Bewertung: 7
Alfonso Cuarón

Roma

Foto: Roma - Copyright: Carlos Somonte
Roma
© Carlos Somonte

Inhalt

Die junge Cleo entstammt einer Familie mexikanischer Ureinwohner und wohnt in der Stadt Mexiko, wo sie im Stadtteil Roma im Jahr 1970 für eine sechsköpfige Familie als Hausmädchen arbeitet. Eines Tages lernt sie Fermín kennen und wird schwanger. Fermín lässt Cleo sitzen und nun bangt sie um ihre Anstellung.

Kritik

Gemeinsam mit Cleo taucht man in den immer gleichen und nie enden wollenden Alltag des Hausmädchens ein. Putzen, aufräumen, waschen, schrubben. Das trist wirkende Leben von Cleo wird durch den Schwarz-Weiß-Film auf eintönige Weise in Szene gesetzt. Im Gegensatz zu der Hausarbeit steht jedoch die liebevolle Beziehung, die Cleo zu den Mitgliedern der Familie hat, für die sie arbeitet. Die Kinder lieben Cleo und sie kümmert sich um die vier, als wären sie ihre eigenen Schützlinge. Schnell merkt man, dass das anstrengende Leben an Cleo abprallt, sobald sie eines der Kinder in die Arme schließen kann.

Etwas schwerer einordnen lässt sich Cleos Beziehung zu Sofía, der Dame des Hauses. Denn auch wenn man ab und an merkt, dass Sofía ihre Haushälterin durchaus wichtig ist, wird Cleo gleichzeitig als Mensch zweiter Klasse dargestellt. Ihre Sorgen vermag Cleo ihrer Arbeitgeberin anzuvertrauen, doch die beruhigenden Worte Sofías werden sofort abgeschnitten, als eines ihrer Kinder zu ihr kommt. Man hat das Gefühl, dass von Sofías Seite nicht viel kommt, denn selbst ergreift sie nie die Gelegenheit, Cleo nach ihrem Befinden zu fragen. Vielleicht sollte sie das auch nicht, schließlich ist Cleo "nur" ihr Hausmädchen? Doch gleichzeitig betont Sofía, wie sehr sie und die Kinder Cleo lieben, weshalb es etwas absonderlich erscheint, wie leicht Sofía Cleo wieder aufs Abschiebegleis stellt und vergessen zu haben scheint, dass ihr Hausmädchen schwanger ist und vielleicht etwas kürzer treten sollte. Nicht viel anders läuft dieses Schema bei Sofías Mutter Teresa ab. Zwar begleitet sie Cleo zum Kauf eines Babybettes und man unterstreicht, dass die Familie sich um Cleos Kind kümmern wird, doch im Krankenhaus weiß Teresa weder Cleos vollständigen Namen, noch den Geburtstag der Frau, die die Familie tagein tagaus betreut.

Die Figur des Fermín verheißt auf den ersten Blick nichts Gutes und leider ist die Geschichte in Bezug auf ihn sehr vorhersehbar. Fermín ist Cleo bei ihrem ersten Date nicht das Geld für einen Kinobesuch wert, stattdessen bringt er sie zu sich nach Hause, wo die beiden auch sofort im Bett landen. Es ist eine etwas verstörende Szene, als der splitternackte Fermín vor Cleo seine Kampfkünste vorführt, man weiß nicht recht, ob man nun lachen soll oder lieber Mitleid mit diesem Kleingeist hat. Die Abneigung gegen Fermín wird den ganzen Film über geschürt und es ist wenig verwunderlich, dass er bei der Verkündung der Schwangerschaft sofort das Weite sucht.

Für Cleo ist die darauf folgende Zeit nicht leicht, doch leider gewährt man dem Zuschauer bis zuletzt keine Einblicke in das Gefühlsleben der Hauptfigur. Immer freundlich und zurückhaltend, mit einem Lächeln und emsig weiterarbeitend bestreitet Cleo ihren Beruf trotz der fortschreitenden Schwangerschaft. Wie denkt sie über das Baby? Und wie über Fermín? Klar ist nur, dass sie sich ein wenig über ihren Zustand schämt und selbst ihrer Familie verschweigt, dass sie schwanger ist, doch selbst dies wird nur ganz kurz angeschnitten.

Neben der Schwangerschaft von Cleo zeigt man uns auch die bröselnde Ehe ihrer Arbeitgeber. Ebenso wie bei Cleo erhält man jedoch auch hier keinen richtigen Blick hinter die Kulissen. Ein paar Tränen hier, ein Gespräch über die Affäre ihres Mannes da, ist alles, was Sofía preisgibt. Genau so wie die Kameraeinstellungen hält man sich mit dem Gefühlsleben der Protagonisten sehr zurück und überlässt es dem Zuschauer, mehr in die kurzen Augenblicke des Unglücks zu interpretieren.

Was zu jedem Zeitpunkt stimmig ist, ist Cleos enge Bindung an die Kinder ihrer Chefin. Sie in den Schlaf singend ist Cleo immer für sie da. Ohne das Ende des Filmes verraten zu wollen, muss ich sagen, dass die Szene im Krankenhaus und der anschließende Ausflug zum Meer das Highlight für mich waren. Bis zu diesem Zeitpunkt habe ich mich nur mäßig unterhalten gefühlt. Doch mit dem Krankenhausaufenthalt und der hektischen Betreuung Cleos hat man es dann doch geschafft, endlich ein wenig Gefühl zu zeigen. Ähnlich sieht es mit dem Familienausflug aus, bei dem Cleo ihr Inneres für ein paar Sekunden nach Außen kehrt und von der Familie, für die sie ihr Leben zu opfern bereit ist, wunderbaren Rückhalt erfährt.

Fazit

"Roma" zeigt auf distanzierte Weise das tragische Leben des Hausmädchens Cleo. Oft fühlt man sich von der Gefühlswelt der Protagonisten seltsam losgelöst, was widerspiegelt, was für einen kleinen Teil ihrer Gefühle die Frauen mit der Außenwelt teilen.

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Marie Florschütz - myFanbase
29.01.2019

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