Bewertung: 5
Timur Bekmambetov

Abraham Lincoln Vampirjäger

"A man only drinks like that when he's planning to kiss a girl or kill a man. Which is it?"

Foto: Copyright: 2012 Twentieth Century Fox
© 2012 Twentieth Century Fox

Inhalt

Als kleiner Junge musste Abraham Lincoln (Benjamin Walker) mit ansehen, wie das Leben seiner Mutter von einem Vampir genommen wird. Er schwört Rache und trifft neun Jahre später auf seinen Mentor Henry Sturges (Dominic Cooper), der die Vampire genauestens studiert hat. Er bildet Abraham zum Vampirjäger aus, unter einer Bedingung: Er darf mit niemandem das Geheimnis teilen und muss daher immer ein Einzelgänger bleiben. Als er auf die reizende Mary Todd (Mary Elizabeth Winstead) trifft und Amerika unterzugehen droht, überdenkt Abraham seine Werte und entscheidet sich, sich mit Worten statt Waffen zu Wehr zu setzen. Doch genau jetzt sind die Vampire unter der Führung vom Urvampir Adam (Rufus Sewell) auf dem Vormarsch, um Amerika zu besetzen.

Kritik

Die erste gute Nachricht: Es ist kein purer Zombietrash, wie der Trailer vermuten lässt, sondern es gibt auch eine Handlung. Zweite gute Nachricht: Was man anfangs als größte Schwäche des Films abgetan hat, nämlich das Verbinden einer Ikone wie Abraham Lincoln mit der eines Vampirjägers, gelingt dem Film überraschenderweise gut. Nach zwei guten Nachrichten muss aber auch eine schlechte folgen: nämlich, dass die Umsetzung von "Abraham Lincoln Vampirjäger" noch einiges mehr gebraucht hätte, um ein guter Film zu werden.

Der Regisseur von "Wanted", Timur Bekmambetow, konnte sogar Tim Burton für die Produktion seines Films gewinnen. Kein Wunder, denn die Idee von Abraham Lincoln inmitten von Vampiren während des amerikanischen Bürgerkriegs klingt mehr als absonderlich. Sie ist zwar ausgefallen, aber den Machern gelingt es, den Vampirmythos glaubwürdig in diese Zeit zu bringen. Abgesehen davon, dass die Vampire wirklich gruselig aussehen und für einige Schocker sorgen, sind sie auch gut in die Handlung integriert.

Während die erste Hälfte sich mehr auf das Vampirjagen fokussiert, setzt der zweite Teil die Figur Abraham Lincoln und seinen Werdegang in Szene. Ironischerweise ist ersteres, was man vor Filmbeginn nicht geglaubt hätte, besser gelungen. Der Mythos Vampir erwacht mit seinen alten Klischees zum Leben und während die Vampire in letzter Zeit idealisiert wurden, bleibt man hier bei der alten Vorstellung der Monster. Tödlich, blutrünstig und eiskalt. Das mag vor allem an der herrlichen Darstellung von Dominic Cooper als Abrahams Mentor Henry und an dem Vampir Adam alias Rufus Sewell liegen. Besonders Cooper sorgt für lustige und spannende Momente und bleibt der Star des Films.

Das kann man von Hauptdarsteller Benjamin Walker leider nicht behaupten. Natürlich lastet eine große Bürde auf ihm, Abraham Lincoln darzustellen. Dieser Aufgabe scheint der eher unbekannte Schauspieler jedoch nicht gewachsen zu sein. Ihm nimmt man zu keiner Minute seine Rolle ab und erst, als er mit Bart und Make-up den gealterten Abraham darstellt, kann man so etwas wie Sympathie entwickeln. Aber als junger Vampirjäger ist Walker eine Fehlbesetzung. Mit dem immer gleichen starren Blick und dem emotionslosen Gesichtsausdruck kann Walker keine Angst, Leid oder Furcht ausdrücken, was der eh schon bizarren Handlung letztlich die Glaubwürdigkeit nimmt. So erhalten die Sklavenbefreiung und die zahlreichen Menschenopfer während des Kriegs nicht die gezielte Wirkung, die sie hätten haben sollen.

So kommen die Dialoge und actionlosen Szenen nicht in Schwung. Lincolns Beziehung zu Mary Todd kann man nichts abgewinnen, ebenso wenig wie Lincolns Wahlkampf. Es kommt außer den Actionszenen keine Spannung auf und so zieht sich besonders die zweite Hälfte, während man am Ende aus dem Schlafzustand erwacht und immerhin mit einem cineastischen Actionfinale belohnt wird. Die modernen 3D-Effekte stellen einen guten Kontrast zur damaligen Zeit dar und sind allesamt sehr sehenswert. Ein bisschen Vampirtrash, brennende Züge, enorme Schlachtfelder und eine schwingende Axt sind vielversprechender, als man vermuten mag und doch hätte "Abraham Lincoln Vampirjäger" wesentlich besser inszeniert werden müssen, damit der eigenartige Mix aus Präsidentschaftskandidatur und Vampirinvasion auch wirklich aufgegangen wäre.

Fazit

Die Effekte können sich sehen lassen und die Vampire passen erstaunlicherweise sehr gut ins 19. Jahrhundert. Was allerdings fehlt, ist ein überzeugender Hauptdarsteller und neben den Actionszenen eine spannende Handlung, die mitreißen kann.

Tanya Sarikaya - myFanbase
14.10.2012

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