Bewertung: 7
Leslye Headland

Hochzeit unserer dicksten Freundin, Die

"Sir? Sir! I will suck your dick if you get us there in two minutes."

Foto: Copyright: 2012 STUDIOCANAL GmbH
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Inhalt

Regan (Kirsten Dunst), Gena (Lizzy Caplan) und Katie (Isla Fisher) sind schon seit ihrer Schulzeit beste Freundinnen und gehörten dort zu den beliebtesten Mädchen der Schule. Nun sind sie älter geworden und müssen sich mit den Problemen des Erwachsenenseins auseinandersetzten. Als eine ihrer ehemaligen Klassenkameradinnen, die pummlige Becky (Rebel Wilson), überraschend verkündet, demnächst zu heiraten, kommen die drei auf deren Hochzeit wieder zusammen und werden nicht nur mit ihrer lasterhaften Vergangenheit, sondern auch mit persönlichen aktuellen Problemen konfrontiert. Als die drei im Alkohol-und Drogenrausch das Hochzeitskleid von Becky zerstören, beginnt eine wilde Nacht mit allerhand Eskapaden, in dem sich alle Frauen mit ihren eigenen persönlichen Dämonen auseinandersetzten müssen.

Kritik

Als im Jahr 2011 die Komödie "Brautalarm" in die Kinos kam und nicht nur an den Kinokassen ein riesiger Überraschungserfolg wurde, sondern auch Melissa McCarthy eine Oscar-Nominierung einbrachte, setzte dies einen Wandel in Gang, der dazu führte, dass Produzenten nun auch das immense komödiantische Potenzial von weiblichen Darstellerinnen entdeckten. So folgte im Zuge dieses Erfolges nicht nur die HBO-Serie "Girls", die ähnlich wie "Brautalarm" einen ehrlicheren und authentischeren Blick auf moderne Frauen warf und damit einen erfreulichen Kontrast zu all den lieb- und farblosen Katherine-Heigl-Komödien setzte. Ein weiterer Vertreter dieser neuen "Frauen-Comedy" ist die stark besetzte, gnadenlos ehrliche und rabiat-lustige Tragikomödie "Bachelorette", welche auf einem Theaterstück von Regisseurin und Drehbuchautorin Leslye Headland basiert, die auch gleich die Kinoauswertung inszenierte und verantwortete. Der in Deutschland unter dem unsäglich peinlichen und einen ganz anderen Film suggerierenden Titel "Die Hochzeit unserer dicksten Freundin" in den Kinos gestartete Film mit dramatischen Zügen ist dabei insgesamt aber keineswegs ein müder "Brautalarm"-Abklatsch, sondern ein eigenständiges Werk und schlägt einen ganz anderen, wesentlich düsteren Ton an, der den Film schließlich eher zu einem kleinen Drama über das Erwachsensein werden lässt.

Das grundsätzliche Handlungsgerüst des Films ist relativ simpel gehalten und spielt vorwiegend in einer einzigen Nacht, in der die drei Freundinnen versuchen müssen, das Kleid ihrer am morgigen Tag heiratenden ehemaligen Klassenkameradin, welches sie im Drogenrausch zerstört haben, zu reparieren. Dies führt zu einer wilden, schamlosen Odyssee, in der es schließlich vorwiegend darum geht, mit der Vergangenheit abzuschließen und den Verlust der eigenen Jugend zu akzeptieren und mit der Last vergangener Tage fertig zu werden. Dabei schafft es Regisseurin Leslye Headland vorzüglich, ein vielschichtiges Bild moderner Frauen mit all ihren Ängsten und Unsicherheiten zu zeichnen. Zum großen Teil hat man es hier mit einer Charakterstudie der drei zentralen Frauenfiguren zu tun, die gerade durch ihre Unterschiedlichkeit und Authentizität ziemlich lebensnah wirken.

Da wäre die von Isla Fisher gnadenlos überdreht gespielte und naiv wirkende Katie, die zunächst wie eine absolute Karikatur wirkt, im Laufe des Films aber eine ziemliche Tiefe erreicht. Genau wie die von Kirsten Dunst gespielte Regan, die als perfektionistischer Erfolgsmensch angelegt ist, gleichzeitig aber auch eine tiefe Verletzlichkeit offenbart, die sich langsam durch ihre harte Schale zu brechen scheint. Die wohl stärkste und auch sympathischste Figur des Films ist aber wohl die der Gena, die wunderbar erfrischend dargestellt wird von der im Kino noch nicht ganz so bekannten Darstellerin Lizzy Caplan, die sich auch für die emotional aufwühlendsten Momente des Films verantwortlich zeigt.

Der Humor ist sehr drastisch und vulgär angelegt, gerät aber nie ins Geschmackslose, sondern fügt sich sehr gut in den rauen und ungekünstelten Stil des Films ein. Die Gegenüberstellung von drastischen humoristischen Einlagen, vielschichtiger Charakterarbeit und tief berührenden Momenten geht wunderbar auf und die immer weiter aufkommende Düsternis, die sich über den Film legt, wird schließlich in einem gelungenen Schlussakkord aufgelöst. Das Tempo des Films ist immer hoch, die Dialoge geschliffen und die Darsteller agieren auf höchstem Niveau, was den Film schließlich zu einem echten Geheimtipp werden lässt.

Fazit

"Bachelorette" ist ein stark inszeniertes und gespieltes Drama mit komödiantischen Untertönen, welches einen ehrlichen und ungeschönten Blick auf moderne Frauen wirft und dabei nicht in abgedroschene Klischees verfällt, sondern seine Figuren und deren Probleme stets ernst nimmt und sich dabei auch nicht vor wüsteren humoristischen Einlagen scheut. Ein starker Film und die Anthithese zu allen altbackenen romantischen Hollywood-Komödien.

Moritz Stock - myFanbase
31.10.2012

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