Bewertung: 7
Tiffany Paulsen

Holidate

Foto: Holidate - Copyright: Netflix, Inc.
Holidate
© Netflix, Inc.

Inhalt

Sloane (Emma Roberts) und Jackson (Luke Bracey) hassen es, an Feiertagen Single zu sein, da sie die ständigen Verurteilungen ihrer sich einmischenden Familien ertragen müssen. Als sie zufällig als Fremde mit dem gleichen Problem aufeinandertreffen, handeln sie den Deal aus, dass sie im kommenden Jahr zu jedem Festtag gegenseitig ihr Date spielen.

Kritik

Ich hatte mich im Vorfeld ehrlich gesagt gewundert, dass "Holidate" bereits vor Halloween von Netflix für einen Erscheinungstermin angekündigt wurde, da ich es aufgrund des Titels, aber auch aufgrund des Posters in die klassische Kategorie Weihnachtsfilm geschoben habe. Es passt aber tatsächlich treffender, dass der Film zeitlich etwas eher veröffentlicht wurde, denn es geht um alle Feiertage innerhalb eines Jahres und da steht in den USA bekanntlich mit Thanksgiving bereits vor Weihnachten eine mögliche Zusammenkunft an, bei der ein Date hilfreich sein könnte, um nicht als Single bemitleidet zu werden. Ich fand die Idee hinter "Holidate" jedenfalls sehr interessant, denn bekanntlich leiden wirklich viele unter dem Erwartungsdruck der Familien und da gehört nun mal klassisch irgendwann Heirat und Familie dazu. Aber ich fand es auch hervorragend, dass es in "Holidate" nicht nur um ein Date für Weihnachten ging, sondern das ein komplettes Jahr abgedeckt wird, denn so ist die verpackte Liebesgeschichte für mich viel glaubhafter inszeniert worden, als wenn es über Weihnachten völlig auf der Luft gegriffen worden wäre.

Nun habe ich schon das Wort 'Liebesgeschichte' in den Mund genommen, obwohl "Holidate" sich doch eigentlich oft bemüht, Anti-Rom-Com zu sein, dabei ist es natürlich glasklar eine Rom-Com. Aber das passt letztlich auch zu der zentralen Botschaft, die dieser Film wohl im Kern in sich trägt: So sehr der Mensch auf den Wert seiner Selbstständigkeit besteht, er sehnt sich doch immer nach Liebe und Gemeinschaft. Deswegen gibt es immer wieder Motive, wo gerade Hauptfigur Sloane sich jedes Klischees einer Romanze erwehrt, um dann doch unbewusst oder teilweise bewusst reinzutappen. Dennoch bemerkt man diesen Kontrast aus Klischee und bewusster Abkehr sehr deutlich, denn alles rund um Sloane ist ein einziges Klischee. Aber das ist in diesem Fall gut zu ertragen, weil es gleichzeitig auch reflektiert und damit eine gewisse Metaebene erreicht wird.

Der Cast ist mit zahlreichen TV-Veteranen angereichert. Neben Roberts ("American Horror Story") und Bracey ("Home and Away") in den zentralen Hauptrollen trifft man auch auf Kristin Chenoweth("Pushing Daisies"), Frances Fisher ("Watchmen"), Jessica Capshaw ("Grey's Anatomy - Die jungen Ärzte") oder Manish Dayal ("Atlanta Medical"). Im Grunde hätte der doch einfach gehaltene Plot diesen Cast nicht gebraucht, zumal in romantischen Komödien mit höherem Comedyanteil ein Teil der Jobbeschreibung immer ist, sich besonders gut zum Idioten machen lassen zu können. Aber sich bewusst in seiner Rolle bloßstellen zu lassen, ist definitiv auch eine Kunst und kann schnell affektiert wirken, weswegen sich der Cast doch gelohnt hat. Man merkt, dass sich alle Beteiligte richtig darauf eingelassen haben, den Zuschauern Spaß bereiten zu wollen, was in unserer aktuellen Zeit mehr denn je nötig ist, auch wenn bei den Dreharbeiten noch nicht zu erahnen war, zu welch brisantem Zeitpunkt "Holidate" veröffentlicht werden würde.

Insgesamt funktioniert "Holidate" in seiner Mischung aus Komödie und Liebesgeschichte durchaus gut. Der Humor ist oft derber, als man hätte erwarten können, aber gerade auf die Hauptfiguren Sloane und Jackson und damit auch auf ihre Darsteller passt es wirklich gut, weil sie die Fettnäpfchen sehr glaubwürdig anziehen. Zudem haben sie beide Persönlichkeiten, die schreien "Mir doch egal, was ihr denkt!", weswegen auch kein Schamgefühl aufkommt. Zudem merkt man deutlich, dass Roberts und Bracey eine tolle Chemie haben, die sich sowohl in den absurdesten Sequenzen, aber auch in den intimen Momenten auszahlt. Auch wenn die einer Liebesgeschichte entsprechenden Sequenzen eher rar ausfallen, so sind die doch vorhandenen wirklich schön inszeniert worden. Keinesfalls billig, sondern wirklich echt.

Fazit

"Holidate" ist nicht wie vermutet ein klassischer Weihnachtsfilm, sondern ein Film für jeden Feiertag, was ihn tatsächlich deutlich zeitloser macht. Neben vielen bekannten TV-Gesichtern dürften die Zuschauer aber auch vom Inhalt und von den Figuren unterhalten werden, denn es ist eine kurzweilige romantische Komödie rausgekommen, die eher derb, aber dennoch echt daherkommt. "Holidate" ist der perfekte Auftakt, um sich bald in den Marathon von tatsächlichen Weihnachtsfilmen zu stürzen.

Lena Donth - myFanbase
29.10.2020

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