Bewertung: 4
Spike Lee

Oldboy

"If you would like to see your daughter alive again, you must answer me two questions. One: Why did I imprison you for 20 years? And two: Why did I let you go?"

Foto: Copyright: 2014 Universal Pictures International
© 2014 Universal Pictures International

Inhalt

Joe Doucett (Josh Brolin) führt ein kümmerliches Leben als egoistischer Werbemanager. Dabei schert er sich weder um seine Ex-Frau noch seine Tochter, macht seine Kunden in wichtigen Meetings an, und ist Alkoholiker. Eines Tages wird er von Unbekannten entführt und 20 Jahre lang in einem kleinen Zimmer festgehalten. Als einziges Mittel zur Außenwelt steht ihm ein Fernseher zu Verfügung, durch welchen er erfährt, dass er für den Tod seiner Ex-Frau verantwortlich gemacht wird. Als er wie aus dem Nichts freigelassen wird, dürstet er nach Rache an seinen Peinigern. Überraschenderweise gibt sich Adrian (Sharlto Copley) als Entführer zu erkennen und mehr noch: Wenn er ihm zwei Fragen beantworten kann, wäscht er Joes Namen rein, gibt sich selbst die Kugel und lässt auch dessen Tochter frei. Zusammen mit der jungen Sozialarbeiterin Marie (Elizabeth Olsen) macht sich Joe auf Rätselsuche.

Kritik

Rund zehn Jahre nach dem koreanischen Psychothriller "Oldboy", dem von Kritikern und Zuschauern Erschrecken und Lob entgegengebracht wurde, hat nun Hollywood zu einer seiner beliebtesten Methoden gegriffen: nicht etwa den Sequels oder Prequels, sondern den Remakes. Der Titel und die Handlung sind gleich geblieben, lediglich die Besetzung hat sich geändert. Remakes sind bekanntlich weniger erfolgreich als das Original und hier ist es nicht anders, obwohl kein geringerer als Regisseur Spike Lee ("Malcolm X") seine Finger im Spiel hatte und eine erstklassige Besetzung für sich gewinnen konnte. Seine Version ist allerdings an den Kinokassen gefloppt, was alles andere als überraschend ist.

Die erste halbe Stunde vergeht schleppend und obwohl sich Josh Brolin von Anfang an ins Zeug legt und in einer One-Man-Show eine großartige Leistung abgibt, kann man sich nicht in seine Situation hineinversetzen. Sein Wandel vom alkoholsüchtigen Versager in eine von Rache getriebene Killermaschine wirkt sehr gestellt, was nicht Brolin zuzuschreiben ist, sondern mehr dem Charakter an sich. Man findet keinen Zugang zu Joe, auch nicht, als er Marie kennenlernt. Beide haben anfangs überhaupt keine Chemie, was abermals nicht an der schauspielerischen Leistung der Akteure liegt, sondern eher daran, dass man sich in diese Situation nicht hineinversetzen kann und alles zu schnell geht. Joe jagt seinen Peinigern nach, setzt mit Marie und seinem Kumpel Chucky Puzzlestücke zusammen und teilt ordentlich aus. Doch der Film kann besonders in den ruhigen Momenten nicht überzeugen. Oftmals wird Joe als zutiefst zerrissene Seele gezeigt, aber die Emotionen wollen nicht auf den Zuschauer überspringen. Die Drehbuchautoren kratzen nur an der Oberfläche und wollen Joe um jeden Preis zum Sympathiehelden machen, aber diese Bemühungen wirken zu gestellt.

Als Psychothriller ist der Film vor allem eins: psycho. Es wird sehr viel Wert auf Blut und Gewalt gelegt. Das Blut spritzt zwar nicht so hoch wie bei Splatter-Filmen, aber dennoch ist der Gewaltpegel sehr hoch angesiedelt. Joe läuft nach seiner Freilassung Amok und erschlägt alles und jeden, was ihm in den Weg kommt. Brutale Prügelattacken und freizügige Sexszenen inklusive. Doch diese Action ist nicht das, was "Oldboy" spannend macht. Die eigentliche Frage ist, warum Joe 20 Jahre festgehalten wurde und nun von seinem Peiniger freigelassen wird, um selbst den Grund herauszufinden.

Allein diese perfide Frage bringt den Zuschauer dazu, den Film bis zum Ende mitzuverfolgen. Wer das Original nicht kennt, darf sich am Ende auf eine schockierende Auflösung gefasst machen. Die Erwartungen nach dem ganzen Verwirrspiel sind groß und die Messlatte dementsprechend hoch angesetzt. Doch der Showdown bleibt enttäuschend schwach. Am Ende wirkt alles zu sehr konstruiert und nicht mehr glaubwürdig, falls überhaupt jemals der Eindruck entstanden ist. Immerhin bekommen die Figuren Joe und Marie plötzlich viel mehr Tiefe als anfangs für möglich gehalten werden konnte, aber dann ist der Film auch schon vorbei. Doch der Zuschauer ist vor allem von der Auflösung und dem Hintergrund von Joes Tortur verstört. Zugegeben, man hätte sich dieses Ende nicht erdenken können, aber ob man wirklich zufrieden damit ist, ist eine andere Frage.

Als eine Anmerkung zum Schluss möchte ich hinzufügen, dass ich das Original nicht gesehen habe, nach diesem Film aber auch nicht das Bedürfnis verspüre, mir die Handlung in einer anderen Machart noch einmal anzusehen.

Fazit

"Oldboy" lässt den Zuschauer mit gemischten Gefühlen zurück. Das Ende ist unvorhersehbar, erschüttert zutiefst und ist richtig psychotisch - allerdings im negativen Sinne.

Tanya Sarikaya - myFanbase
25.01.2014

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