Bewertung: 6
Glen Keane & John Kahrs

Die bunte Seite des Monds

Foto: Die bunte Seite des Monds - Copyright: 2020 Netflix, Inc.
Die bunte Seite des Monds
© 2020 Netflix, Inc.

Inhalt

Fei Fei hat ihre Mutter in jungen Jahren verloren. Auch nach vier Jahren ohne sie hat sie ihre Freude am Leben noch nicht wiederentdeckt. Als auch noch ihr Vater eine neue Frau mitsamt Sohn kennenlernt, will sie die Wiederheirat unbedingt verhindern. Daher will sie beweisen, dass eine mysteriöse Mondgöttin tatsächlich lebt, denn von ihr hat ihre verstorbene Mutter immer erzählt. Also baut Fei Fei selbstständig eine Rakete und fliegt mit ihrem Kaninchen Bungee und einigen blinden Passagieren gen Mond, wo sich ihr eine völlig neue Welt eröffnet.

Kritik

Netflix hat zwar ein sehr breites Angebot für die kindliche Zielgruppe, dennoch hat man sich gerade bei den großen Filmen in den letzten Jahren schwer getan. Richtige Hits waren nicht dabei, aber es ist auch immer schwer, gegen den Branchenriese Disney anzutreten. Ausgerechnet in einer Zeit, wo sich Disney schwertut, neue Filme auf den Markt zu bringen, weil man die Auswirkungen der Corona-Pandemie scheut, bringt Streamingdienst Netflix nun "Die bunte Seite des Monds" auf den Streamingmarkt, was definitiv clever ist, denn die entsprechende Zielgruppe dürstet nach neuen Ergebnissen. Gerade kurz vor Weihnachten war es gute alte Tradition, dass ein neuer Disney-Streifen in die Kinos kommt. Diese Lücke schließt nun Netflix, aber lohnt sich "Die bunte Seite des Monds" denn auch qualitativ?

Bei der Regie zeigen sich Glen Keane und John Kahrs verantwortlich, der eine war bereits bei Disney beschäftigt, der andere bei Pixar und das merkt man dem neuen Animationsfilm definitiv an, da ich ihn auch ohne entsprechende Hintergrundinformation als Mischung der Stile beider Studios bezeichnet hätte. Von der Geschichte, der Tradition, der Mischung der Figuren erinnert "Die bunte Seite des Monds" sehr an "Mulan", von der optischen Aufmachung wiederum ist es in Imitat von beispielsweise "Alles steht Kopf". Hinzu kommt, dass auch sämtliche andere prototypischen Aspekte eines Films von Disney zu finden sind. So wird sehr viel gesungen, die besten Freunde von Fei Fei und Chin sind ein Kaninchen respektive Frosch und auch die Handlungsmuster erfinden das Rat nicht neu, aber welcher Disney-Film tut das noch? Von daher fände ich es fatal, "Die bunte Seite des Monds" dafür zu verurteilen, auf diesen Erfolgszug aufzuspringen und stattdessen zu bewerten, ob sich ein geschlossenes Gesamtkonstrukt dem Zuschauer darbietet.

"Die bunte Seite des Monds" steht in der asiatischen Tradition, weswegen es recht früh kritische Stimme gab, dass die Produktion ausschließlich in westlichen Händen lag, aber diese Kritik finde ich hier überflüssig. Es geht zwar um die chinesische Göttin des Mondes, Chang'e, und ihre unglückliche Liebesgeschichte, aber spätestens als Fei Fei auf dem Mond ankommt, ergibt sich eine ganz eigene fantastische Welt, die an keinerlei Kulturen mehr anknüpft, stattdessen eher wie ein wilder Mischmach von vielen wirkt. So erkennt man beispielsweise geflügelte Löwen, die man oft an asiatischen Gebäuden findet oder man entdeckt Hühner auf Motorrädern, die sehr an die Angry Birds erinnern. Mir persönlich war diese neugeschaffene Welt zu chaotisch und zu wenig stringent, aber alleine aufgrund der bunten Farbgebung und der ständigen Bereitschaft, der Darstellung des Mondes neue Aspekte hinzuzufügen, dürfte vor allem die Zielgruppe Kind viel zu entdecken haben, was auch faszinierend nachhallen dürfte.

Die Stärken hat der Animationsfilme in meinen Augen im inhaltlichen Bereich. Wie in so vielen anderen Disney-Filmen muss auch hier ein Elternteil sterben, um die Geschichte in Gang zu bringen, aber hier ist es weniger Mittel zum Zweck, sondern tatsächlich der Ausgangspunkt einer Erzählung, die sich in doppelter Hinsicht mit Trauerarbeit auseinandersetzt. Auf der einen Seite haben wir Fei Fei mit ihrer Trauer um ihre Mutter und auf der anderen Seite haben wie Chang'e, die die Ewigkeit ohne ihren Geliebten zubringen muss. Zwei geschundene Seelen treffen aufeinander, wobei schnell deutlich wird, dass Fei Fei irgendwann zu der verbitterten Chang'e wird, wenn sie sich ihren Gefühlen nicht endlich stellt und Heilung zulässt. Um diese Ausgangssituation herum werden vielen Abenteuer erzählt, die einen wirklich kurzweiligen Film entstehen lassen. Sei es nun durch die Lieder, bei denen es stärkere und schwächere gibt, seien es die tierischen Sidekicks oder sei es Chin, der trotz Fei Feis Ablehnung nie einen Zweifel daran lässt, dass er sie als Schwester sieht und niemals hängen lassen wird. Manches mag sich etwas abrupt ereignen, aber überwiegend ist ein wirklich runder Film entstanden, der sich vor dem Branchenprimus nicht verstecken muss.

Fazit

Würde man sich im Vorfeld nicht mit der Herkunft von "Die bunte Seite des Monds" beschäftigen, so wäre es absolut berechtigt zu vermuten, dass hier die Produktionsstudios Disney und Pixar am Werk waren. Aber auch wenn es völlig in dieser gestalterischen Tradition steht, kann "Die bunte Seite des Monds" auf eigenen Beinen stehen, weil gerade auf dem Mond ein verrücktes Setting entwickelt worden ist und auch die Geschichte drum herum rund erzählt wurde. "Die bunte Seite des Monds" mag auf lange Sicht kein Animationsfilm für die Ewigkeit sein, aber für Netflix ist es definitiv ein Schritt in die richtige Richtung.

Lena Donth - myFanbase
04.11.2020

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