Bewertung: 5
James DeMonaco

Purge, The - Die Säuberung

"Lassen Sie Ihre innere Bestie frei und säubern Sie unsere amerikanischen Straßen."

Foto: Copyright: 2013 Universal Pictures
© 2013 Universal Pictures

Inhalt

Die Kriminalitäts – und Arbeitslosenrate in Amerika ist so niedrig wie nie. Grund sind die neuen Gründungsväter, welche ein neues System geschaffen haben. Ein Mal im Jahr gibt es eine zwölfstündige Säuberungsnacht namens "Purge", in der alle Verbrechen legal sind. Die Notrufzentralen werden ausgeschaltet und jeder Bürger darf seinen Aggressionen freien Lauf lassen. James Sandin (Ethan Hawke), der durch den Verkauf von Sicherheitstechniken für die Purge-Nacht an Reichtum gelangt ist, sieht kein Grund zu Sorge. Er und seine Frau Mary (Lena Headey) verbarrikadieren sich wie jedes Jahr in ihrem Haus und warten, bis sich die Lage entspannt hat. Jedoch deaktiviert ihr Sohn Charlie (Max Burholder) das Sicherheitssystem und lässt einen stark blutenden Flüchtling ins Haus. Die Ereignisse nehmen ihren schrecklichen Lauf.

Kritik

"The Purge – Die Säuberung" zählt zu den meist disktutiertesten Filmen dieses Kinojahres. Die Handlung sorgt, ohne den Film überhaupt gesehen zu haben, für einen Paukenschlag. Nur vier Tage nach dem US-Kinostart wurde aufgrund des Überraschungserfolgs die Fortsetzung angekündigt. Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass der Film nicht nur den gesamten amerikanischen Rechtsstaat in Frage stellt, sondern auch auf den Großteil der amerikanischen Bürger Kritik hageln lässt.

Ähnlich wie im sehr krassen patriotischen Film "Red Dawn" wird die amerikanische Nation gepriesen. Allerdings kommen die Feinde diesmal nicht wie gewohnt aus dem Ausland. Es sind die Amerikaner selbst, die ihren angestauchten Hass und die innere Bestie in dieser einen legalisierten Nacht freilassen und zu Verbrechern und Mördern werden. Nur so wird in den restlichen 364 Tagen Frieden und Ordnung in Amerika geschafft. Die Grundidee von James DeMonaco ist also nicht minder krass.

Der Beginn des Films ist wunderbar gelungen und das unvorstellbare "Was wäre wenn"-Szenario verstört zutiefst. Diese Ausgangssituation ist mehr als unvorstellbar, aber der Film leitet wie selbstverständlich ins Geschehen ein und stellt die Nacht der Säuberung als Befreiungsschlag für die Nation da. Man ist sofort gefesselt von der Geschichte und der Frage, ob so etwas wirklich funktionieren kann? So ein Thema hat man noch in keiner Filmversion gesehen, was "The Purge – Die Säuberung" zusätzlich an Intensität und Spannung verleiht. Bei solch einer Thematik ist es gewiss, dass dieser Film nicht zur Unterhaltung dient, sondern den Zuschauer zwingt, sich in eine andere Realität hineinzudenken und zu reflektieren.

Falsch gedacht. Genau hier nimmt der Film die andere Abzweigung. Die Säuberung wird nur am Anfang und am Ende aufgegriffen, doch im Hauptteil dient sie nur als Ausrede, um Mord und Totschlag mit viel Gemetzel und Schießereien zu rechtfertigen. Durch die düsteren Lichteffekte und den wackligen Kamerafahrten fühlt man sich nicht selten an "Paranormal Activity" erinnert, aber die Atmosphäre bleibt spannend. Doch leider setzt der Film den Fokus Minute für Minute auf das Versteckspiel im Haus und das persönliche Schicksal der Familie Sandin, statt sich mit den wirklich interessanten Fragen auseinanderzusetzen. Müssen Opfer zu Tätern werden und sich dem System fügen, damit die Gesellschaft funktioniert? Können die tiefsten Abgründe der Menschheit gebändigt werden? Auch die Motive des Anführers verlieren durch seinen kranken Tötungsdrang völlig an Bedeutung und dadurch, dass sich der Film ausschließlich auf das Horrorszenario im Haus beschränkt, rückt die Grundidee der Säuberung schnell in den Hintergrund. Man fühlt sich wie in jedem x-beliebigen Horrorfilm und das ist mehr als schade, denn das Konzept hätte viel mehr hergegeben. Daher bleiben Darsteller wie Ethan Hawke und Lena Headey weit unter ihren Möglichkeiten. Die Charaktere verleiten nicht zum mitfiebern, sondern sind nur Mittel zum Zweck, um ein blutiges Massaker in einer Familie zu veranstalten.

Erst im Abspann wird man auf die Folgen der Säuberung hingewiesen, doch dann ist es bereits zu spät. Der Film ist vorbei und überlässt den geschockten Zuschauer sich selbst, enttäuscht darüber, dass man aus einer außergewöhnlichen Story einen gewöhnlichen Splatter gemacht hat. "The Purge – Die Säuberung" möchte viel mitteilen und die Botschaft, die dahinter steckt, ist eben nicht nur das Gemetzel, was man die meiste Zeit über gesehen hat. Doch die Umsetzung hätte besser gelingen müssen, um diese Botschaft auch rüberzubringen. Hoffentlich gelingt das in Teil 2 besser.

Fazit

"The Purge – Die Säuberung" möchte schocken, provozieren und zum nachdenken anregen. Das hat der Film mit seinem Grundkonzept eines Horrorszenarios definitiv geschafft. Allerdings wird das Potential ab der zweiten Hälfte verschenkt und der Film artet in einen gewöhnlichen Splatter aus.

Tanya Sarikaya - myFanbase
27.06.2013

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