Bewertung: 5
John Krokidas

Kill Your Darlings Junge Wilde

"Some things, once you've loved them, become yours forever. And if you try to let them go, they only circle back and return to you. They become part of who you are."

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Inhalt

New York, Anfang der 1940er Jahre: Der junge Dichter Allen Ginsberg (Daniel Radcliffe) besucht die renommierte Columbia University, um Literatur zu studieren. Dort trifft er auf den rebellischen wie enigmatischen Lucien Carr (Dane DeHaan), der eine enorme Anziehungskraft auf ihn ausübt. Lucien und Allen verbindet sofort die gemeinsame Liebe zur Literatur und ihre Ansicht, dass die traditionellen Parameter von Poesie ausgedient haben. Zusammen mit Carrs Freunden William S. Burroughs (Ben Foster) und Jack Kerouac (Jack Huston) wollen sie eine neue Vision von Literatur propagieren, die frei von Regeln ist. Während die jungen Männer ihren Platz in der Welt suchen und sich an erste literarische Versuche wagen, wird Lucien jedoch immer wieder von seiner Vergangenheit eingeholt: David Kammerer (Michael C. Hall), ein eifersüchtiger ehemaliger Liebhaber, will ihn nicht ziehen lassen. Bald spitzen sich die Ereignisse dramatisch zu...

Kritik

Vielleicht ist es ihr ungebändigter Wille zur Veränderung, vielleicht ist es ihre rebellische wie unkonventionelle Lebens- und Denkweise, vielleicht ist es aber auch schlicht und ergreifend die Tatsache, dass sie einige der faszinierendsten Werke der US-amerikanischen Literatur des letzten Jahrhunderts hervorgebracht haben: Das US-Kino hat in den letzten Jahren die Persönlichkeiten der so genannten Beat Generation für sich entdeckt. Filme wie die cineastische Umsetzung von Allen Ginsbergs lyrischem Meisterwerk "Howl" (2010) oder die Verfilmung von Jack Kerouacs Romanen "On the Road" (2012) und "Big Sur" (2013) sind Beispiele für diesen Trend, in den sich auch John Krokidas' "Kill Your Darlings" einordnen lässt. Während die Beat-Bewegung in den genannten Filmen schon in vollem Gange ist, widmet sich "Kill Your Darlings" den frühen Anfängen der Bewegung, die mit Lucien Carr, Allen Ginsberg, William S. Burroughs und Jack Kerouac in New York begann und sich damals noch "New Vision" nannte.

Der Titel "Kill Your Darlings" bezieht sich auf William Faulkners berühmte Aussage "In writing, you must kill your darlings", die eigentlich die Essenz der Beat Generation ausdrückt: Es geht um das Zerstören alter lyrischer wie moralischer Richtlinien, dem Ausloten und Überschreiten von Grenzen, der radikalen Umwälzung des Status Quo. Dem Film selbst mangelt es hier jedoch an Mut und Kraft, diese rebellische Energie wirklich auf die Leinwand zu bannen. Wenn Carr, Ginsberg, Burroughs und Kerouac in den dunklen Jazz Bars von New York unterwegs sind, in die Universitätsbibliothek einbrechen oder wie wild literarische Manifestos schreiben, bekommt man einen flüchtigen Eindruck dieser Energie, doch kratzt der Film nur an der Oberfläche. Das ist schade, da der Film, der ja die Entstehungsgeschichte der Beat-Bewegung nachzeichnen will, gerade deren wesentlichen Kern die Zerstörung des alten Systems und die schonungslose Durchsetzung neuer Ideen nicht darzustellen vermag.

Stattdessen konzentriert sich der Film in seinem Verlauf mehr auf die homosexuelle Anziehung zwischen Carr und Ginsberg, sowie die komplizierte Beziehung zwischen Carr und David Kammerer. Auch wenn Dane DeHaan, Daniel Radcliffe und Michael C. Hall darstellerisch sehr überzeugen können, so bekommt man als Zuschauer nie so wirklich einen Zugang zu diesen Beziehungen. Die sich anbahnende Skandalnacht im Riverside Park überschattet ein wenig die eigentliche Beziehung zwischen Carr und Ginsberg bzw. Carr und Kammerer. Gut deutlich wird dafür, in welch gefährliches Abhängigkeitsverhältnis zu Carr sowohl Kammerer als auch Ginsberg rutschen gerade letzterer wird als Charakter in Anbetracht der kurzen Laufzeit gut ausgeformt und profitiert vor allem von Radcliffes toller Darstellung. Die Fokussierung auf Ginsberg und Carr und den Skandal um Kammerer hat aber leider zur Folge, dass Burroughs und Kerouac nur Randfiguren bleiben und kaum Platz erhalten, um sich zu profilieren.

Das Problem von "Kill Your Darlings" ist letztlich seine Stormlinienförmigkeit: Als ein Film, der sich den Anspruch stellt, die Entstehung und die Anfänge der legendären Beats darzustellen, ist er zu starr und zu traditionell, und verheddert sich in den Kammerer-Skandal, anstatt die Beweggründe und Emotionen derjenigen überzeugend darzustellen, die darin verwickelt waren. Außer Ginsberg und Carr bleiben die restlichen Charaktere zu blass und zu plakativ, als dass man hier von einem runden Bild sprechen könnte.

Fazit

John Krokidas' "Kill Your Darlings" ist ein solides Drama mit einer ausgezeichneten Besetzung, das den Esprit und die Ideologie der Beat Generation jedoch nicht wirklich einzufangen vermag. Vielmehr konzentriert sich der Film auf die Ereignisse, die zu jener schicksalhaften Nacht im Riverside Park 1944 führten, in die Carr und Kammerer und später Ginsberg, Burroughs und Kerouac verwickelt waren. Schade, dass der Film hier die Möglichkeit verschenkt, den Beats ein tatsächliches cineastisches Denkmal zu setzen.

Maria Gruber - myFanbase
30.11.2014

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