Bewertung: 6

Review: #7.04 Schikane

Foto: Alan Cumming, Good Wife - Copyright: Paramount Pictures
Alan Cumming, Good Wife
© Paramount Pictures

#7.04 Taxed eignet sich mit seinen Handlungen, Schauplätzen und Figurenkonstellationen bestens, um ein erstes Zwischenfazit der siebten Staffel und deren derzeitigen Stärken und Schwächen zu ziehen.

Die Stärken

Neue Charaktere – Die Folge ist wirklich ein hervorragendes Beispiel dafür, wie gut sich die zum Staffelbeginn neu eingeführten Figuren bereits nach wenigen Episoden eingefügt haben, die Serie bereichern und frischen Wind bringen. Das liegt nicht nur an den von den Serienmachern kreierten Charakteren, sondern auch an den sie verkörpernden Schauspielern.

  • Lucca Quinn: Lucca nach den ersten Folgen nur auf einen offensichtlichen Ersatz von Kalinda zu reduzieren würde ihrem Charakter sicher Unrecht tun. Dennoch lassen sich gewisse Parallelen in der Figurenzeichnung nicht verleugnen. Alicia hat eine Freundin in ihrer auf sich allein gestellten Situation dringend nötig und Lucca füllt diese Aufgabe bereits nach ihren ersten Auftritten bestens aus. Sie ist auf Anhieb ein Sympathieträger mit unkonventionellen Seiten und Denkweisen, die Alicia mitunter fehlen oder abhandengekommen sind. Das hat Lucca auch schon als kurzfristig für Alicia einspringender Ersatz vor Gericht bewiesen und wenn ich das Ende dieser Folge richtig interpretiere, dann werden wir das in naher Zukunft möglicherweise noch häufiger zu sehen bekommen. Der Einstieg von Lucca in Alicias Kanzlei ist eine willkommene Bereicherung. Ich freue mich schon auf mehr von ihr.
  • Jason Crouse: Es ist erst der zweite Auftritt von Jason Crouse und es ist wirklich erstaunlich, wie gut bereits die Chemie zwischen Alicia und ihm ist. Doch es umgibt ihn auch etwas Mysteriöses und Geheimnisvolles. Ist es tatsächlich nur seine persönliche Zuneigung zu Alicia, die ihn dazu veranlasste, trotz eines geringeren Stundensatzes für sie zu arbeiten oder steckt da noch mehr dahinter? Jedenfalls versteht es Jeffrey Dean Morgan hervorragend seiner Figur einen gewissen Charme und damit auch Sympathie zu verleihen, obwohl wir Zuschauer über ihn genauso wenig wissen, wie Alicia. Dass er offenbar einst einen Richter geschlagen hat, kann hier schon einmal als Überraschung verbucht werden. Ich bin gespannt, was wir in Zukunft noch über ihn erfahren werden. Noch scheint er mir zwar etwas zu offensichtlich als neuer Love Interest für Alicia positioniert zu werden, aber vielleicht wollen uns die Autoren da auch nur in die Irre führen.
  • Ruth Eastman: Margo Martindale in der Serie zu haben ist wirklich ein Glücksgriff. Spätestens seit ihrem Auftritt bei "The Americans" bin ich endgültig ein Fan von ihr und ihr meines Erachtens zum Glück nur kurzes Intermezzo beim kurzlebigen "The Millers" war in der Tat ein Glücksfall, damit ihr Weg zu "Good Wife" frei wurde. Als Elis Counterpart Ruth Eastman weiß sie bereits ab der ersten Minute zu überzeugen und das verspricht wirklich noch jede Menge unterhaltsame Momente mit den beiden. In dieser Folge ist es zum Beispiel einfach nur herrlich mit anzusehen, wie es ihr gelungen ist, bei der von Eli aufgehetzten Jackie den Spieß umzudrehen und diese auf ihre Seite zu ziehen.



Eli – Er ist und bleibt eine meiner absoluten Lieblingsfiguren in der Serie. Es scheint mir so, als habe Alan Cumming sein Engagement am Theater inzwischen etwas zurückgeschraubt, so dass er zumindest gefühlt mehr Zeit für "Good Wife" aufbringen kann. Eli ist einfach ein Meister des Strippenziehens im Hintergrund. Er versteht es außerdem Jackie nach seinem Willen zu manipulieren, muss aber spätestens in dieser Episode feststellen, dass er in Ruth Eastman eine ebenbürtige Kontrahentin gefunden hat. Dass Alicia seine manipulativen Spielchen immer wieder durchschaut, hat sich zwar nicht geändert, sie scheint es inzwischen sogar zu genießen, diese mitzuspielen und damit Peter entsprechende Steine in den Weg legen zu können. Dem Treiben schaue ich auf jeden Fall gerne weiter zu und hoffe inständig, dass es dabei aber auch handlungstechnisch voran geht und diese Reibereien nicht einfach nur zu einem Running Gag verkommen. Noch habe ich diesbezüglich jedoch keine Bedenken.

Wiederkehrende Rollen – Auch von Jackie haben wir in dieser Staffel mit ihrem bereits zweiten Auftritt gefühlt schon mehr Szenen gesehen als in der vergangen Season. Mit Veronica und Nancy Crozier wurden weitere Nebencharaktere auch bereits in den letzten Folgen eingesetzt. Ein großes Lob an die Serienmacher, die damit den geschaffenen Serienkosmos so rund und vollkommen machen. Was mich noch ein wenig wundert, ist der durchgehende Einsatz von Grace, nachdem eigentlich noch vor Beginn der Staffel angekündigt wurde, ihre Rolle zum Nebencharakter zu degradieren. Wenn ich es mir recht überlege, dann war ihr Einsatz im gesamten Serienverlauf selten so angenehm und auch überlegt integriert wie momentan. Als quasi selbsternannte Assistentin ihrer Mutter weiß sie mir jedenfalls zu gefallen, ohne dabei zu nerven.

Die Schwächen

Bond Court – Was noch zu Beginn der Staffel eine interessante neue Variante vor Gericht war, verkommt spätestens mit dieser Folge bereits zur Routine. Die Abläufe sind immer die gleichen. Dass Alicia und wir Zuschauer es immer mit dem gleichen Richter zu tun bekommen, hilft da auch nicht wirklich weiter. Dessen Abneigung gegen Alicia und Verzögerungen der Abläufe haben wir inzwischen verstanden, die Überraschungsmomente fehlen schon jetzt. Dass dann auch noch die Staatsanwaltschaft mit Matan Brody regelmäßig den gleichen Vertreter stellt, der im bisherigen Serienverlauf immer wieder Gegner von Alicia und Co. war, ist meines Erachtens auch unglaubwürdig, weil dies auch bei ihm einer Degradierung zu gleichen scheint. Das Folgenende lässt nun immerhin darauf schließen, dass Alicias und Luccas Tage am Bond Court gezählt sein könnten.

Lockhardt, Agos & Lee – Es ist nicht so, dass ich Diane oder Cary nicht gerne in der Serie sehen würde, aber sobald diese ohne Bezug zu Alicia in Erscheinung treten, interessieren mich aktuell deren Geschichten nur wenig. Ich bin mir gar nicht sicher, ob das allein am fehlenden Bezug zu Alicia liegt oder auch einfach nur daran, dass deren Handlungsstränge nicht interessant genug sind. Wenn man es genau nimmt, dann hatte Alicia ja schon in der vergangenen Staffel aufgrund ihres Wahlkampfes kaum noch Anknüpfungspunkte mit Diane und Cary und das funktionierte insbesondere dann trotzdem gut, als mit dem Lemond Bishop-Fall eine wirklich spannende Geschichte rund um Cary und Diane als seine Anwältin gesponnen wurde. Immerhin hat man in dieser Folge nicht auch noch zwanghaft versucht, Alicia und ihre Ex-Kollegen vor Gericht aufeinander treffen zu lassen. Doch wenn man im weiteren Staffelverlauf nicht Gefahr laufen möchte, die beiden Parteien in komplett unabhängigen Handlungen einzubinden, dann wird es sicher schon sehr bald wieder solche Begegnungen im Gerichtssaal geben. Aktuell wäre mir das fast sogar lieber, als eine weitere Separierung dieser zentralen Seriencharaktere.

Louis Canning – Langsam aber sicher beginnt mich diese Figur zu langweilen. Die Eigenheiten des Charakters sind uns nach allen seinen Auftritten wirklich hinlänglich bekannt und so beschränkt es sich auch in dieser Folge letzten Endes nur darauf, vor Gericht die üblichen Spielchen aufzuführen (siehe auch nächster Punkt). Das weiß inzwischen auch Diane routiniert zu parieren und so wünsche ich mir einfach, dass endlich inhaltlich etwas mehr mit dem Charakter gearbeitet wird. Sei es nun doch im Zusammenspiel mit Alicia, was jetzt nicht unbedingt mein Favorit wäre, oder auch, indem er seine Drohung aus dem letzten Staffelfinale wahr macht und Diane & Co. wegen der Entlassung seiner Frau an den Kragen gehen zu wollen. Das könnte ich mir sogar ganz spaßig und auch spannend vorstellen.

Totgerittener Humor – "Good Wife" ist ja nun hinlänglich auch für seinen Humor bekannt. Das äußert sich zumeist in skurrilen Eigenheiten diverser, häufig wiederkehrender Charaktere oder auch im bissigen bis satirischen Tonfall beispielsweise von Eli. Doch manchmal übertreiben es die Autoren auch ein wenig, in dem sie eben jene Marotten zu häufig thematisieren bzw. einsetzen, ohne neue Aspekte hinzuzufügen. Ich persönlich konnte zum Beispiel in dieser Episode die sicherlich realistischen aber dennoch überdramatisierten eingeschränkten Bewegungen von Louis Canning vor Gericht nicht mehr sehen. Dieses Mittel hat er nun allzu oft angewendet, um den Richter auf seine Seite zu ziehen oder zumindest vom Wesentlichen abzulenken. Ich konnte darüber zumindest nicht mehr lachen, dafür aber immerhin über Diane, die das ebenfalls allzu oft miterleben durfte. Ähnlich geht es mir aktuell auch mit Elis neuem Büro. Die Enge des Büros wurde bereits in der vergangenen Folge derart überinszeniert und zu Tode geritten, dass ich dieses Mal nicht einmal mehr schmunzeln konnte, sondern vielmehr die Augen verdrehen musste. Nichts gegen den Einsatz von Humor, dafür aber bitte mit etwas weniger Slapstick.

Schwächen, nicht im Sinne von allgemein gültig für die laufende Staffel, offenbarten in dieser Folge leider auch die beiden Fälle von Diane und Alicia. Beide hatten durchaus Potential für einen gewaltigen Knall vor Gericht, aber plötzlich lösten sich beide fast aus dem Nichts in Wohlgefallen auf, obwohl sie vorher noch so gut aufgebaut wurden. So empfand ich gerade Alicias Fall als spannend, denn die Problematik des Racial Profilings ist in den USA, und sicher nicht nur dort, durchaus ein aktuelles Thema. Und nachweislich hatte das Kaufhaus auch bei mehreren Kundinnen gleich gehandelt. Dass dann aber die Mutter der eigentlichen Klientin tatsächlich das Kleidungsstück geklaut hatte und die Tochter dann die Schuld auf sich nahm, machte die bevorstehende Sammelklage dann leider hinfällig. Das hätte ich in einem größeren Kontext gerne noch einmal vor Gericht thematisiert gesehen. So zeigte es letztendlich immerhin noch, dass eben nicht alle Fälle gewonnen werden und brachte damit noch eine realistische Note in die Serienwelt. Es gibt auch Niederlagen und die sind umso schlimmer, wenn dadurch Ungerechtigkeit wie das Racial Profiling nicht weiter geahndet werden kann.

Fazit

Ein frischer Wind weht bei "Good Wife", was vor allem den neu eingeführten Charakteren rund um Alicia zu verdanken ist. Schwachpunkt in dieser Folge war daher auch weniger die Charakterarbeit, als vielmehr die doch recht unbefriedigende Auflösung der Rechtsfälle. Auch weiß die Einbindung von Lockhardt/Agos weiterhin nicht so recht zu überzeugen. Am Bond Court schleicht sich bereits eine gewisse Routine ein, die mit dem Cliffhanger aber nun vermutlich ihr Ende gefunden haben dürfte. Die Serie macht also insgesamt wieder einiges richtig, weiß im Detail innerhalb der Folge jedoch nicht vollends zu überzeugen.

Jan H. – myFanbase

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