Bewertung: 7
David Hare

Verschwörung, Die

"When you don't know the truth everything freezes and you can't move on."

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Inhalt

Johnny Worricker (Bill Nighy) und sein Vorgesetzter und bester Freund Benedict Baron (Michael Gambon) sind alte Eisen beim MI5 und müssen sich nicht selten gegen Kollegen wie Jill Tankard (Judy Davis), die stets hinter der Regierung steht, durchsetzen. Als Benedict an einem Herzinfarkt stirbt, hinterlässt er Johnny brisante Unterlagen, welche die Regierung und insbesondere den Premierminister (Ralph Fiennes) vernichten könnten. Um die Quelle zu suchen und mehr Beweise zu liefern, schließt sich Johnny mit Nachbarin und Aktivistin Nancy Pierpan (Rachel Weisz) zusammen. Auch sie ist in die Machenschaften der Regierung verstrickt und hofft, die Wahrheit über den Tod ihres Bruders in Israel herauszufinden.

Kritik

Nennenswerte Akzente konnte David Hare im Jahre 2008 mit dem Drehbuch zu "Der Vorleser" setzen. Als Regisseur muss er auf den großen Durchbruch noch warten. Mit dem Politthriller "Die Verschwörung" ist ihm zwar kein Meisterwerk gelungen, aber dennoch ein spannender Film, der die Abgründe der Politik und des Geheimdienstes auf eine ruhige, aber fesselnde Art aufzeigt.

Ohne die grandiosen Darsteller und besonders Bill Nighy wäre "Die Verschwörung" wohl nur halb so gut geworden. Nighy setzt seinen komplexen Charakter souverän in Szene und zeigt ihn in allen Lebenslagen. Sei es der unzuverlässige Ehemann, der sich bemühende Vater für seine Tochter Julianne oder der alteingesessene Geheimdienstler des MI5, der zwischen die Fronten gerät. Rachel Weisz’ Charakter ist verglichen mit Johnny Worricker nicht ganz so mehrdimensional wie anfangs erwartet, macht neben Nighy aber eine gute Figur und sorgt besonders am Ende für einen wichtigen Wendepunkt. Michael Gambon und Ralph Fiennes fallen ebenso positiv auf, wobei man von Letzteren und seinem Charakter als intriganter Premierminister Beasley gerne mehr gesehen hätte. An dieser Stelle wurden Beasleys Motive nur angerissen und der Zuschauer kann nur durch Fiennes' düsterem Schauspiel erahnen, was für ein Charakter Beasley sein mag.

Besonders auffällig und überraschend bei diesem Thriller ist, dass nicht ein Mal ein Schusswechsel oder gar eine Waffe vorkommen. Auch von Explosionen, Verfolgungsjagden und anderen Effekten hält man sich fern. Die britische Produktion orientiert sich nicht an Hollywoods Actionfabrik, im Gegenteil. Die Spannung wird durch die verzwickte Handlung und seine brillierenden Schauspieler getragen. Doch genau das macht den Film interessant. "Die Verschwörung" kommt ganz ohne die standardmäßig übertriebenen Mittel eines Politthrillers aus und dennoch wird dieselbe, beklemmende Wirkung erzielt. Zwar investiert man anfangs viel Zeit für den Handlungsaufbau, aber ab der zweiten Hälfe wird es spannender und der Film nimmt an Fahrt auf. Den großen Höhepunkt oder einen Showdown gibt es nur indirekt, ebenso lässt "Die Verschwörung" das Ende zweideutig stehen. Nicht selten verwischen die Grenzen zwischen Drama, Thriller und Mystery, wobei der Zuschauer immer aktiv zum Mitdenken und Urteilen angeregt wird.

Fazit

"Die Verschwörung" ist ein bis in die kleinste Nebenrolle perfekt besetzter Politthriller, der ab der zweiten Hälfte an Fahrt gewinnt und mit leisen Tönen und intensivem Schauspiel das Innenleben und die Machtspiele der Regierung gekonnt aufzeigt.

Tanya Sarikaya - myFanbase
04.03.2013

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