Bewertung: 7

Review: #7.15 Im Visier

Foto: Julianna Margulies, Good Wife - Copyright: Paramount Pictures
Julianna Margulies, Good Wife
© Paramount Pictures

Langsam aber sicher verdichten sich die verschiedenen Handlungsstränge und bereiten damit den Weg in Richtung des anstehenden Serienfinales. Eins bleibt dabei aber nach wie vor sehr auffällig: Alicia agiert wieder einmal nahezu losgelöst vom Rest der Hauptcharaktere. Da muss es hinter den Kulissen auch nach dem Abgang von Archie Panjabi alias Kalinda Sharma noch gehörig knirschen. Oder bin ich mit meiner Beobachtung völlig alleine, dass sich die Interaktion von Julianna Margulies mit dem Rest des "alten" Hauptcast auf das Nötigste beschränkt?

Der Fall der Woche war auf jeden Fall auch wieder ein gutes Beispiel dafür, bot aber durchaus eine interessante und spannende Ausgangslage, hinterließ dabei nicht nur eine fragwürdige Auflösung, sondern auch noch eine Wendung, mit der ich an dieser Stelle schon gar nicht mehr gerechnet hatte. Etwas seltsam erschien mir aber zunächst einmal, wie Alicias Abwesenheit in der Kanzlei behandelt wurde. Sicher, ihre Teilnahme an der Verhandlungsrunde unterlag der Geheimhaltung, aber wie genau hat sie sich bei Diane und Cary abgemeldet? Oder wurde das von ihr gar nicht erst thematisiert? Abgesehen davon war das Wiedersehen mit Captain Terence Hicks eine schöne Sache, auch wenn sein letztes Auftreten in Folge #3.09 Whiskey Tango Foxtrott inzwischen schon eine ganze Weile zurück liegt. Mir persönlich haben die Fälle vor dem Militärgericht in der Vergangenheit immer sehr gut gefallen. Das lag zumeist einfach daran, dass dort immer andere Regeln galten, als Alicia sie vor einem zivilen Gericht gewohnt war und sie sich damit aus ihrer Comfort Zone heraus bewegen und sich den ungewohnten Rahmenbedingungen schnell anpassen musste, um ihre Klienten gut zu vertreten. Auch im vorliegenden Fall benötigte Alicia wieder eine gewisse Eingewöhnungszeit, durchschaute aber erneut durch ihre gute Auffassungsgabe schnell die Gepflogenheiten und brachte sich gekonnt in den Fall ein. Dabei war die Fragestellung durchaus interessant, ob eine solche Runde über die Tötung eines IS Führers einfach so entscheiden kann und ob für einen amerikanischen Staatsbürger, als der sich dieser überraschend entpuppte, andere Regeln gelten und ein Prozess geführt werden soll. Ich will da jetzt gar nicht zu politisch werden, aber ich finde es durchaus umstritten, ob sich die USA (oder welches Land auch immer) als Weltpolizei aufspielen und eine Entscheidung über Leben und Tod treffen darf oder ob nicht auch ein Prozess gegen einen Kriegsverbrecher und Terroristen geführt werden sollte, unabhängig davon, ob dieser nun amerikanischer Staatsbürger ist oder nicht. Jedenfalls war es interessant zu sehen, wie Alicia ihre Meinung aufgrund der neuen Sachlage änderte, nachdem sie eigentlich ihre Zustimmung zur Tötung bereits gegeben hatte. Dass letzten Endes dann doch noch die Tötung ohne den eigentlich angestrebten Prozess stattgefunden hat, lässt uns Zuschauer mit einer ambivalenten Situation zurück. Auch wenn schlussendlich eine Entscheidung unabhängig von der Staatsangehörigkeit fiel, wurde die "Todesstrafe" ohne zuvor geführten Prozess vollstreckt.

Nachdem ich mich gerade erst in der Review zur letzten Folge #7.14 Monday gefragt hatte, welche Rolle wohl die NSA noch bis zum Serienfinale spielen könnte, wurde mein Gedanke auch schon erhört. Unberechtigterweise wurde also Captain Hicks als undichte Stelle vermutet, dabei war es unbewusst Alicia, die durch ihr von der NSA abgehörtes Handy zum Leck wurde. Das gebührt ja nicht einer gewissen Ironie, dass die Nationale Sicherheitsbehörde durch ihre eigene Methoden zu einem Sicherheitsleck wird. Nun wird es aber auch interessant sein, ob Alicia, die nun in Verdacht geraten ist, noch mit Konsequenzen zu rechnen hat oder ob sich das auf dem kurzen Dienstweg zwischen NSA und dem Militär regeln wird. Und der positive Nebeneffekt an einem herannahenden Serienende ist dabei eben auch, dass es darauf wohl sehr bald schon eine Antwort geben wird.

À propos Serienfinale: wenn es mit Alicia so weiter geht, dann endet sie noch als Alkoholikerin im Entzug. Es fällt nicht erst in dieser Staffel, wenn auch inzwischen verstärkt auf, dass Alicia immer mehr dem Alkohol zugeneigt ist. Ihr Zusammenbruch gegenüber Lucca neulich war da ja schon quasi ein Eingeständnis, das aber in dieser Hinsicht nichts geändert zu haben scheint. Wie Jason Alicia von der Flasche abhalten musste, war jedenfalls schon fast krankhaft von ihr und die Art und Weise, wie sie den Spieß dann auch noch umdrehte und Jason um sexuelle Zuneigung schon fast erpresste fand ich gar ein wenig unheimlich bis widerwärtig. Für ein Augenzwinkern war mir das persönlich einfach eine Spur zu heftig. Die Chemie zwischen Jason (ich bin übrigens gespannt, ob man noch einmal auf seine Zwielichtigkeit zu sprechen kommt, vor der Alicia zu Staffelbeginn noch gewarnt wurde) und ihr ist durchaus vorhanden. Jeffrey Dean Morgan verleiht seinem Charakter jedenfalls einen nicht absprechbaren Charme. Dennoch tue ich mich mit allen ihrer mehr oder weniger romantischen Beziehungen nach Wills Ableben sehr schwer. Vielleicht gerade auch, weil es inzwischen doch schon so einige Affären gab und mir der Männerverschleiß einfach zu viel geworden ist. Das alles kann man nun auch als Teil von Alicias Charakterentwicklung betrachten, mit der ich in diesem Fall jedoch nicht viel anfangen kann. Eher ist es noch ein (billiges) dramaturgisches Mittel der Autoren, die krampfhaft versuchen, Alicia wieder einen Mann an die Seite zu stellen.

Für amüsante Abwechslung sorgte derweil der "Intrigantenstadl" bei Lockhart, Agos & Lee. Davids Paranoia oder gar drohende Wahrheit hinsichtlich Dianes möglicher Absicht, eine reine von Frauen geführte Kanzlei anzustreben, führte zu einigen kuriosen Szenen in durchaus ungewohnten Personenkonstellationen wie beispielsweise von David und Jason, die letztendlich in Jason und Luccas gemeinsamen Fazit gipfelten, an einem verrückten Ort gelandet zu sein. Wenn auch überspritzt in der Darstellung, so steckt darin leider Gottes auch erschreckend viel Wahrheit aus der realen Arbeitswelt. Ich persönlich glaube eigentlich nicht daran, dass an Davids Befürchtung, der überraschenderweise auch Cary erlegen ist, etwas Wahres dran sein könnte. Dafür scheint mir der Graben zwischen Alicia und Diane inzwischen zu groß, so dass Diane hier höchstens einen Alleingang ohne Alicia planen könnte.

Amüsant ging es mitunter auch bei Eli und Peter zu. Die Abschiedsparade bekannter Gesichter nahm eine weitere Runde und so durfte auch Elsbeth Tascioni noch einmal zu einem Einsatz kommen. Nach zuletzt völlig überzeichneten Auftritten ihres Charakters, lief es dieses Mal fast schon gesittet ab. Und irgendwie war es auch schön mit anzusehen, dass selbst ein solch verquerer Charakter ein passendes Gegenstück haben kann, hier in Form ihres (Ex-)Mannes Mike. Der passte meines Erachtens auch viel besser zu ihr, als dies zuvor schon häufiger mit dem von Kyle MacLachlan verkörperten Josh Perotti versucht wurde. Abseits dieser inzwischen schon routiniert eingesetzten persönlichen Spleens bot der Handlungsstrang aber auch die Erkenntnis, dass sich die Schlinge um Peter immer enger zuzieht. Der Wahlbetrug und die Förderer im Hintergrund seiner Kampagnen könnten ihm und möglicherweise auch Alicia schon bald das Genick brechen. Ganz durchschaubar ist das zwar alles immer noch nicht im Detail, aber das letzte Staffeldrittel lässt dafür ja auch noch ein wenig Spielraum offen. Insgesamt war es auf jeden Fall spannend und unterhaltend zugleich. Da will ich mich nun wirklich nicht beschweren.

Jan H. – myFanbase

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