Bewertung: 4
Lee Daniels

Paperboy, The

"He never did get over his first true love."

Foto: Copyright: 2013 STUDIOCANAL GmbH
© 2013 STUDIOCANAL GmbH

Inhalt

Der Reporter Ward Jansen (Matthew McConaughey) kehrt 1969 zurück in seinen Heimatort nach Florida. Dort will er zusammen mit seinem Bruder Jack (Zac Efron) und Kollegen Acheman (David Oyelowo) den Mord an dem Sheriff aufklären. Angeklagt und zum Tode verurteilt ist Hillary Van Wetter (John Cusack). Seine Verlobte Charlotte (Nicole Kidman) glaubt jedoch fest an seine Unschuld. Während Jack ein Auge auf sie geworfen hat, vertieft sich Ward in den Fall und bringt sich und sein Umfeld in große Gefahr.

Kritik

Der Regisseur Lee Daniels machte sich als Produzent von "Precious - Das Leben ist kostbar" einen Namen und greift auch in seinem dritten Film "The Paperboy" ernste Themen auf, die mit denen der Zuschauer gnadenlos und ohne Beschönigung konfrontiert wird. "The Paperboy" basiert auf dem gleichnamigen Roman von Peter Dexter aus dem Jahr 1995. Obwohl der Film auf vielen Festivals bei den Kritikern gut ankam und für viele Preise nominiert wurde, hielt sich die Begeisterung der Zuschauer in Grenzen. Es dauert sehr lange, bis man in das Geschehen hinein kommt, doch richtig fesselnd ist der Film leider nie.

Die Location in Florida um die 60er Jahre ist gut umgesetzt und die Atmosphäre stimmt. Nicht nur die von der Kamera eingefangenen Bilder sind ausdrucksstark, sondern auch das damalige Leben zu dieser Zeit wird aufgegriffen. Allen voran das harte Leben der Schwarzen in den Südstaaten, welches stets präsent ist, aber nie in den Vordergrund gerückt wird. Ebenso wird in diesem Film unaufdringlich der Rechtsstaat hinterfragt und die Frage nach Recht und Gerechtigkeit gestellt.

Doch im Mittelpunkt steht der Zeitungsjunge Jack, der mit seinem Bruder einen Mord aufklären will und immer tiefer in das Schlamassel hineingezogen wird. Und genau das ist der Knackpunkt des Films. Während die Nebenstorylines spannender aufgezogen werden als die Hauptstory, interessiert sich der Zuschauer nicht im Geringsten für den Fall Hillary Van Wetter. Das mag zum einen an dem unsympathischen Charakter selbst liegen und zum anderen daran, dass die nötige Spannung einfach fehlt. Der Film lenkt zu sehr durch unwichtige Dialoge und provokative, manchmal sogar richtig skurrile Szenen vom eigentlichen Geschehen ab.

Das wäre nicht weiter schlimm, wenn die Charaktere auf emotionaler Ebene überzeugen könnten. Doch hier stimmt weder die Chemie zwischen Zac Efron und Nicole Kidman, noch können Matthew McConaughey und John Cusack in ihren aparten Rollen überzeugen. Das liegt nicht an der schauspielerischen Leistung, sondern eher daran, wie die Charaktere dem Zuschauer präsentiert werden. Während man gegen Ende hin zu James Zugang findet, bleibt Hillary ein Mysterium und schlichtweg als kranker, motivloser Psychopath zurück. Nicole Kidman legt als freizügige Charlotte die meisten fragwürdigen Szenen hin. Am ehesten kann man sich noch in Zac Efrons Rolle als Jack hineinversetzen, denn genau wie der Junge fühlt sich der Zuschauer mit jeder weiteren Minute die verstreicht zunehmend unwohl. Das Ende gewinnt etwas an Fahrt und der Showdown ist weitgehend gelungen, doch die tiefere Botschaft bleibt durch Lee Daniels Verstrickungen und das schwerfällige Tempo des Films unergründlich.

Fazit

"The Paperboy" ist ein Mix aus Thriller und Drama, wobei weder das eine noch das andere gelungen ist. Stattdessen driftet der Film in spannungsarme, unwichtige Details und Provokationen ab.

Technische Details

Tonformat/Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bildformat: 16:9 - 2.35:1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren

Tanya Sarikaya - myFanbase
31.07.2013

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