Bewertung

Review: #1.03 Kein Weg zurück

Foto: Julianna Margulies & Matt Czuchry, Good Wife - Copyright: Paramount Pictures
Julianna Margulies & Matt Czuchry, Good Wife
© Paramount Pictures

In dieser Folge muss Alicia feststellen, dass es nicht leicht ist, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Sie hat zuhause zwar Unterstützung durch ihre Schwiegermutter Jackie, doch das ändert nichts daran, dass sie morgens manchmal zu spät kommt, abends nicht so viele Überstunden leisten kann oder ab und zu ein Anruf von zuhause in ein Gespräch platzt.

Diane und Will erklären den Anwälten zu Beginn der Episode, dass es wichtig ist, neue Klienten an Land zu ziehen oder mehr Arbeitsstunden in Rechnung zu stellen, damit die Kanzlei mehr verdient. Alicia weiß, dass sie damit zu den kritisierten Personen zählt, doch ein bisschen merkt man ihr auch die Hilflosigkeit an. Es ist schwer, so viele Dinge unter einen Hut zu bringen, vor allem, wenn man von heute auf morgen allein für die Familie verantwortlich ist. Natürlich sind viele ärmer dran als Alicia, immerhin erhält sie noch Unterstützung, aber gerade bei dem Konkurrenzdruck mit Cary Agos kann man verstehen, dass sie nicht weiß, wo sie Abstriche machen soll.

Eher durch Zufall gelingt es Alicia dann doch, einen wohlhabenden neuen Mandanten für die Kanzlei zu gewinnen. Kenny, ein Freund der Familie, der ein bisschen älter ist als Zach, ist in Schwierigkeiten geraten und sucht Alicias Hilfe. Diese kann dem Jungen, den sie seit seiner Kindheit kennt, nicht abweisen, zumal sich herausstellt, dass die Schwierigkeiten größer sind, als anfangs angenommen: Er wird wegen Mordes festgenommen. Im Rahmen des Falles erinnert sich Alicia immer wieder an ihr altes Leben in Highland Park, einem Vorort von Chicago. Sie erkennt, dass auch dort nicht immer "Friede, Freude, Eierkuchen" herrschte, doch sie war glücklich und dachte, dort echte Freunde gefunden zu haben. Dass diese sich nach Peters Skandal nie wieder bei ihr gemeldet haben, stößt ihr natürlich bitter auf, doch auch hier wird wieder Alicias Stärke deutlich. Sie hat den nötigen Abstand, um drüber zu stehen und ihrer alten Freundin, Kennys Mutter, keine Vorwürfe zu machen.

Doch nicht nur Alicia trauert ihrem alten Leben ein bisschen nach. Vor allem Zach und Grace vermissen ihre alten Freunde und die Schule, auf die sie gegangen sind. Doch da sie im Laufe der Episode mit ihrer Mutter nach Highland Park zurückkehren und ihre Freunde besuchen können, stellen sie fest, dass ihr "neues" Leben vielleicht gar nicht so übel ist. Sie schaffen es also ähnlich wie ihre Mutter, in kleinen Schritten die Umstellung ihres Lebens zu verarbeiten – wenigstens, was Kleinigkeiten angeht. So werden in dieser Episode also nicht allzu viele neue Fakten vorgestellt, sondern auch bereits ein paar kleine Abschlüsse gewagt.

Abseits vom eigentlichen Inhalt von Kennys Fall bleibt es auch beruflich in dieser Episode interessant, denn Alicia muss mit Cary zusammen arbeiten. Seit der ersten Episode wissen wir, dass die beiden um den selben Job kämpfen und Will wohl eher auf Alicias Seite steht. In dieser Episode wird erstmals klar, dass Diane, also die zweite von drei Partnern der Kanzlei, Cary ein bisschen als ihren Schützling sieht. Zwar hatte sie in der ersten Episode noch über die Frauenpower von Alicia und ihr gesprochen, doch man merkt, dass ihr Carys Einsatz für die Kanzlei imponiert. Da wären zum einen seine abgerechneten Arbeitsstunden, aber auch die gute Quote, mit der er seine Fälle gewinnt. Dabei sehen wir in dieser Episode, dass Cary vor Gericht gar nicht so stark ist, wie man angesichts der Zahlen vielleicht meinen kann. Im Gegensatz zu Alicia ist er noch jung und damit auch eher unerfahren. Er hat sich darauf spezialisiert, in lockerer Atmosphäre außergerichtliche Einigungen auszuhandeln, anstatt vor Gericht für seinen Mandanten zu kämpfen.

Mir gefällt es gut, dass wir hier Carys Schwächen präsentiert bekommen, denn er wirkte mir bisher zu arrogant und fast schon perfekt. Noch besser hat es mir gefallen, dass Alicia diese Schwäche nicht ausnutzt, was wohl zum einen daran liegt, dass ihre Mandanten ihr viel zu wichtig sind – mal davon abgesehen, dass sie Kenny schon fast wie ihren Sohn sieht – sondern auch, weil sie darüber steht. Sie lässt sich nicht auf ein solches Niveau herab, in irgendeiner Form zu petzen, dass Cary vor Gericht zu nervös ist und damit droht, seine Fälle zu verlieren. Cary schätze ich da anders ein. Er ist immerhin im Anschluss an die Verhandlung zu Diane gegangen und hat ihr von seinem Sieg vor Gericht erzählt. Diesen hätte er ohne Alicia aber niemals erzielt, was er bei dem Bericht aber außen vor lässt. Es bleibt also spannend, wie sich die Rivalität zwischen den beiden weiter zuspitzt. Die Serie hat ja gerade erst angefangen, also werden wir sicher noch mehr Seiten der beiden kennen lernen und am Ende vielleicht ähnlich wie die Partner der Kanzlei abwägen, wen wir vorziehen. Momentan hat Alicia die Nase aus Zuschauerperspektive natürlich vorne.

Fazit

Insgesamt eine nicht ganz so starke Episode wie die beiden bisherigen. Zwar wurden wieder neue Perspektiven eingeführt und ein paar interessante Charakterzüge kamen ans Licht, aber von der Handlung her, war sie gefühlt etwas langweiliger als die beiden vorherigen.

Catherine Bühnsack - myFanbase

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