Bewertung: 6
Fredrik Bond

Necessary Death of Charlie Countryman, The

"Love hurts."

Foto: Shia LaBeouf & Evan Rachel Wood, The Necessary Death of Charlie Countryman - Copyright: Berlinale
Shia LaBeouf & Evan Rachel Wood, The Necessary Death of Charlie Countryman
© Berlinale

Inhalt

Nachdem Tod seiner Mutter und der Erscheinung ihres Geistes, welcher ihn auffordert, in die rumänische Hauptstadt Bukarest zu reisen, entschließt sich Charlie Countryman (Shia LaBeouf), diesem Rat zu folgen und so findet er sich schnell in einem Flieger nach Rumänien wieder. Dort muss er dann den Tod seines Sitznachbarn miterleben und trifft am Flughafen schließlich auf die Tochter des Verstorbenen, Gabi (Evan Rachel Wood), in die sich der trauernde junge Mann schnell unsterblich verliebt. Doch um ihr Herz zu gewinnen muss sich Charlie erst noch mit ihrem brutalen Ex-Freund und Drogenboss Nigel (Mads Mikkelsen), durchgeknallten Drogenjunkies und einem kompromisslosen Gangster (Til Schweiger) auseinandersetzten. Irgendwann scheint der Tod von Charlie Countryman fast unausweichlich.

Kritik

Wie einige andere ehemalige Darsteller erfolgreicher Blockbuster-Produktionen auch will auch Shia LaBeouf sich von der Rolle befreien, die ihn einst bekannt und erfolgreich machte. Und so rennt der ehemalige "Transformers"-Star jetzt nicht mehr aufgeregt durch bombastische Actionsets, sondern versucht sich an kleineren, anspruchsvolleren Produktionen und deshalb wird er demnächst nicht nur im neuen Werk des umstrittenen dänischen Regisseurs Lars von Trier zu sehen sein, sondern spielt auch im Berlinale-Wettbewerbsbeitrag mit dem längsten Titel "The Necessary Death of Charlie Countryman" die Hauptrolle. Und auch wenn LaBeouf noch einiges zu einem wirklich großen Filmstar fehlt, ist dieser Film eine gehörige Steigerung zum sonstigen sinnentleerten "Transformers"-Krawallkino. Dem ehemaligen Werberegisseur Fredrik Bond gelingt ein wahnsinniger rasanter, dynamischer und zutiefst romantischer Film über die schicksalshafte Kraft der Liebe, der zwar an einigen Stellen etwas aus dem Ruder läuft und erzählerisch auch durchaus Schwächen aufweist, trotzdem aber als Gesamtwerk ziemlich gut funktioniert.

Beginnen tut der Film märchenhaft-brutal mit einem knalligen Auftakt, in dem der quasi unvermeidliche Tod des Protagonisten Charlie Countryman angedeutet wird. Dann springt die Erzählung zurück und es werden die Ereignisse gezeigt, die schließlich wieder in dieser Auftaktszene münden. Dazwischen erzählt Bond eine oft sehr wahnwitzige Genremischung aus Gangsterthriller, Drogenkomödie und Romanze, die sich im Kern immer um die bewusstseinsverändernde und magische Kraft der Liebe dreht. Trotz einiger Brutalität ist Bonds Film dann schlussendlich doch eine ziemlich zärtliche und streckenweise auch sehr berührende Liebesgeschichte. Auf dieser Ebene funktioniert der immer wieder durch schön gestaltete Voice-Over-Passagen (die im Original von Jon Hurt gesprochen werden) begleitete Film auch wirklich gut. Die Rahmenhandlung, die sich im Kern um die Machenschaften zweier brutaler Gangster dreht, ist dagegen weit weniger gut gelungen und verliert sich zu oft in faden Klischees und arg platten Momenten.

Ist der von Mads Mikkelsen mit einer knallharten Eindringlichkeit gespielte Gangster Nigel zumindest noch eine schauspielerische Freude, kann der von Til Schweiger ungemein hölzern verkörperte und regelrecht lächerlich wirkende Gangster Darko kaum wirklich ernst genommen werden, handelt es sich dabei doch um eine ungemein reißbretthafte und eindimensionale Figur, die dem Film mehr schadet als wirklich weiterbringt. Die Rahmenhandlung, die in der toll fotografierten rumänischen Hauptstadt Bukarest spielt, ist auch gar nicht wirklich sonderlich wichtig. Vielmehr liegen die Stärken dieses Films in der augenzwinkernd mit märchenhaften und surrealen Elementen spielenden, irrsinnig schnellen und rastlosen Inszenierung, die der Werbefilmer Bond mit teils richtig toll geschnittenen Szenen und einer stimmigen Musikauswahl auf die Leinwand knallt.

Dieser Film ist in vielen Momenten einfach sehr spaßig und bietet trotz der erwähnten erzählerischen Defizite größtenteils launige und kurzweilige Unterhaltung. Dafür sorgt auch ein wunderbar gegen den Strich besetzter Rupert Grint, der in einer Nebenrolle als drogensüchtiger Knallkopf, der unter dem Namen Boris Pecker als Pornostar durchstarten will, für die meisten Lacher des Films sorgt. Neben dem ehemaligen "Harry Potter"-Star macht auch "True Blood"-Star Evan Rachel Wood als geheimnisvolle Rumänin mit schwieriger Vergangenheit, die Hauptprotagonist Charlie zeigt, was wahre Liebe ist, eine durchweg gute Figur. Der aber vielleicht größte Star des Films ist die Stadt Bukarest selbst, der endlich mal filmisch ein klein wenig gehuldigt wird und die sich trotz der gezeigten Brutalität hiermit vielleicht ein wenig aus dem Schatten der ähnlich heißenden ungarischen Hauptstadt Budapest befreien kann.

Das Ende des Films wurde recht kontrovers aufgenommen, ist schließlich in diesem romantisch so aufgeladenen Werk aber nur konsequent und absolut passend.

Fazit

Liebe kann gleichermaßen schmerzhaft wie wunderschön sein und ist oftmals bewusstseinsöffnender als jede synthetische Droge. Diese vielleicht auf dem Papier etwas banal wirkende Botschaft verpackt Regisseur Fredrik Bond in ein rasant-treibendes filmisches Erlebnis mit erzählerischen Schwächen. Shia LaBeouf ist mit einem solchen Film sicherlich auf dem richtigen Weg.

Moritz Stock - myFanbase
11.02.2013

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