Bewertung: 8

Review: #1.17 Der Garten der sich gabelnden Pfade

Foto: Copyright: 2010 American Broadcasting Companies, Inc. All rights reserved./Adam Larkey
© 2010 American Broadcasting Companies, Inc. All rights reserved./Adam Larkey

Ja, wenn man bei "FlashForward" von Anfang an mit solchen Episoden hätte aufwarten können, dann stünde man jetzt nicht vor dem Scheitern. #1.17 The Garden of Forking Paths bietet einfach alles, was man sich von einer Serie wünscht: emotionale Momente, Spannung bis zur letzten Minute und einen kleinen, aber netten Cliffhanger, der Lust macht auf mehr.

15. März 2010

Der Tag X ist also gekommen. Da Demetri nicht auf Mark hören und sich eben nicht auf einer einsamen Insel verstecken wollte, sitzt er nun in einer interessanten Konstruktion, die für seinen Tod verantwortlich sein könnte. Demetri sieht seinem Tod also die ganze Zeit in die Augen, ohne selbst wirklich etwas unternehmen zu können. Sein Schicksal liegt nun nicht mehr in seinen Händen.

Am Ende ist es dann tatsächlich Mark, der es buchstäblich in der Hand hat, ob Dem lebt oder stirbt. Seine Hand ist am Abzug, als der von Frost gesetzte Countdown, bis Dems Todesfalle zuschnappt, fast abgelaufen ist. Der Moment als beide realisieren, dass nun genau das passiert, was ihnen prophezeiht wurde, nämlich, dass Mark Dem mit seiner Waffe erschießen wird, ist ergreifend und der Zuschauer kann die Verzweiflung in Marks Versuchen, Dem zu retten, fast schon selbst spüren. Ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass die Macher uns hier eine der stärksten Szenen der gesamten Serie präsentiert haben, was nicht zuletzt an einem genial-spielenden John Cho liegt.

Bis Demetri sich am Ende dann doch noch in Sicherheit wiegen kann, gibt es Einiges aufzudecken. So blicken wir endlich ein bisschen hinter das Mysterium Dyson Frost aka "D. Gibbons". Zunächst erfahren wir in einem Rückblick, was Klein-Charlie mit Frost erlebt hat. Erst später wird klar, dass eben dieses Gespräch auf dem Rummel, das letzte Episode angedeutet wurde, essentiell war, um Demetris Schicksal zu verändern und Dyson Frost zu finden. Natürlich wird uns bei weitem nicht alles über Frost mitgeteilt. Wir erfahren, dass er vor Jahren an einem Experiment beteiligt war, das Raven River genannt wurde, und dass er seither immer wieder Flashforwards hatte, die allesamt unterschiedliche Versionen seines Lebens aufzeigten. Und hier kommen wir also wieder zum zentralen Thema in "FlashForward". Ist das Schicksal wirklich vorherbestimmt? Oder hat der Mensch an jedem Punkt in seinem Leben die Möglichkeit, frei zu entscheiden? Frost entgegnete selbst, dass er in fast 80 Prozent seiner Zukunftsvisionen am 15. März verstorben ist. In 20 Prozent jedoch überlebte er und konnte sehen, was auf ihn zukommen würde, entscheidet er sich heute, genau an diesem Tag, anders.

Der 15. März 2010 ist also nicht nur ein Schicksalsdatum für Demetri, sondern auch ein Scheideweg für Dyson Frost. Auch sein Schicksal entscheidet sich hier. Am Ende kann er dann trotz aller Versuche seinen Tod nicht verhindern. Bis dahin geht es jedoch rund, denn letztendlich ist es Zoeys Hartnäckigkeit, eine Verhandlung für Alda zu erreichen, die die Dinge in Gang gesetzt haben, die Frost das Leben kosten. Im Zuge der Anhörung kann Alda Hertzog fliehen und nutzt die Gelegenheit, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, um Frost auszuschalten.

Es geschieht also am Ende alles so wie geplant und vorherbestimmt, für fast jeden der Charaktere. Nur eben für Dem nicht. Und doch ist nichts in Stein gemeißelt und jeder Einzelne kann sein Schicksal verändern. Viel interessanter fand ich dann schon die Theorie, die bei der Lagebesprechung des FBI anklingt. Die ständige Sorge um die Zukunft kann schnell dazu führen, dass Dinge in Gang gesetzt werden, die nicht mehr aufzuhalten sind. Erwartungshaltungen werden geweckt und man handelt unterbewusst so, dass das erwartete Ende unausweichlich wird. Die klassische, sich selbst erfüllende Prophezeiung. Ich bin froh, dass sie uns bei Demetri erspart geblieben ist.

Randerscheinungen

Nebenher ist auch noch so einiges passiert, das erst auf den zweiten Blick interessant wird. Zum einen haben wir gesehen, dass der Bruch zwischen Olivia und Mark sehr tief ist, jedenfalls auf Seiten Olivias, die Mark nicht verziehen hat, dass er sich für seine Ermittlungen und gegen seine Familie entschieden hat. Sie ist bei dem Treffen eher kühl und distanziert, während bei Mark durchscheint, dass er mit der Situation nicht zufrieden ist und seine Familie vermisst. Leider erfahren wir überhaupt nicht, was Olivia letztendlich dazu getrieben hat, Lloyd zu küssen, noch tauchen die beiden in einer gemeinsamen Szene auf.

Stattdessen trifft Olivia ein neues Puzzleteil. Gabriel, einen Inselbegabten, der ihren Namen kennt und ebenfalls am Raven-River-Experiment teilgenommen hat. Viel mehr erfahren wir erst einmal nicht, weder wer Gabriel ist, noch in welchem Zusammenhang er mit Olivia steht. Stattdessen wird ein kleines Geheimnis gelüftet, das ICH jedenfalls mittlerweile bereits vergessen hatte. "Wer hat Olivia die SMS geschrieben, in der ihr mitgeteilt wurde, dass Mark wieder trinkt?" Letztendlich war es der erschossene Obdachlose, der Olivia dann irgendwie zu Gabriel führt. Ich bin gespannt, was hier noch auf uns zukommt.

Was am meisten Spannung verspricht, ist das Ende. Ja, das Ende. Das Ende am 12.12.2016. Hier endet Dyson Frosts "Baum des Schicksals", wie ich ihn einfach mal nenne. Frost hatte tatsächlich jeden seiner Flashforwards katalogisiert und für etliche Menschen verschiedene Lebenswege gezeichnet. Leider ist das interessante Bildnis dann von ihm selbst zerstört worden, so dass es unseren Ermittlern unmöglich ist, vorherzusehen, was als nächstes passiert. Mark kann sich natürlich noch an ein paar Details erinnern, vor allem an den 12.12.2016, denn hinter dieses Datum hatte Frost einfach nur "Das Ende" geschrieben. Das Ende. Von was eigentlich? Das Ende der Welt? Das Ende der Serie? Das Ende von Marks dämlichen Entscheidungen? Warten wir's ab.

Fazit

Eine richtig gute Episode, die uns kurz vor dem (Serien-?)Ende präsentiert wird. Ein großer Stein ist den Fans vom Herzen gefallen, eine wichtige Figur ist tot. Wohin die Serie jetzt steuert, ist nicht ganz klar. Natürlich gibt es noch offene Baustellen: Stark in Afghanistan, sowie Bryce und Keiko, Maulwurf-Janis' Schwangerschaft mit Dems (?) Baby oder Nicoles vermeintlichen Tod durch den Würger. Doch mal ehrlich, diese Nebengeschichten interessieren eigentlich kaum noch jemanden. Viel interessanter ist nun herauszufinden, wer dieser Gabriel ist und was genau mit dem "Ende" gemeint ist. Außerdem rückt ja auch noch der 26. April näher, nach dem wir nicht wissen, wie es weitergeht, weil die Flashforwards eben nur bis hierhin einen Blick in die Zukunft erhaschen ließen.

Dank des guten Unterhaltungswerts kann ich ohne zu Zögern Punkte im oberen Bereich vergeben. Einen kleinen Punktabzug gibt es allerdings, weil Simon in der Episode nicht ein einziges Mal aufgetaucht ist und ich mir gerade von und mit ihm noch einiges erwarte. Aber insgesamt bleibt zu sagen, dass es so gerne weitergehen kann.

Melanie Wolff - myFanbase

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