den Brand enden wird. Dadurch empfindet man diese Geschichte als noch trostloser und grausamer als sie sowieso schon ist. Man weiß genau, dass all die Hoffnung, die die letzten gesunden oder überlebenden Menschen noch haben, vergebens ist und sie alle sterben oder – noch schlimmer – verrückt werden, da es keine Heilung geben wird.

In Traumsequenzen von Mark erfährt der Leser, wie sich die Sonneneruptionen und deren Folgen auf die Menschen ausgewirkt haben und wie viele Leben diese Umweltkatastrophe gekostet hat. Von höchsten technischen Standards fangen die letzten Überlebenden praktisch wieder bei Null an und müssen nicht nur unerträgliche Hitze und Strahlung ertragen, sondern auch in einfachsten Bauten hausen, die sie sich zusammen gezimmert haben. Ihre Nahrung bekommen sie aus alten Fabriken oder jagen diese in den letzten Wäldern der Erde. Der Weg, um sich ein neues Zuhause zu errichten, war lang. Als die Erde ohne Vorwarnung von den Sonneneruptionen getroffen wurde, starben tausende Menschen sofort, entweder durch die Hitze, durch die Strahlung oder durch die Flutwelle, die kurz darauf über die Städte hineinbrach. Da so viel zerstört wurde, entfachte dies ein Kampf zwischen den restlichen Überlebenden um Leben und Tod. Nur mit List haben es Alec, Mark und ihre Gruppe geschafft, wochenlang zu überleben und dann aus den Trümmern New Yorks zu fliehen, das seit der Flut größtenteils unter Wasser steht.

Die beiden Hauptcharaktere Mark und Alec sind dem Leser sofort sympathisch und man ist gebannt von den Geschehnissen, die die beiden erleben. Alec ist seit der Katastrophe eine Art Ersatzvater für Mark geworden und obwohl er eine raue Schale hat, besitzt er auch eine sensible Seite. Er würde sein Leben für Mark und seine Freunde opfern, weiß aber auch, dass er längerfristig denken und handeln muss. Für Mark wirken viele von Alecs Handlungen zunächst egoistisch, wie zum Beispiel, als ein Freund von ihnen sich tötet, da er den Wahnsinn, der ihn befallen hat, nicht mehr länger ertragen kann, oder als eine Freundin von ihnen alleine sein will, um sie nicht anzustecken. Doch je mehr Zeit die beiden miteinander verbringen, desto mehr versteht er Alecs Taten und handelt später selbst nach dessen Credo. Die Angst, bereits selbst infiziert zu sein, begleitet die beiden auf ihrer Suche nach ihren Freunden und nach dem Landeplatz des Berks stets und man hofft inständig für sie, dass sie es schaffen werden, dem Virus zu entkommen.

Die Nebencharaktere spielen bis auf Trina, der besten Freundin von Mark und dem Mädchen Deedee, das sie in dem verlassenen Dorf gefunden haben, keine große Rolle. Deedee wurde ebenfalls von den Pfeilen getroffen, die das Virus verbreitet haben, doch sie zeigt keinerlei Symptome und scheint als eine der wenigen Menschen immun gegen das Virus zu sein. Als die Gruppe das Mädchen findet, ist es zwischen vier und sechs Jahre alt. Deedee hängt sehr an Trina und ist trotz ihres Alters schon sehr mutig. Man wünscht sich für sie, dass sie es schafft, all dem Wahnsinn zu entkommen.

Wie schon anfangs beschrieben ist die Stimmung, abgesehen von viel Action, sehr trostlos. Das Buch ist ein echter Pageturner und doch will man es eigentlich nicht zu Ende lesen, da schon zu erahnen ist, wie die Geschichte für die Charaktere endet. Dennoch ist es äußerst interessant, den Verlauf der Krankheit mitzuerleben und die ersten Cranks kennenzulernen - die zu dem Zeitpunkt, in dem die Geschichte spielt, diesen Spitznamen noch gar nicht haben. In "Die Auserwählten 2 – In der Brandwüste", ist der Leser auf Infizierte im Endstadium getroffen, die nichts Menschliches mehr an sich haben. Doch in "Kill Order" begegnet man frisch Infizierten, die sich im Verlauf der Geschichte selbst mehr und mehr an die Krankheit verlieren, was noch trauriger mit ansehen zu ist, als die Cranks zu erleben.

Man hofft für die Charaktere, dass sie nicht lange leiden müssen und sie einen Weg finden, ihr Elend schnell zu beenden. Man erlebt die ersten Anzeichen des Brands mit, aber ich hätte mir die Symptome etwas deutlicher gewünscht. Es wird zwar beschrieben, dass im Kopf Schmerzen auftreten, man plötzlich die Kontrolle verliert und Bilder vor Augen sieht, doch dies hätte noch ein wenig ausgeprägter beschrieben werden können, so grausam es auch sein mag, um die Krankheit und deren Verlauf besser nachvollziehen zu können, wie aus einem vernünftigen Menschen, ein blutrünstiger, verrückter Crank wird.

In der Ausgabe von Barnes & Noble von "Kill Order" ist ein Zusatzkapitel enthalten, bei dem der Leser erfährt, dass Deedee später in Teresa umbenannt wird. Auch Leser, denen dieses Kapitel vorenthalten bleibt, können sich dies denken, da die Geschichte mit ihr und Thomas beginnt und auch mit Thomas endet, als er seiner Mutter entrissen und in Thomas umbenannt wird. Die Brücke zu "Maze Runner" ist außerdem gelungen, da Deedees letzte Szene mit einem Zettel in ihrer Hand endet und bei Maze Runner Teresas Geschichte mit einem Zettel in der Hand beginnt.

Einige der Fragen, die man sich beim Lesen der "Maze Runner"-Serie gestellt hat, werden hier beantwortet und doch bleibt einiges offen. Der Leser wird sehr detalliert über die Sonnenerputionen und die Entstehung des Brands aufgeklärt, darüber, wer die Schuld an dieser menschengemachten Katastrophe hat und wie sich das Virus verbreitet und mutiert. Offen bleibt nun, was zwischen dem Ausbruch von dem Brand und dem Bau des Labyrinths geschehen ist. Diese Geschichte soll in einem weiteren Prequel beantwortet werden, an dem Dashner bereits arbeitet.

Fazit

"Kill Order" liefert das, was man bei der "Maze Runner"-Serie oft gesucht hat: Antworten. Nicht alle, aber immerhin so viele, dass das große Ganze nun ein geschlosseneres Bild ergibt. Die Geschichte über den Brand ist erschreckend, grausam und überaus interessant zugleich. Hatte man zuvor schon eine Abneigung gegenüber ANGST (oder der Organisation aus der ANGST entstanden ist), so wird diese nach dem Lesen dieser Lektüre noch ein Stückchen größer. Auch die Tatsache, dass das von Dashner beschriebene Szenario gar nicht so realitätsfern ist, lässt die gesamte Szenerie noch erschreckender erscheinen. "Kill Order" ist eine sehr lesenswerte Vorgeschichte, die jedem, der die "Maze Runner"-Serie mochte, ebenfalls gefallen wird.

Zur Rezension von "Die Auserwählten - Im Labyrinth"
Zur Rezension von "Die Auserwählten 2 - In der Brandwüste"
Zur Rezension von "Die Auserwählten 3 - In der Todeszone
Zum großen "Maze Runner"-Special auf myFanbase

Anika W. - myFanbase
01.11.2015

Diskussion zu diesem Buch