Bewertung: 6

Review: #3.05 Eine Hand wäscht die andere

Foto: Alan Cumming & Donna Brazile, Good Wife - Copyright: Paramount Pictures
Alan Cumming & Donna Brazile, Good Wife
© Paramount Pictures

Colin Sweeney ist für "Good Wife" offensichtlich der Hannibal-Lecter-Ersatzcharakter, allerdings in guter CBS-Manier in der weniger gefährlichen Variante. Gehörten Sweeneys Auftritte in der ersten Staffel aber zu den klaren Highlights, hat mich sein Wiederauftauchen hier dann doch eher kalt gelassen. Das hat weniger etwas damit zu tun, dass Dylan Baker nicht mehr so richtig schön schauderhaft-seltsam wäre, sondern viel mehr damit, dass mich das Aufeinandertreffen von Sweeney mit Celeste Serrano eher genervt hat.

Aber die Figur der Celeste funktioniert für mich insgesamt ja so gar nicht. All diese ach so freizügige Provokation, die die Serie einfach so gar nicht nötig hätte, ist man doch in der gewohnten Subtilität so viel mutiger, als es die ganzen Sprüche von Celeste hier sein können. Allerdings hat mich Celeste hier nicht mehr ganz so arg gestört wie bei ihren ersten beiden Auftritten, hat man doch in vielen Momenten eher versucht zwischen ihr und Alicia eine Art Frauenfreundschaft zumindest anzudeuten. Und eine wirkliche Freundschaft für Alicia wäre dringend wieder einmal nötig, hat man uns Zuschauern doch durch den großen Kalinda-Eklat die so beliebten Barszenen der beiden Damen geraubt.

Mal abgesehen von der Dissonanz, die die Figur der Celeste in all ihren Szenen bei mir auslöst, war ich mit dieser Episode im Großen und Ganzen dann aber doch sehr zufrieden. Die Versuche von Peter, sein Amt ethisch sauber, aber dennoch pragmatisch zu führen bleiben schwierig und komplex. Und sein Vorschlag in Richtung Sweeney war ja wohl fast schon als Falle anzusehen. Und auf welche Art und Weise sich Sweeney aus diesem Dilemma herauswindet, mit einem wahrscheinlich gar nicht so potentiellen Mordauftrag an den Neonazikiller seines Gefängnissen, hat dann wieder den hohen Unterhaltungswert dieses Charakters an den Tag gebracht. Wie angesprochen hätte ich auf die großen Alicia-Sweeney-Quid-pro-quo-Szenen verzichten können, denn die haben eben unter der Anwesenheit von Celeste gelitten. Irgendwie ging durch Celestes künstliche Provokationen die sonst so gelungene Dynamik aus Alicias Zurückhaltung und Sweeney Provokationen verloren. Celeste wirkte dabei so ein wenig wie das dritte Rad am Wagen, das auch irgendwie mitmachen wollte.

Das absolute Highlight war aber das Martha-Caitlin-Dilemma von Alicia. Dabei war vor allem die große Auflösung am Ende, die Alicia in all ihrer moralischen Überlegenheit über David Lees offensichtliche Vetternwirtschaft, mit der Erkenntnis dastehen ließ, sie sei einmal Wills Caitlin gewesen, ein genialer Moment der Klarheit. Es wird klar, dass man die Welt noch so deutlich und gut und schlecht einordnen kann, den Menschen mit aller Bedacht Kategorien aufstülpen, am Ende besteht die Realität doch immer wieder aus vielen, verschiedenen Schattierungen, die wohl niemals vollkommen in den Extremen Schwarz und Weiß abgebildet werden können. Wir als Zuschauer wissen, dass es für Lockhart/Gardner eine gute Wahl war, damals Alicia zu engagieren und so kann sich auch Caitlin für die Zukunft als gute Mitarbeiterin herausstellen. Aber es bleibt ein fader Nachgeschmack zurück, ob der Art wie David Lee Alicias Urteil übergangen hat und wie wenig Rückrat Will bei der ganzen Sache an den Tag legte.

Überhaupt arbeitet man momentan daran, das strahlende Bild von Will mit dunklen Facetten zu durchziehen. Dazu gehört wohl auch die alte Geschichte über Veruntreuung, die Celeste hier Alicia erzählt. Es bleibt aber abzuwarten, ob dazu noch etwas folgen wird.

Bei einigen anderen Charakteren plätschert das Geschehen gerade etwas vor sich hin, Eli arbeitet nach all dem Auftragslobbyismus wieder einmal an der politischen Karriere von Peter, mit schwankendem Erfolg und Kalinda versucht ihre Integrität zu wahren, in dem sie sich eben nicht für Peters Arbeit einspannen lässt. Soweit so gut, Eli im Politikmodus gefällt mir auf jeden Fall wieder besser, als wenn er sich nur mit Käsevergiftungen beschäftigt. Warten wir es ab, was man auf lange Sicht daraus machen kann.

Cindy Scholz - myFanbase

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