Bewertung: 6
Scott Speer

Midnight Sun - Alles für dich

"Ich habe diesen wiederkehrenden Traum. Ich spüre die warme Sonne auf der Haut…"

Foto: Copyright: 2018 Twentieth Century Fox
© 2018 Twentieth Century Fox

Inhalt

Die 17-jährige Katie Price (Bella Thorne) leidet unter einer seltenen Hautkrankheit. Deshalb kann sie das Haus nur nach Sonnenuntergang verlassen. Doch statt mit ihrer besten Freundin Morgan (Quinn Shephard) auszugehen, hat sich das Vampirmädchen zu Hause eingeigelt. Ihr alleinerziehender Vater (Rob Riggle), der sie von zu Hause aus unterrichtet hat, würde sich ohnehin nur Sorgen machen. Außerdem hat Katie genug damit zu tun, die ständigen Krankenhausbesuche über sich ergehen zu lassen, eigene Songs zu komponieren und Charlie Reed (Patrick Schwarzenegger) heimlich vom speziell verglasten Zimmerfenster aus zu beobachten, wenn er – wie fast jeden Tag – mit seinem Skateboard am Elternhaus vorbeifährt. Hin und wieder traut sich die Songwriterin dennoch an die frische Abendluft, um am Bahnhof auf der Gitarre eigene Songs vorzuspielen. Als eines Abends plötzlich Charlie vor ihr steht und sie direkt anspricht, wünscht sich Katie umso mehr, ein gewöhnliches Mädchen sein zu können…

Kritik

Coming-of-Age-Geschichten sind nach wie vor im Trend. Ob im Kino, basierend auf einer Romanvorlage oder im Netflix-Serienformat. Wenn die jungen Helden nicht gerade gegen Monster, Mumien und Mutationen anzukämpfen haben, geht es im real-fiktiven Leben oft um bittere Schicksalsschläge und Selbstfindungsthemen – keinesfalls immer mit Happy-End-Garantie für alle beteiligten Figuren. Filme wie "Nur mit Dir", "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" und "Wenn ich bleibe" sind beste Beispiele dafür. Auch in "Midnight Sun – Alles für Dich", einem Remake von Norihiro Koizus gleichnamigen Film (japanischer Originaltitel: "Taiyô no uta") aus dem Jahr 2006, spielt sich das Leben nicht nur auf der Sonnenseite ab und so lassen die Protagonisten, unter der Regie von Scott Speer ("Step Up: All In"), die Nacht einfach zum Tag werden. Seit einigen Tagen darf man nun in der Heimkinoversion mitfiebern.

Die Story ist eigentlich rasch erzählt und ähnelt dem Konzept zahlreicher Teenie-Romanzen. Da ist dieses Mädchen, das für einen Jungen schwärmt und eines Tages endlich von ihm wahrgenommen wird. Die beiden verlieben sich ineinander und müssen gegen innere und/oder äußere Dämonen ankämpfen. In "Midnight Sun" ist es die 17-jährige Katie Price, die den beliebten Charlie Reed jahrelang von ihrem verdunkelten Zimmerfenster aus angehimmelt hat und sich fast die Zunge verknotet, als er plötzlich vor ihr steht. In diesem Fall ist Katies peinliches Gestammel allerdings verständlich.

Ähnlich wie die Hauptprotagonistin Maddy in "Du neben mir", einer Verfilmung von Nicola Yoons gleichnamigem Jugendroman, ist Katie isoliert vom Rest der Welt aufgewachsen. Der Grund dafür ist die real existierende Hautkrankheit Xeroderma Pigmentosum, kurz XP oder Mondscheinkrankheit genannt. Diese sorgt dafür, dass das musikalische "Vampirmädchen" die Sonne wie die Pest meiden muss, da eine geringe Dosis an UV-Strahlung Hautkrebs auslösen und folglich zum Tod führen kann. Neben ihrem überfürsorglichen Vater, der sie selbst zu Hause unterrichtet hat und der besten Freundin Morgan, ist Katie also nicht unbedingt in Übung was soziale Interaktionen betrifft. Natürlich ist es Charlie, der die Sonne in Katies Leben bringt und sie die Dinge erleben lässt, die normal für Jugendliche dieses Alters sind – die erste wilde Party, der erste Kuss, das erste Nachtbaden im Meer.

Man kann es sich denken; "Midnight Sun" bedient sich einiger Klischees und ist berechenbar. Die Kunst besteht jedoch darin, dass die Verfilmung in der Umsetzung nicht zu klischeebehaftet daherkommt – die altbekannte "Ich muss nach Hause, wegen meiner toten Katze"-Ausrede einmal außer Acht gelassen. Mit Bella Thorne ("Famous in Love") und Patrick Schwarzenegger ("Kindsköpfe 2") treffen zwei charismatische Jungschauspieler aufeinander, bei denen durchaus behauptet werden darf, dass die Chemie stimmig ist. Im harmonischen Zusammenspiel der beiden wirken die schablonenhaft angelegten Figuren erstaunlich authentisch. Wobei Bella Thorne den facettenreicheren Part abbekommen hat. Die US-amerikanische Schauspielerin verfügt in der Performance der zuweilen aus dem Off kommentierenden Hauptfigur einfach über mehr Entwicklungsmöglichkeiten und Profil als ihr männliches Gegenüber – optisch wie charakterlich. Obgleich ihr Krankheitsbild etwas stiefmütterlich behandelt wird und vielmehr als dramaturgisches Element zum Einsatz kommt.

Man erlebt mit Katie zwar die Schattenseite von XP und begleitet sie zur familiennahen Ärztin, die von der ehemaligen "Men in Trees"-Darstellerin Suleka Mathew mitfühlend verkörpert wird, im Zentrum steht aber eindeutig die musikalisch untermalte Liebesgeschichte, die selbst in aussichtslosen Momenten den Blick in den Himmel richtet und Hoffnung verbreitet. Auch der von Bella Thorne selbst eingesungene Finalsong "Walk with me" geht durchaus zu Herzen. Patrick Schwarzenegger macht in der Rolle des netten jungen aus der Nachbarschaft (ein früheres Schlüsselerlebnis hat den einst Party feiernden Schwimmstar geerdet) indes eine solide Figur. Obwohl er in seiner Darstellung des geduldigen Freundes mitunter ein bisschen zu glatt und perfekt wirkt – vom perfekt gezogenen Scheitel bis hin zu seiner Planung des perfekten Dates in nächtlicher Großstadtatmosphäre. Viele Momente zum Haare raufen, räumt das Drehbuch dem Sohn von Arnold Schwarzenegger aber auch nicht ein.

Geschwitzt wird trotzdem. Etwa, wenn Charlie zum Date vorfährt und von Katies Vater ins Kreuzverhör genommen wird. Filmvater Robb Riggle ("Maron") schafft es in solchen Szenen, neben "Hostages"-Seriendarstellerin Quinn Shephard als unangepasste beste Freundin, dem drohenden Klischee mittels natürlichem Witz entgegenzuwirken. Zum Ende hin erinnert "Midnight Sun" nicht nur aufgrund der sprunghaften Erzählweise an einen der eingangs erwähnten Filme. Dieser Umstand kann sich positiv oder negativ auf das persönliche Seherlebnis auswirken. Ein Pluspunkt: In den DVD-Extras finden sich kurze Interviews mit den beiden Hauptdarstellern, dem Regisseur sowie Filmvater Rob Riggle. Die B-Roll gewährt zudem kleine Schnipsel-Einblicke in die Dreharbeiten.

Fazit

Ein nicht unbedingt originelles, aber atmosphärisch inszeniertes Coming-of-Age-Liebesdrama, das von der stimmigen Chemie der beiden Hauptdarsteller profitiert.

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Technische Details

Bildformat: 16:9 - 2.40:1
Ton: Deutsch, English (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte
Bonusmaterial: Interviews, B-Roll

Doreen B. - myFanbase
25.08.2018

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