Bewertung: 6
Michael Mayer

Single All the Way

Foto: Single All the Way - Copyright: 2021 Netflix, Inc.
Single All the Way
© 2021 Netflix, Inc.

Inhalt

Für Peter (Michael Urie) steht ein Weihnachtsfest bei seiner Familie an und er will nicht wieder als Single nach Hause reisen, weswegen er seinen besten Freund Nick (Philemon Chambers), der wie er schwul ist, überredet, ihn nach Hause zu begleiten und vorzugeben, dass sie sich inzwischen verliebt haben. Doch Peters Mutter Carole (Kathy Najimy) hat ihm schon längst ein Blind-Date mit ihrem Fitnesstrainer James (Luke MacFarlane) besorgt, weswegen der Plan in sich zusammenfällt. Doch alle anderen Familienmitglieder hätten die beiden gerne als Paar. Doch wie lange können sie noch betonen, dass sie nur Freunde sind?

Kritik

Vom Papier her ist "Single All the Way" wirklich perfekt gewesen. Zum einen war im Bereich der Weihnachtsfilme Streamingdienst Netflix noch sehr dünn besiedelt mit LGTBQ-Inhalten und zum anderen wurde hier die interessante Thematik aufgeworfen, warum nicht auch zwei schwule Männer einfach beste Freunde sein könnten, wie es ja auch viele gibt, die eine plantonische Freundschaft zwischen Mann und Frau für absurd halten. Doch mein Knackpunkt mit dem grundsätzlich sympathischen Film ist definitiv, dass der Film den letzten Aspekt zu ernst genommen hat. Denn natürlich können Peter und Nick NICHT nur beste Freunde sein, doch als es am Ende zum obligatorischen Happy End kommt, ist von Romantik für mich nichts zu spüren gewesen. Damit hat "Single All the Way" mich im Aufbau extrem an "Love Hard" erinnert, der bei Netflix bereits vor einigen Wochen veröffentlicht wurde. Hier waren es Mann und Frau, die am Ende zusammenfinden sollten, aber eher wie Bruder und Schwester gewirkt haben. Bei Peter und Nick ist es so, dass sie über den Film hinweg eigentlich echt wenig gemeinsame Szenen haben und die sind auch meist perfekt platonisch. Nick verliebt sich im Grunde in Peters Familie, denn Vater Harold (Barry Bostwick) hat einen schwulen Schwiegersohn, der handwerklich ein Allrounder ist. Die Teenagernichten Daniela (Madison Brydges) sowie Sofia (Alexandra Beaton) sind eh verliebt in ihn und auch die Kinderneffen Simon (Gryffin Hanvelt) und Sam (Viggo Hanvelt) kommen nicht mehr aus der Freude heraus, als sie erfahren, dass er der Autor ihres Lieblingskinderbuches ist. Hier hat es immer wieder verschiedene Szenen gegeben, die auch die weihnachtliche besinnliche Atmosphäre perfekt eingefangen haben. Doch diese Art von Szenen hat es zwischen Nick und Peter eben nicht gegeben.

Weiterhin kam hinzu, dass Blind-Date James auch echt ein dufter Kerl ist, an dem es nichts zu meckern gab. Er ist nicht als Idiot charakterisiert worden, den man sich sofort in die Wüste gewünscht hätte. Nein, im Gegenteil, die erste Begegnung mit Peter ist sogar so ein typischer Zoom-Moment, wo es einfach für alle sichtbar klick macht. Natürlich beruhte das erstmal auf Äußerlichkeiten und dennoch kamen dann auch keine charakterlichen Schwächen hinzu, die das positive Gefühl abgebaut haben. Am Ende ist natürlich nichts dagegen einzuwenden, wenn Peter argumentiert, dass einfach etwas fehlt. Es kann eben manchmal wie perfekt wirken, ist aber eben nicht das wahre Glück. Aber wenn dann die ganze Zeit alle berichten, dass Peter das Glück bei Nick suchen muss, weil sie sich speziell ansehen. Dann sorry, aber diese Blicke habe ich nicht gesehen. Ich bleibe auch dabei, dass es zu wenig gemeinsame Szenen gegeben hat, die das hätten wirklich beweisen können. Dennoch war auch die Chemie zwischen Urie und Chambers nicht optimal, aber das würde ich doch eher im Hintergrund sehen, denn wenn es nicht genug passende Momente gibt, dann kann auch nichts wachsen.

Blicken wir dann noch auf den großen Nebencast, bei denen auch ein erhebliches Ungleichgewicht herrschte. Während ich die Nichten und Neffen sowie die Eltern wirklich passend fand, weil man da sofort die Familiendynamik herauslesen konnte, fand ich die beiden Schwestern Lisa (Jennifer Robertson) und Ashleigh (Melanie Leishman) völlig übertrieben und ihre Männer waren einfach nur völlig unnötig. An der Stelle ist die Familie leider so aufgepumpt worden von der Personenanzahl her, dass es leicht nervig wurde. Darin ist aber Tante Sandy (Jennifer Coolidge) noch gar nicht enthalten. Ja, Coolidge ist eine Schauspielerin, die sich oftmals als Neben- oder gar nur Gastdarstellerin einen Ruf als Scene Stealerin erarbeitet hat. Bestes Beispiel: die "American Pie"-Reihe. Das muss man ihr auch wirklich lassen, aber so eine Figur wie Sandy finde ich persönlich einfach nur daneben. Ihr Egotrip bei dem Krippenspiel war tierisch nervig und ich konnte wirklich keine einzige Szene mit ihr lustig finde. Auch wenn ich bei Coolidge auch gerne an Stiftler's Mom denke, sorgt das noch lange nicht dafür, dass ich alles lustig finde, was sie anpackt. Nach diesem ganzen Gemecker muss man wahrscheinlich denken, dass ich schwer enttäuscht von "Single All the Way" wurde, aber das entspricht gar nicht so sehr meinem Grundgefühl, das aber schwer genauer zu beschreiben ist. Denn Peter und Nick sind jeweils für sich wirklich supersympathische Kerle und ich fand es toll, dass beide in ihrer Sexualität völlig aufgehen und es also hier nicht um Identitätskrise ging und auch sonst hatte der Film eine sehr gute Atmosphäre und ich habe mich auch bei den meisten Szenen unterhalten gefühlt. Nur hat der Film an den entscheidenden Stellen, wo dem Ganzen die Krone aufgesetzt wird, leider geschlampt und das mündet dann eben in einer durchschnittlichen Bewertung.

Fazit

"Single All the Way" ist eigentlich eine unterhaltsame und sehr sympathische romantische Komödie zur Weihnachtszeit, doch das alleine hat hier für mich nicht wirken können, denn die Liebesgeschichte selbst war schwach erzählt, dafür gab es genug Liebe an anderen Stellen, aber eben an den falschen. Zudem fand ich Coolidge und weitere Nebenfiguren völlig falsch in dem Film eingesetzt, da sie in einer sonst bodenständigen Unterhaltung viel zu übertrieben wirkten. Dennoch setzt Netflix hiermit ein Ausrufezeichen, mit dem es weitergehen sollte!

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Lena Donth - myFanbase
06.12.2021

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