Bewertung: 4
Joe Wright

Pan

"We have an ancient prophecy from the fairy kingdoms who lived on this island. The prophecy tells of a boy, born of the love between a fairy prince and a human girl. The boy would be disappeared from this world, until he was old enough to return and lead an uprising against me. The boy, so says the prophecy, who could fly."

Foto: Copyright: 2015 Warner Bros. Ent. Alle Rechte vorbehalten.
© 2015 Warner Bros. Ent. Alle Rechte vorbehalten.

Inhalt

Als er noch ein Baby war, wurde Peter (Levi Miller) von seiner Mutter (Amanda Seyfried) vor einem Waisenhaus für Jungen in den Kensington Gardens in London ausgesetzt. Warum sie ihn nicht behalten hat, weiß der Junge nicht. Die einzige Erinnerung, die er an sie hat ist eine Kette mit dem Anhänger einer Panflöte. Eines Nachts wird der 12-Jährige von einer Bande Piraten entführt und gemeinsam mit vielen anderen Waisen auf einem fliegenden Schiff in das magische Nimmerland gebracht. Dort eröffnet sich sein wahres Schicksal, denn es ist Peter bestimmt, die Bewohner des Landes von den Übeltaten Blackbeards (Hugh Jackman) zu befreien. Gemeinsam mit seinen neugewonnenen Freunden James Hook (Garrett Hedlund) und Tiger Lily (Rooney Mara) zieht er in den Kampf, um die Feen vor dem Untergang zu retten.

Kritik

Es gibt wohl kaum jemanden, der die Geschichte um den Jungen Peter Pan nicht kennt. Er kann durch die Lüfte fliegen und bleibt auf ewig jung. Das Buch von J. M. Barrie wurde schon in zahlreichen Varianten verfilmt, von denen die wohl bekanntesten der animierte Disneyfilm "Peter Pan" (1953) und "Hook" (1991) sind. Das sind Adaptionen, die aufgrund ihrer Liebe zum Detail in Erinnerung bleiben. Auch wenn Regisseur Joe Wright in der Vergangenheit viel richtig gemacht und einzigartige Filme wie "Stolz und Vorurteil", "Abbitte" und "Anna Karenina" auf die Leinwand gebracht hat, so ging mit der Neuinterpretation von "Peter Pan" doch ziemlich viel nach hinten los. Bis auf den Cast und die visuellen Effekte ist hier nämlich alles schief gelaufen.

Der Beginn des Geschehens wirkt überaus vielversprechend. Es werden glaubhafte Bilder Londons zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs präsentiert. Die Waisen schuften den ganzen Tag und wünschen sich nichts sehnlicher, als von ihren Müttern geholt und nach Hause gebracht zu werden. Sie wirken hoffnungslos verloren in einer tristen Welt, in der sie von niemandem geliebt zu werden scheinen. Allerdings hält dieser Hoffnungsschimmer, dass "Pan" ein guter Film werden könnte, nur einen kurzen Augenblick an, denn kaum beginnt die Reise ins Nimmerland geht es auch schon steil bergab. Gegen die visuellen Effekte des Landes kann man absolut nichts sagen. Es wird auf eine überaus kreative Weise dargestellt, ist durchweg farbenfroh gestaltet und steht somit in starkem Kontrast zu dem tristen London, aus welchem man die Jungen verschleppt hat. Auch wenn die bildgewaltigen Landschaften vor Fantasie und Magie nur so sprühen, fehlt ihnen doch das gewisse Etwas. Man bekommt leider nicht so viel von Nimmerland zu sehen, wie man es gerne täte, denn wenn man es genau nimmt, spielt die Handlung dort nur an zwei Orten: den Mienen, in denen die Kinder für Blackbeard schuften müssen, und dem Wald, der diese umgibt. Man hätte so viel mehr aus der Kreation von Nimmerland herausholen können, doch was man geboten bekommt, ist nicht ausreichend, auch nicht für einen Kinderfilm.

Etwas merkwürdig kommt die Einführung des Charakters Blackbeard daher. Bei seiner Ankunft singen alle (inklusive Jackman persönlich) den Nirvana-Song "Smells Like Teen Spirit". Nun gut, es ist nicht wirklich verwunderlich, dass in einer Pan-Adaption gesungen wird, doch warum ausgerechnet dieses Lied? Es ist einfach nur verwirrend, da der Film zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs spielt und das Lied erst in den 90er Jahren überhaupt erschienen ist. Zumal es genauso plötzlich verschwindet, wie es angefangen hat. Eine Szene, die absolut nicht in diesen Film passt und bei man der man sich wundert, was man sich dabei wohl gedacht hat. Nichtsdestotrotz ist die Darbietung Jackmans große Klasse wie eigentlich nicht anders von ihm zu erwarten war. Sein Charakter ist einerseits auf eine merkwürdige Art und Weise charmant und in der nächsten Sekunde legt sich ein Schalter um und Blackbeard wird zu einem sarkastischen und bösartigen Piraten. Seine Überheblichkeit macht ihn zu einem unberechenbaren und facettenreichen Charakter, weshalb die Momente mit ihm eigentlich die besten im Film sind.

Doch auch Newcomer Levi Miller gibt sein Bestes, die Rolle des jungen Helden Peter Pan so gut es geht auszufüllen. Leider sieht man in ihm allerdings nicht den versprochenen Helden, der sein Schicksal erfüllen möchte. Es geht ihm lediglich darum, seine Mutter wiederzufinden und nicht ein Land vor dem Untergang zu bewahren. Zudem ist es etwas schade, dass hier die ursprüngliche Charakterisierung des Jungen nicht beibehalten wird, da es sich bei Peter Pan im Original ja um jemanden handelt, der sich weigert, erwachsen zu werden. Hier liegt der Fokus allerdings bloß auf der Suche nach seiner Mutter und wie er langsam seine Fähigkeiten des Fliegens entdeckt. Vermutlich hat man hier versucht, einen etwas emotionaleren Weg - gekoppelt mit gelegentlichen Actionsequenzen - einzuschlagen. Das Feeling kommt allerdings nicht wirklich rüber.

Leider ist es auch nicht sonderlich gut gelungen, Hook in einen von den Guten zu verwandeln. Nach dem Erfolg der Serie "Once Upon a Time" ist es eigentlich kaum verwunderlich, dass man diese Darstellung des einstigen Antagonisten beibehält, schließlich hat das in der Serie gut funktioniert. In "Pan" bleibt James Hook hingegen sehr fade und blass. Man wird nicht sonderlich schlau daraus, was nun eigentlich in seinem Kopf vor sich geht und ob Garrett Hedlund überhaupt gerne in dieser Rolle zu sehen ist. Die Darstellung wirkt überaus aufgesetzt mit einem machohaften Möchtegern-Charme, der einen kalt lässt. Doch getoppt wird das Ganze von Rooney Mara als Tiger Lily. Sie trägt zur Handlung genauso wenig bei wie Hook und doch wirkt sie noch um einiges verplanter, als wisse sie nicht, wie sie einen Fuß vor den anderen zu setzen hat. Das einzige, was sie tut, ist mit großen Augen durch die Gegend zu schauen und ab und zu einen hohlen Satz von sich zu geben. Diese beiden Charaktere sind bloß noch zum Davonlaufen.

Es ist so schade, dass es "Pan" an dem magischen Funken fehlt, der das Original so auszeichnete. Die vermeintlichen Actionszenen sind weder spannend noch spektakulär dargestellt, der Schlusskampf unterliegt einer grausigen Choreografie und auch sonst stimmt hier nicht viel. Zwar ist der Film sehr darauf angelegt, Kinder zu überzeugen, doch es ist fraglich, ob selbst diese ihren Spaß daran haben werden. Schlachten, bei denen die Gefallenen in bunte Farbwolken aufgehen und Cara Delevingne als Meerjungfrauen-Klon sind schlussendlich doch nicht das Wahre.

Fazit

Mit der Neuinterpretation "Pan" hat sich Joe Wright gewissermaßen selbst ins Knie geschossen. Zwar konnten einige bekannte Gesichter an Bord geholt werden und die visuellen Effekte sind schön anzusehen, doch storytechnisch passt fast nichts. Eine verworrene Handlung, bei der kaum Spannung oder Emotionen aufkommen, und Charaktere, die überwiegend glanzlos bleiben - von Magie und Feenstaub fehlt jede Spur!

Sanny Binder - myFanbase
06.10.2015

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