Bewertung: 9
Bille August

Goodbye Bafana

No one is born hating another person because of the color of his skin or his background, or his religion. People must learn to hate, and if they can learn to hate, they can be taught to love, for love comes more naturally to the human heart than its opposite.

Nelson Mandela - A long walk to freedom

Foto: Copyright: Warner Home Video Germany
© Warner Home Video Germany

Inhalt

Wir schreiben das Jahr 1968. Südafrika befindet sich mitten im brutalen Apartheid-Regime, bei dem 15 Millionen Schwarze von vier Millionen Weißen unterdrückt werden. James Gregory ist in dieser Zeit Gefängniswärter und da er der Sprache Xhosa mächtig ist (Bafana heißt übersetzt übrigens Freund), soll er auf Robben Island den Insassen Nelson Mandela und seine Anhänger überwachen, die wegen Widerstands gegen das Regime zu lebenslanger Haft verurteilt wurden. Als Chef der Zensurstelle ist er es auch, der die Besuche überwacht und so auch Persönliches über Mandela erfährt. Als "gelernter" Rassist in dieser Zeit tut er alles, um Mandela und seine Gefolgsleute zu malträtieren und geheime Pläne zu vereiteln. Doch die Erinnerungen an seinen schwarzen Freund aus Kindeszeiten und Gespräche mit Mandela verändern ihn. James Gregory versucht hinter die Kulissen zu schauen, was nicht nur ihm, sondern auch seiner Familie schaden könnte.

Nach und nach stellt er fest, welche Ziele Mandela wirklich verfolgt, doch seinen sozialen Status auf der Insel büßt er ein. Streit mit seiner Frau ist die Folge. Nachdem endlich seine Versetzung bewilligt wurde, verliert er Mandela aus den Augen, doch das Land verändert sich allmählich und schon bald wird er erneut auf Mandela treffen und ihn durch seine letzten Jahre im Gefängnis begleiten...

Kritik

Wenn man kurz sagen soll, worum es in dem Film geht, kann man antworten: Um die Zeit, in der sich Nelson Mandela in Gefangenschaft befand. Das trifft es im Wesentlichen, aber es geht eigentlich nicht um Gefangenschaft sondern vielmehr um Befreiung, die Befreiung eines Menschen (und zwar James Gregory) und die Befreiung eines Landes. Nelson Mandela ist für beides der Befreier. Mit großer Anmut und Souveränität wird diese historisch bedeutsame Person von Dennis Haysbert dargestellt. Es ist brillant, wie er es schafft einer Person in Gefangenschaft so viel Stärke zu verleihen, dass man ihn fast nicht als Gefangenen sieht. Mit jeder Bewegung und jedem Wort weiß die Figur schon, was sie als nächstes tut. Ruhig und gelassen, überzeugt von seinen Zielen, bereit dafür alles zu opfern, man mag kaum glauben, dass diese Figur mit all seinen Facetten in der Realität existiert und ist umso mehr beeindruckt, wenn man sich das wieder bewusst macht.

Joseph Fiennes kann ebenso in seiner Rolle überzeugen. Er schafft es tadellos die Wandlung des James Gregory wiederzugeben. So ist er zunächst der überzeugte Rassist, der seine Tochter zuschauen lässt, wie man eine schwarze Frau auf der Straße brutal von ihrem Baby trennt und wegschleppt, und geht Schritt für Schritt zum Zweifler über, der nicht mehr alles glaubt, was man ihm erzählte. Seine Begegnungen mit Mandela haben ihn verändert. Er stellt nun Fragen und weiß nicht mehr, was wirklich richtig ist. In Mandela findet er einen Freund, der ihm gute Ratschläge gibt, sodass es später immer heißt: dank Mandela! Jede Szene zwischen Gregory und Mandela geht ein Stück weiter und man hofft als Zuschauer, dass es nicht nur Illusion ist. In jedem Menschen steckt Liebe, das glaubt nicht nur Mandela, davon will auch der Film erzählen und Fiennes zeigt den Wandel mit jeder fortlaufenden Minute.

Neben diesen Leistungen reihen sich auch alle anderen nahtlos ein. Jede der Rollen scheint perfekt besetzt. Jeder schafft es, mit dem schwierigen Thema Rassismus so differenziert umzugehen, dass man Verständnis aufbringt. Diane Kruger zum Beispiel spielt die ehrgeizige
Ehefrau Gloria Gregory, die man eigentlich hassen müsste, aber nicht hassen kann. Sie ist kein böser Mensch, sie hat es so gelernt und so geglaubt. Dieses Problem ist immer noch aktuell und trifft auch heute leider noch auf sehr viele Menschen zu. Der schmale Grat, damit im Film umzugehen, ist aber sehr gelungen. Spätestens hier muss wohl auch mal die Arbeit von Bille August gewürdigt werden. Ihm ist mit dem Film eine wirklich gute Umsetzung der Geschichte gelungen. Es ist kein spannender Film, aber er lebt von seinen Inhalten und Aussagen und ist dem Mann, dem man das zu verdanken hat, würdig.

Fazit

Besseren Geschichtsunterricht gibt es nicht! Anschauen!

Emil Groth - myFanbase
27.03.2007

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