Bewertung: 3

Review: #7.11 Iowa

Foto: Graham Phillips, Good Wife - Copyright: Paramount Pictures
Graham Phillips, Good Wife
© Paramount Pictures

Die Winterpause ist vorbei und "Good Wife" setzt genau da an, wo uns der Cliffhanger in #7.10 KSR mit Alicia und Eli zurückließ. Nun muss ich sagen, dass dieser rückblickend auch nach mehrwöchiger Pause nicht wirklich besser auf mich wirkte. Irgendwie fühlt es sich für mich einfach nicht richtig an, was da passierte. Das ist nicht mein "Good Wife" wie ich es gerne mag. Da wird eine Sache abgehandelt, die in meinen Augen längst vorbei ist. Ein Punkt, den Alicia eigentlich längst überwunden haben sollte. Und das Schlimmste überhaupt: es ist so völlig "out of character" wenn ich an Eli denke. Ja, er wurde gerade von Courtney Paige verletzt, aber diese Kränkung nun als Anlass dafür zu nehmen, Alicia diese alte Geschichte zu beichten, ist für mich einfach nicht Eli. Der Meister der Manipulation mag in der Vergangenheit an Alicia gescheitert sein, aber diese vermeintliche Reue, die er jahrelang empfunden haben soll, nehme ich der Figur einfach nicht ab, da kann sich Alan Cumming noch so redlich mühen. Zumal nun auch anders als bei Alicia und Will, zwischen Alicia und Jason abgesehen von ein paar Flirts rein gar nichts gelaufen ist. Diese beiden Beziehungen kann man doch wirklich nicht einmal annähernd miteinander vergleichen. Alicias Reaktion ist dann auch nicht viel glaubwürdiger. Ich will ihr zugestehen, dass es in ihr eine alte Wunde aufreißen mag, aber die Art und Weise ihres Gefühlsausbruchs war einfach übertrieben und noch dazu schlecht gespielt, was im weiteren Verlauf der Folge auch nicht besser werden sollte. Diese Ausbruch-Szene sollte wohl hochemotional sein, bei mir löste sie allenfalls Gleichgültigkeit aus. So sehr ich auch die Kontinuität in der Serie mag und befürworte, aber diese Idee der Autoren war für mich ein erzwungener, vermeintlicher Schockmoment, der als Cliffhanger gesetzt wurde und spätestens mit dieser Auflösung gehörig nach hinten losging.

Genug der Rückblende, die Folge bot ja noch ganz andere Themen. Peters Wahlkampf in Iowa wäre da zu nennen. Als Europäer, oder gerne auch konkreter als Deutscher, muss man nicht zum ersten Mal den Kopf schütteln, ob der kuriosen Szenen und Traditionen des amerikanischen (Vor-)Wahlkampfs. Peter ist sich für nichts zu Schade und man muss ihm schon fast bewundernd zugestehen, wie außerordentlich tapfer er sich durch die Sandwiches des Staates Iowa futtert. Was eine Satire sein sollte, ist zugleich bitterer Ernst. Da fragt man sich ernsthaft, wie es sein kann, dass ein vermeintlich unbedeutender Staat wie Iowa den Ton angibt für den weiteren Verlauf des Kampfes um die künftige US-Präsidentschaft. Das Ergebnis kann doch nie und nimmer repräsentativ sein. Aber dennoch ist "Iowa" wohl das Ende von Peters Ambitionen. Sein Wahlkampf ist gescheitert und damit hoffentlich auch der x-te Aufguss dieses Themas in der Serie. Auch wenn es Eli einmal mehr nicht lassen kann, Alicia am Ende als die eigentlich wahre Kandidatin dastehen zu lassen. Mir persönlich war das ganze Treiben, angefangen von dem skurrilen begleitenden Reporter bis hin zum uniformierten Edelfan Peters, einfach eine Spur zu abgedreht und klamaukig. Stattdessen hätte ich doch viel lieber eine gemeinsame Mutter-Sohn-Szene von Alicia und Zach gesehen. Denn wenn mich nicht alles täuscht, dann war das die erste Folge seit Zachs Zerwürfnis mit seiner Mutter ob der ungewollten Schwangerschaft samt Abtreibung seiner damaligen Freundin Nisa und es ist doch irgendwie seltsam, dass man diese Gelegenheit auf der Bustour nicht für ein Gespräch nutzte. Langsam frage ich mich wirklich, wer da am Set eigentlich noch mit wem spricht? Ist Julianna Margulies wirklich so eine Diva und hat sie einen derartigen Einfluss darauf, mit wem sie in einer Szene gemeinsam vor der Kamera stehen mag?

Dann wäre da auch noch die Serie in der Serie, so will ich zumindest einmal die Situation um Alicias Ex-Kollegen von Lockhart, Agos & Lee bezeichnen, die erneut völlig losgelöst vom Rest agierten. Erneut gab es keine gemeinsamen Szenen mit Alicia und so war es dieses Mal Jackie in Verbindung mit Lucca überlassen, zumindest handlungstechnisch die Brücke zu den Florricks zu spannen. Dabei durfte David Lee einmal mehr David Lee sein und sich sowie in diesem Fall auch seine Kollegen zu bereichern, in dem er durch schmutzige Tricks Alicia Geld bei ihrem Ausscheiden aus der Kanzlei vorenthalten konnte. Das wurde insgesamt zwar ganz nett und amüsant rund um Howard und Jackie verpackt, aber genau das war es dann auch, nett. Nicht mehr, nicht weniger. Spannender war da eher schon, der (aufkommende) Konflikt zwischen Cary und Diane, der Howards Ausbootung durch Cary gar nicht gefallen wollte. Das ist nämlich eine ganz interessante Geschichte, die ich schon länger beobachte. Diane und Cary können ein sehr dynamisches und perfekt harmonierendes Duo sein, aber in gewissen Dingen ist Diane doch sehr traditionell und außerdem auch sehr loyal langen Weggefährten gegenüber, so dass sie, so sehr sie auch sieht wie Howard durch seine, ich nenne es einmal Senilität, der Kanzlei auch schadet, doch auch an ihm festhält und Cary versucht in die Schranken zu weisen. Ich bin gespannt, wie sich das in den noch ausstehenden Folgen dieser Staffel, oder gar der Serie (?), noch weiter entwickeln wird. Wenn man das jetzt doch nur harmonischer mit dem Rest der Serie rund um Alicia verknüpfen könnte. Denn dieses Gefühl, hier zwei voneinander unabhängige, wenn auch allzu vertraute Serienuniversen zu verfolgen, bleibt nach wie vor.

Stellt sich nun die Frage: wie geht es weiter bei "Good Wife"? Nach dem abrupten Ende von Peters Präsidentschaftsambitionen wäre ja nun wieder ausreichend Zeit sich der "Good Wife" zuzuwenden. Welche Pläne hat Alicia für die Zukunft ihrer Kanzlei? Hier muss sich doch auch langsam einmal etwas entwickeln. Nach Grace erfolgreicher Kundenakquisition können Alicia und Lucca doch unmöglich weiter nur zu zweit die Kanzlei führen. Vielleicht ergeben sich auch endlich wieder Verstrickungen mit den alten Kollegen. Und müssen wir nun Abschied nehmen von Margo Martindale? Was bedeutet das für die künftige Rolle von Eli und wird Jason Crouse schneller als gedacht wieder aus San Francisco zurückkehren? Hier sind ja auch noch einige, schon früher angedeutet Altlasten offen. Ich bin wirklich gespannt, was uns nun für die zweite Staffelhälfte blüht. Die erste Hälfte bot für mich vorwiegend interessante Fälle der Woche, jetzt gilt es, endlich wieder eine stimmige Rahmenhandlung zu erzählen. Potential ist immer noch reichlich vorhanden.

Fazit

Eine Folge mit verschenktem Potential, deren Einzelteile nicht zusammen passen wollten und trotz all ihrer Skurrilität hauptsächlich Langeweile erzeugten. Am Ende bleibt die Hoffnung, dass sich die Autoren mit dem Ende von Peters Wahlkampf wieder mehr auf Alicia konzentrieren und die derzeit losen, parallel laufenden Handlungen wieder besser zusammenführen. Dabei darf auch bitte auf weitere Rückfälle von Alicia in ihre Trauer um Will verzichtet werden. Irgendwann muss es auch einmal gut sein.

Jan H. – myFanbase

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