Bewertung: 8
Marielle Heller

Can You Ever Forgive Me?

Foto: Copyright: 2019 Twentieth Century Fox
© 2019 Twentieth Century Fox

Inhalt

Wir schreiben das Jahr 1991 und die Schriftstellerin Leonore Carol "Lee" Israel (Melissa McCarthy) befindet sich in finanziellen Schwierigkeiten. In der Vergangenheit konnte sie ihren Lebensunterhalt durch das Schreiben von Biographien verdienen, doch ihr letztes Buch über Estée Lauder war ein Reinfall. In ihrer Not beginnt Lee mit dem Fälschen von Dokumenten bekannter Persönlichkeiten wie Noël Coward und Dorothy Parker. Ihre Fälschungen fallen zunächst nicht auf, da Lee genau den richtigen Ton in den erfundenen Briefen trifft und so kann sie genügend Geld einnehmen, um sich ihr Dach über dem Kopf und Medizin für ihre kranken Katze zu sichern. In der Zwischenzeit lernt die lesbische Lee den ebenfalls homosexuellen Jack Hock (Richard E. Grant) kennen, der in der Vergangenheit bereits mit dem Gesetz aneinandergeraten ist. Von nun an befassen Lee, der es schwer fällt, Menschen an sich heran zu lassen, und Jack sich gemeinsam mit den Fälschungen, doch ewig geht ihre Betrügerei nicht gut.

Kritik

Bereits in kurzer Blick auf Lee Isreal reicht aus, um dem Zuschauer zu vermitteln, dass die Hauptfigur dieses Filmes eine harte Schale hat, hinter der sich ein weicher Kern verbirgt. Die Offenlegung von Lees Gefühlsleben erfolgt daher nur langsam, doch man geht gemeinsam mit Melissa McCarthy gern jeden Schritt dieses Weges. McCarthy versteht es, die nach außen hin taff wirkenden Lee für den Zuschauer mit weichen Linien zu zeichnen, auch wenn ihre Figur an sich eher harte Züge anmuten lässt. Nur schwer lässt Lee es zu, dass jemand ihr nahe kommt, in den Gesprächen mit den Menschen, die man als ihre Freunde bezeichnen würde, wird zudem offensichtlich, wie unwohl Lee sich damit fühlt, ihr Gefühlsleben offen zu legen, geschweige denn etwas gerade heraus anzusprechen.

Lee, die große Probleme damit hat, anderen ihr Herz zu öffnen, hat gleichzeitig eine komödiantische Ader, die sich in den Fälschungen zeigt, mit denen sie sich schließlich ihren Lebensunterhalt erschleicht. Mit lockeren Kommentaren und ganz frei von Zwängen schafft Lee es, den Geist von Berühmtheiten wie Dorothy Parker einzufangen. In diesen Momenten kann sie ihre eigenen Unsicherheiten hinter sich lassen und für ein paar Sekunden herzhaft lachen. Zum einen macht es ihr sichtlich Spaß, ihren Idolen zu gedenken und in deren Worten zu sprechen, zum anderen kann sie somit beweisen, dass in ihr wahrhaftig eine Schriftstellerin steckt.

Schleichend entwickelt sich zwischen der verschlossenen Lee und dem lebenslustigen Jack eine Freundschaft, die ungewöhnlicher nicht sein könnte. Die beiden frönen ihren Süchten und geben sich die Unterstützung, die ihnen von anderer Seite fehlt.

Wie Lee am Ende über ihr Tat reflektiert und auch welchen Weg sie wählt, um mit diesem Thema abzuschließen, beweisen, wie sehr sie sich seit Beginn des Filmes weiterentwickelt hat. Eindrucksvoll war zudem Lees Rede vor Gericht, in der man wahrhaft mit ihr fühlen konnte. Die zuerst so verkrampfte Lee muss ihren Panzer aus kecken Sprüchen hinter sich lassen und vollführt dadurch eine Wandlung, die ihr sehr gut steht. Mit Melissa McCarthy hat man die Rolle ideal besetzt, denn die so wenig liebenswürdige Lee vermag die Schauspielerin in eine Frau zu verwandeln, in die man sich vollkommen einfühlen kann.

Fazit

"Can You Ever Forgive Me?" ist eine wunderbare Gelegenheit für Melissa McCarthy zu glänzen. Sie schafft es, den Zuschauer das Gefühlsleben ihrer Figur eindringlich zu verdeutlichen, wodurch man Lee Isreal nur schwerlich für ihre Taten verurteilen kann und sie stattdessen sogar sympathisch findet.

Marie Florschütz - myFanbase
06.02.2019

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