Bewertung: 7
Ric Roman Waugh

Greenland

Meinst du, dein Dad könnte Wolkenkratzer bauen, wenn er nicht gut in Mathe wäre?

Foto: Greenland - Copyright: Tobis Film GmbH
Greenland
© Tobis Film GmbH

Inhalt

Vor wenigen Wochen tauchte ein riesiger Komet auf, der sich der Erde so nähert, dass auch ein paar Splitter des Kometen die Erde treffen werden. Als der erste Splitter anders als vermutet nicht den atlantischen Ozean trifft sondern Florida, wird nach und nach deutlich, dass erhebliche Rechenfehler dazu führten, dass man gar nicht erahnen konnte, was für eine Katastrophe der Menschheit bevorsteht. Auch John und Allison Garranty (Gerard Butler und Morena Baccarin), die gerade in einer Ehekrise stecken, ahnen nichts, bis John plötzlich vom Präsidenten und Homeland Security dazu aufgerufen wird, eine Tasche für sich und seine Familie zu packen und sich zu einem Militärstützpunkt zu begeben. Doch schnell spricht sich herum, dass eine Gruppe Auserwählter in unterirdischen Bunkern in Alaska gerettet werden soll; die Panik steigt nach weiteren Einschlägen. Für die Garrantys ist die Rettung trotzdem in weiter Ferne. Erst wird John von Allison und ihrem Sohn Nathan getrennt, weil er die Diabetes-Medikamente für seinen Sohn holen muss. Dann wird Nathan eben wegen seiner Krankheit doch abgewiesen. Es beginnt eine lange, beschwerliche Reise, die von der Hoffnung getragen ist, doch noch gerettet zu werden.

Kritik

Schon seit "Armageddon" und zahlreichen Episoden von "Outer Limits" liebe ich diese Weltuntergangsszenarien, in denen die gesamte Menschheit am Abgrund steht und sich die Frage stellt, wie man mit der Welt und den Menschen eigentlich umgehen sollte. Leider wird durch die Zunahme von Umweltkatastrophen, Klimawandel usw. aus der Fiktion immer mehr Realität, die Faszination der Geschichten gewinnt dadurch aber fast noch mehr. Entsprechend war ich sehr neugierig, als ich von "Greenland" hörte. Und um es gleich vorweg zu sagen, enttäuscht wurde ich nicht. Mal davon abgesehen, dass die Prämisse, dass ein so riesiger Komet plötzlich aus einer anderen Galaxie auftauchte und die Wissenschaftler sich dann auch noch bei der Flugkurve verrechneten, etwas plump daher kommt, weiß der Rest zu überzeugen. Die menschlichen Abgründe die zwischen brutalen Plünderern und selbstlosen Samaritern quasi das ganze Spektrum enthalten, haben zwar nicht so viel Raum, sich tiefgründig zu entfalten, werden aber glaubwürdig eingebracht, um die Odyssee der Garrantys mit all ihren Aufs und Abs voran zu treiben. Zwischendurch gibt es actionreiche Auseinandersetzungen und Einschläge und so wird die Spannung durchweg hochgehalten und man weiß bis zum Schluss nicht, ob man sich auf ein Happy End einrichten kann oder nicht.

Sicherlich erfindet "Greenland" das Rad nicht neu und beschränkt sich auf bekannte Muster des Storytelling, aber die Basis der Geschichte kann für mich in Abwandlungen immer wieder erzählt werden und es wird mich immer wieder packen. Mit Gerard Butler und Morena Baccarin hat man zudem zwei starke Besetzungen gefunden, auch wenn die Figuren mit dem schlagkräftigen, draufgängerischen Vater und der liebevollen, besorgten Mutter eher stereotyp geschrieben sind. Die Schlagzahl ist insgesamt hoch und es passiert sehr viel in den zwei Tagen. Hier sind filmisch immer wieder Grenzen gesetzt, da man nur zwei Stunden zur Verfügung hat. Da hatte beispielsweise die Serie "8 Tage" mehr Möglichkeiten, die thematisch sehr ähnlich ist, aber viel mehr Charakterarbeit leisten konnte. Kurzum, der Film ist gelungen und weiß zu unterhalten, wenn man mich aber fragt, was man aktuell zum Thema Meteoriteneinschlag schauen sollte, dann wäre meine Empfehlung eher bei der ausführlicheren Betrachtung der menschlichen Abgründe in "8 Tage".

Fazit

"Greenland" ist eine gelungene Umsetzung eines bevorstehenden Weltuntergangs aus der Sicht einer Familie, die in einer aussichtslosen Lage zumindest noch eine Hoffnung auf Rettung hat. Das Verhalten der ganzen Charaktere drumherum bietet viele Diskussionsimpulse über die Unterschiedlichkeit des Menschen. Unterhaltsame, teils ergreifende und durchweg spannende zwei Stunden, ohne einen ganz großen Wurf gelandet zu haben.

Emil Groth - myFanbase
02.03.2021

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