Bewertung: 8
Richard Donner

Superman II - Allein gegen Alle (Donner-Cut)

Superman allein gegen alle... 2006 nun noch einmal.

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Inhalt

Wie oft passiert es schon, dass ein Regisseur mitten während des Filmdrehs des Projekts verwiesen wird? Sicher nicht allzu oft. Aber wie oft passiert es schon, dass dieser Regisseur dann noch seine Idee des Films präsentieren kann? Die Chance liegt wahrscheinlich fast bei 0. Hier nun ein Review zur eigentlich geplanten Version von "Superman II", dem so genannten "Donner-Cut" (mehr zum "Lester-Cut" hier).

Die Idee des Films ist im Prinzip dieselbe: drei böse Kryptonier kommen auf die Erde und haben einen Kampf mit Superman. Außerdem findet Lois Clarks Geheimnis heraus, sie verbringt mit ihm eine Nacht zusammen und danach lässt er sich mit Hilfe der "Festung der Einsamkeit" in einen Menschen verwandeln.

Kritik

Viele von euch werden sich sicher fragen: wie kommt es, dass Richard Donner beim ersten Superman-Film Regie führte, ein Meisterwerk hinlegte und im zweiten Film trotzdem nicht als Regisseur benannt wird, sondern Richard Lester? Der Grund ist einfach: die Produzenten Ilya und Alexander Salkind hatten immer mehr zunehmende Differenzen mit dem grandiosen Regisseur Donner. Sie wollten mehr Humor in den Film bringen, was Dick Donner nicht wollte. Das sehr schwierig zu Schaffende und Fatale war, dass Richard beide Superman-Filme simultan gedreht hat. Zum Beispiel wurden einige Sets aus dem ersten Film für eine Szene benutzt, gleich danach für eine aus dem zweiten Film. Der Grund, warum er die zwei Filme überhaupt gleichzeitig drehen durfte, ist einfach: man hat schon vor Drehbeginn fest an den Erfolg des Films geglaubt.

Nach vielem Betteln und Petitionen der Fans hat Warner Brothers es schließlich zugelassen, dass Donner sein "Superman II" veröffentlichen darf. Es mussten übrigens trotzdem einige Szenen aus Lesters Version genommen werden und auch eine Casting-Szene von Christopher Reeve und Margot Kidder musste mit hinein genommen werden, a) um dem Film Sinn zu geben und b) weil einige Szenen nicht fertig gedreht wurden. Lester hat das Ruder für den zweiten Film übernommen, als Donner schon ca. drei Viertel des Films fertig gedreht hatte. Das hieß aber auch, dass Lester einiges neu drehen musste, denn er musste mindestens die Hälfte des Films selbst gedreht haben, um als Regisseur benannt zu werden. Für die Donner-Version musste das alte Material gesucht werden, zusammen geschnitten und mit Musik untermalt werden, die auch noch nicht komponiert wurde. Also musste man, wie in der Lester-Version, die gleiche Musik wie im ersten Teil nehmen.

Im Vergleich der beiden Filme schneidet diese hier besser ab und zwar schon aus dem Grund, weil die Superman-untypischen Szenen glücklicherweise weggelassen wurden. So gibt es keine "Telekinese-Strahlen" mehr, auch teleportieren ist nicht mehr drin.

Was hier aber wirklich besonders ist, sind die Szenen zwischen Clark und Jor-El. Marlon Brando kostete, ebenso wie der Musik-Komponist John Williams, einfach zu viel und so wurden sie aus dem Film geschnitten beziehungsweise ersetzt. So hat Kal-El hier endlich ein richtiges Vater-Sohn-Gespräch, was viel mehr Bedeutung hat als das Gespräch zwischen Kal-El und seiner Mutter, Lara.

Was leider im Film gelassen wurde, wahrscheinlich um "Superman Returns" einen besseren Sinn zu geben, ist die Szene, in der Lois mit Superman schläft. Die Szene hat mir noch nie gefallen, aber wurde eben mit rein genommen.

Übrigens gibt es zum Glück keinen "Vergessens-Kuss", den ich sowieso immer albern fand. Stattdessen wurde die berühmte Szene aus "Superman: Der Film" genommen. Ja, genau, die Szene, in der Superman die Zeit zurück dreht, indem er die Welt in die andere Richtung dreht. Klingt erstmal genauso schrecklich wie die Alternativlösung, aber bei dem "Kuss des Vergessens" habe ich mich schon immer gefragt: kann Clark das steuern, ob und wann derjenige, den er küsst, alles vergessen soll oder passiert es einfach? Zweiteres würde aber bedeuten, dass er nie jemanden küssen könnte, ohne, dass derjenige es weiß. Eine echt schlimme Vorstellung. Das Zeit-zurück-drehen im Richard-Donner-Cut ist und bleibt aber unlogisch. Um nur ein Beispiel zu nennen: die Leute in der Bar müssten dann eigentlich auch vergessen haben, dass Clark mal dort war.

Um mal von dem Unlogischen im Film abzukommen: man merkt wirklich, dass die Schauspieler viel mehr Spaß gehabt zu haben scheinen. Wie Lois Clarks Geheimnis heraus findet, hat mir hier gut gefallen, weil Margot Kidder es besser gespielt hat als im "Lester-Cut". Dass sie sich dabei aus dem Fenster (anstatt von einem Felsen bei den Niagara-Fällen) stürzt, empfand ich wie eine kleine Andeutung an die Serie "Adventures of Superman" und den Film "Superman and the Mole Men", wo das immer der Held, gespielt von George Reeves, getan hat.

Fazit

Der Donner-Cut ist ein sehr guter Film und im Vergleich mit dem Lester-Cut schneidet diese Version aus vielerlei Gründen besser ab. Durch den Donner-Cut ist mir der Regisseur selbst viel mehr ans Herz gewachsen.

Das Original-Skript des Donner-Cuts kann man sich hier durch lesen (Text ist in Englisch).

Elsa Claus - myFanbase
09.01.2007

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