Bewertung: 8

Review: #3.14 Grand Jury

Foto: Matt Czuchry, Good Wife - Copyright: Paramount Pictures
Matt Czuchry, Good Wife
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Es ist schon bezeichnend, wenn ich einer wirklich gelungenen und durch die Bank weg unterhaltenden Episode einer Serie nicht die volle Punktzahl verleihen kann, einzig und allein aus dem Grund heraus, dass ich weiß, dass die Serie noch zu viel mehr in der Lage ist. Bezeichnen wir es also einmal als ritterschlagsmäßiges Kompliment, dass es für #3.14 Another Ham Sandwich hier nur zu acht Punkten gereicht hat und erfreuen uns weiter daran, auf welch hohem Niveau sich Staffel 3 von "Good Wife" mittlerweile eingependelt hat.

Und es sind wirklich nur Kleinigkeiten, die ich an der Kulmination der Untersuchung von Seiten der Staatsanwaltschaft in die angebliche Korruption von Will Gardner vor der Grand Jury auszusetzen habe. Fangen wir aber erst einmal mit den überzeugenden Aspekten dieser Geschichte an, denn zum großen Teil war dies beste Unterhaltung voller Spannung und vor allem aber voller supercooler Momente. Ich könnte mich jetzt gar nicht entscheiden, wer sich bei seinem Auftritt vor den Geschworenen besser (zumindest in der Gunst der Zuschauer) geschlagen hat, ob Diane mit ihren lakonischen Bemerkungen, warum sie nicht an Wills Basketballrunden teilgenommen hat ("Oddly, it was because I didn't play basketball."), oder David Lee in seiner gewohnt zynischen Art oder doch Will selbst, der völlig zu Wendy Scott-Carrs Überraschung sich selbst nicht hinter dem ihm zustehenden Aussageverweigerungsrecht versteckt ("I think kids in Uganda should be immunized."). Das ganze Verfahren war episch und hat unseren Helden von Lockhart/Gardner einen triumphalen Siegesmoment nach dem anderen beschert.

Und genau da liegt so ein wenig mein Problem damit. Ich persönlich fand es ein wenig Schade, dass Will und Kalinda Wendy Scott-Carr hier so offensichtlich überlegen waren und das deren Plan so vollkommen aufgegangen ist, mir hat ein wenig der Konter der Gegenseite gefehlt, der dem ganzen noch ein wenig mehr Salz in der Suppe verpasst hätte und so den Sieg am Ende noch triumphaler hätte gestalten können. Natürlich ist immer noch nicht wirklich geklärt, ob Will in Bezug auf diese Anschuldigungen nun wirklich ganz aus dem Schneider ist (ich vermute ja doch, dass Wendy noch einmal versuchen wird, an ihn heranzukommen) und ich finde es durchaus bewundernswert, dass in der ganzen Geschichte immer durchaus die Möglichkeit mitschwingt, dass Will wirklich schuldig ist. Aber im Rahmen dieser Episode war mir der Sieg gegen Wendy fast zu einfach, auch weil mir Wendy als Antagonistin mittlerweile fast schon zu einseitig böse dargestellt wird. Dass sie hier so klar verliert und dabei teilweise so inkompetent und besessen wirkt, war mir eben für das, was wir von "Good Wife" sonst so gewöhnt sind, ein wenig zu einfach.

Ich will dieses ganz, ganz leichte Unbehagen diesbezüglich aber wirklich nicht zu hoch bewerten, denn in dieser Episode hat man wieder einmal in so vielen Aspekten subtil und vielschichtig gearbeitet und kleine Kommentare zu unserer Gesellschaft untergebracht, ohne mit dem Holzhammer darauf einzuschlagen, dass es einfach ein Genuss ist, zuzuschauen. Wie sich Wendys Strategie, Alicia ins Verfahren hineinzuziehen, aus zumindest momentan rein rachsüchtigen Gründen, gegen sie wendet, was nebenbei gleich noch ein Fingerzeig in Richtung der Aufmerksamkeitsspanne der Geschworenen ist, war großartig. Ein wenig Bedenken habe ich noch, wie sich Alicias Scheu, ihren Kindern von der Affäre mit Will zu erzählen, auf die weitere Handlung auswirken wird, denn ich kann nicht so ganz nachvollziehen, warum sie dies nicht einfach kurz und schmerzlos hinter sich bringt. Aber diesbezüglich habe ich doch einiges Vertrauen in die Serie entwickelt, die Alicia in solchen Fällen durchaus immer gute Gründe gegeben hat, die über bloße Klischeevorstellungen hinausgehen. Wahrscheinlich fehlen mir hier nur wieder einmal die Momente der Freundschaft (zum Beispiel zu Kalinda, kleiner Wink mit dem Zaunspfahl an die Autoren) von Alicia, in denen wir solche Hintergründe ja ab und an mal erfahren haben.

Und ich frage mich nach dem ganzen Spektakel nun, was aus Wendys Aussage Will gegenüber geworden ist, die Untersuchung würde auf lange Sicht auch gegen Peter abzielen? Das Peter von dem Verfahren natürlich ebenfalls betroffen ist, hat man hier ja immer wieder schön demonstriert, aber seit Wendys ominöser Aussage in dieser Richtung wurde das Thema nicht wirklich wieder aufgegriffen. Aber nachdem Peter Wendy nun so kaltblütig abgekanzelt hat ("My assistant will validate your parking."), könnte genau aus dieser Richtung ja noch einiges kommen. Und was ist mit Cary? Dass er derjenige ist, der diese ganze Untersuchung immer wieder versucht hat, differenziert zu betrachten, wurde hier auch ohne viele Worte deutlich und Cary und Peter haben durchaus gegenseitig einigen Einfluss aufeinander. Und auch Dana hat noch ein Hühnchen beispielsweise mit Kalinda zu rupfen. Also egal wie abgeschlossen im Moment der Handlungsstrang um die Bestechungsuntersuchungen ausschaut, ich vermute wir haben bisher erst die Spitze des Eisbergs gesehen.

Kommen wir noch einmal zurück zu Dana und in dem Zusammenhang auch zu Kalinda. Was ich ja immer noch nicht ganz verstehe ist, wieso Dana Kalinda überhaupt soweit vertraut und deren Informationen für bare Münze genommen hat. Da ist natürlich immer noch die Sache mit der angeblich gefälschten Unterschrift Alicias in der Hand der Staatsanwaltschaft, aber ob Peter wirklich zulassen würde, dass hier gegen seine Frau ermittelt wird? Und ist Danas Problem, dass sie sich selbst für zu clever hält und nicht vermutet, dass Kalinda mit ihr ein doppeltes Spiel treiben könnte? Für mich als Zuschauer war dies nämlich eigentlich von Anfang an klar, deshalb hätte ich ja ein paar Zweifel bei Dana hier durchaus gut gefunden. Zumindest Cary hätte doch ein doppeltes Spiel seiner ehemaligen Kollegen vermuten müssen.

Den zweiten Schwerpunkt legte diese Folge auf Eli, der mal wieder mit Stacie Hall um den gleichen Auftrag ringt, was zu einem köstlichen Mutprobenduell zwischen ihnen führt. Es ist schon beeindruckend, wenn diese beiden dann damit wirklich soweit gehen und so was wie Hass-Sex miteinander haben (einem Vorgang, bei dem ich wirklich nicht Mäuschen spielen will), zumal ihre Anmachsprüche und Vorspielsituationen wirklich mehr etwas von einem Schlagabtausch hatte, aber nicht einer von der Sorte, bei dem die sexuelle Spannung unausweichlich ist. Aber wie Stacie sich da so an Eli ranschmeißt, mitsamt Sahne-von-den-Fingern-Lecken (O-Ton Eli: "How subtile."), war schon köstlich. Dennoch würde ich mir auch mal wieder eine gehaltvollere Geschichte mit Eli wünschen, momentan besteht etwas die Gefahr dass er zum reinen Humorlieferanten verkommt.

Aber davon sind wir wirklich noch weit entfernt und er war nicht der einzige, der hier zum Amüsement beigetragen hat, bei Weitem nicht. Wenn die Serie auf diesem hohen Niveau, sowohl was den Unterhaltungswert, als auch was die Vielschichtigkeit angeht, weitermacht, dann steht uns ein denkwürdiges Finaldrittel dieser Staffel bevor.

Cindy Scholz - myFanbase


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