Bewertung: 9
Joel Coen & Ethan Coen

Big Lebowski, The

The Dude abides. I don't know about you but I take comfort in that. It's good knowin' he's out there. The Dude. Takin' 'er easy for all us sinners.

Foto: Copyright: 2013 Universal Pictures Germany
© 2013 Universal Pictures Germany

Inhalt

Alt-Hippie Jeffrey Lebowski (Jeff Bridges), der sich selbst nur der Dude nennt, genießt sein faules Leben in vollen Zügen. Wenn er nicht gerade mit seinen Kumpels Donny (Steve Buscemi) und Walter (John Goodman) auf der Bowlingbahn herumhängt, entspannt er bei einem Joint in der Badewanne, meditiert zu Walgesängen oder schüttet sich mit White-Russian-Cocktails zu. Als eines Tages plötzlich zwei Schlägertypen in seiner Wohnung auftauchen und von ihm Geld verlangen, das seine angebliche Frau Bunny (Tara Reid) einem gewissen Jackie Treehorn schuldet, ist es vorbei mit dem besinnlichen Leben des Dude. Zwar versucht er dem Duo klar zu machen, dass sie den falschen Jeffrey Lebowski vor sich haben, doch die beiden wollen nicht mit sich reden lassen. Einer der beiden uriniert sogar auf den Teppich des Dude, der daraufhin seinem Namensvetter, dem gleichnamigen Millionär Jeffrey Lebowski (David Huddleston), einen Besuch abstattet und Schadensersatz für den ruinierten Teppich verlangt.

Als Lebowskis Frau Bunny plötzlich entführt wird, engagiert der große Lebwoski den Dude kurzerhand, die Übergabe des Lösegelds zu übernehmen. Dies geht jedoch schief und der Dude und Walter geraten von einem Schlamassel in den nächsten.

Kritik

Als Ende der 90er Jahre der Streifen im Kino Premiere feierte, bliebt zunächst der große Zuspruch aus. Obwohl die Kritiken überschwänglich das Drehbuch, die Charaktere und den genialen Wortwitz lobten, strömten nicht gerade Massen ins Kino. Und dennoch, 15 Jahre nach der Veröffentlichung ist "The Big Lebowski" zu einem Kultphänomen geworden. Es gibt regelmäßige Treffen bei sogenannten "Lebowski-Fests" und hartgesottene Fans des Dude haben sogar eine Kirchengemeinde namens "Church of the Latter Day Dude" gegründet.

Für Oscar-Gewinner Jeff Bridges ist die Rolle des Dude bis heute noch die Rolle seines Lebens. Kein Interview vergeht, in dem er nicht auf den faulen Alt-Hippie angesprochen wird. Sogar am Tag seines Oscar-Gewinns erinnerten sich die Journalisten viel eher an seine Rolle in "The Big Lebwoski" als an seine oscarwürdige Darbietung in "Crazy Heart". Anders als man vermuten möchte, geht es Bridges nicht auf die Nerven, immer wieder mit dem Dude in Verbindung gebracht zu werden. Wohl auch, weil er weiß, dass er mit dem Charakter eine wahre Kultfigur erschaffen hat, die ihresgleichen lange suchen lässt. Dabei kann sich jeder irgendwie in dem Dude wiederfinden. Vielleicht nicht unbedingt in dem Maße, wie er sich hier präsentiert trinkend, kiffend und nur darauf bedacht, möglichst nicht zu viel Stress zu haben aber ist man ehrlich zu sich selbst, so muss man zugeben, dass man sich manchmal wünschte, man könnte etwas mehr wie der Dude sein. Einfach mal ohne Plan und Verstand ins Blaue hinein leben und sich um nichts kümmern. Zufrieden sein, mit dem, was man hat und einfach nur existieren.

Neben Bridges, der übrigens einen Großteil der Kleidung des Dude aus eigener Garderobe beisteuerte (unter anderem auch die potthässlichen Plastiksandalen), ist John Goodman als latent aggressiver Walter Sobchak absolut genial besetzt und beweist einmal mehr seinen Facettenreichtum. Das Zusammenspiel von ihm und Bridges bietet in jeder gemeinsamen Szene geniale Unterhaltung, gerade weil die beiden so grundverschieden sind und man ihnen dennoch ihre Freundschaft abnimmt.

Die Geschichte, in die der Dude verstrickt wird, ist typisch für die Coen-Brüder und wie in all ihren Werken bislang herrlich skurril. Der Dude wird Opfer einer Namensverwechslung und gerät aufgrund eines ruinierten Teppichs in eine irre Welt voller gewaltbereiter Nihilisten, schmierigen Pornoproduzenten, Hardcore-Feministen (absolut überzeugend verkörpert durch Julianne Moore) und arroganten Bowlingspielern. Dabei zuzusehen, wie sich der Dude von einer Szene zur nächsten kämpft, dazwischen ein ums andere Mal unsanft außer Gefecht gesetzt wird und sich mehr und mehr in einem immer absurder werdenden Netz an Hinweisen und Fährten verheddert, die am Ende irgendwie doch alle ins Leere laufen, ist mehr als genial. Der Dude wird dabei mit einer Selbstverständlichkeit zu einem der unsouveränsten Helden der Kinogeschichte degradiert und ist am Ende dann doch unter allen Charakteren der Normalste. Dass die Geschichte selbst eigentlich ziemlich spannungsarm ist, fällt dabei überhaupt nicht ins Gewicht. Es sind eher die einzelnen Szenen, die aufgrund ihres unerwarteten Settings und der abgedrehten Ideen der Coen-Brüder punkten können. Untermalt werden die einzelnen Erlebnisse der Gang mit einem großartigen Soundtrack, der zu einem großen Teil aus der Feder des bekannten Filmkomponisten Carter Burwell stammt, zum anderen Teil jedoch etliche Klassiker aus Pop und Rock miteinander vereint.

Die ganze Komplexität des Films zu erfassen, ist schier unmöglich. Es gibt so viele Kleinigkeiten, die "The Big Lebowski" zu einem genialen Stück Kino machen, wie zum Beispiel die Tatsache, dass das Wörtchen "Fuck" in all seinen Abwandlungen im englischen Originalton ganze 292 mal verwendet wird. Das Wörtchen Dude fällt 160 mal und durchschnittlich eineinhalb Mal pro Minute nimmt der Dude das Wörtchen "Mann" in den Mund. Und obwohl der Dude begeisterter Bowler wird, ist er nie dabei zu sehen, wie er eine Bowlingkugel bewegt. Dafür wirft Donny bei jedem seiner Versuche einen Strike, außer kurz vor seinem Tod, da bleibt ganz plötzlich ein letzter Pin stehen. All diese Kleinigkeiten, die beim ersten Ansehen kaum ins Auge fallen, machen "The Big Lebowski" zu dem was er am Ende dank der Fans doch noch geworden ist: Absoluter Kult!

Fazit

"The Big Lebowski" ist ein unglaublich vielschichtiger, vor genialen Charakteren überbordender, vor allem aber durchgehend witziger Film voller abgedrehter Einfälle, der am Ende durch den immensen Einfallsreichtum der Coen-Brüder besticht. Diese erschaffen hier absolut fantastische Charaktere, die ihresgleichen in Komödien lange suchen lassen und von ihren Darstellern mit einer solchen Intensität gespielt werden, dass man sich fragt, ob sie jemals etwas anders gemacht haben. Großartiges Kino.

Melanie Wolff - myFanbase
26.03.2013

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