Bewertung: 6
Andrew Stanton

John Carter - Zwischen zwei Welten

Wie John Carter von der Erde, zu John Carter vom Mars wird.

Foto: Copyright: 2012 Disney
© 2012 Disney

Inhalt

Arizona, 1868: Der Bürgerkriegsveteran John Carter (Taylor Kitsch) stößt auf eine mysteriöse Höhle voller Gold. Bevor er sich richtig über seinen neuen Reichtum freuen kann, landet er durch ein seltsames Amulett auf dem Planeten Mars, den die Einheimischen Barsoom nennen und auf dem ein Krieg zwischen zwei Städten tobt. Aufgrund der geringeren Schwerkraft des Mars im Vergleich zur Erde ist Carter hier besonders stark und besitzt eine gewaltige Sprungkraft. Damit könnte er dem Krieg eine neue Wende geben, doch er will sich nicht in den fremden Kampf hineinziehen lassen. Seine Gefühle für die Prinzessin Dejah Thoris (Lynn Collins) ändern diese Einstellung allerdings bald.

Kritik

John Carter. Dieser Allerweltsname lässt die meisten Menschen im ersten Moment wohl nicht an einen Superhelden denken, sondern eher noch an den von Noah Wyle gespielten Charakter aus der Serie "Emergency Room - Die Notaufnahme". Wer sich allerdings grundsätzlich für Sci-Fi-Literatur interessiert, wird vielleicht wissen, dass der Schriftsteller Edgar Rice Burroughs, der auch der Erfinder des Dschungelhelden Tarzan ist, das erste Mars-Abenteuer des John Carter bereits im Jahr 1912 veröffentlicht hat - und dass es seitdem mehrere gescheiterte Versuche gab, den Stoff zu verfilmen. 1931 sollte der erste abendfüllende Zeichentrickfilm der Welt von John Carter handeln, doch da es bei Testvorführungen nur schlechte Kritiken hagelte, wurde das Projekt eingestellt. 1980 war Tom Cruise als Hauptdarsteller für eine John-Carter-Verfilmung vorgesehen gewesen, die letztlich nicht realisiert wurde, weil der Stand der Technik es nicht zuließ. 2005 scheiterte der dritte Versuch einer Verfilmung an Unstimmigkeiten zwischen dem Filmstudio und dem Regisseur.

2012, genau 100 Jahre, nachdem John Carter auf dem Papier das Licht der Welt erblickt hatte, gelang es Walt Disney Pictures dann endlich, eine Verfilmung auf die Leinwand zu bringen. Das Spektakel verschlang 250 Millionen US-Dollar und wurde ein riesiger Flop. Rich Ross, der Chef der Disney-Filmstudios, trat infolgedessen sogar zurück. Autsch! 100 Jahre Anlauf und dann so ein Ergebnis. Was ist schief gelaufen? Wenn ich das im Detail wüsste, wäre ich jetzt bei Disney die Obermaus, aber grundsätzlich bleibt festzuhalten, dass "John Carter - Zwischen zwei Welten" nichts Neues zu bieten hat und zu flach daherkommt.

Wenngleich die Abenteuer des John Carter zuvor nie auf die Leinwand gebannt werden konnten, gab es doch bereits eine Menge Filme, die Edgar Rice Burroughs' Idee aufgegriffen haben, zum Beispiel der Mega-Kassenschlager "Avatar - Aufbruch nach Pandora". Dem Grundkonzept, dass ein Erdenbewohner auf einem fremden Planeten landet und dort aus Liebe zum Helden avanciert, merkt man das gesegnete Alter von 100 Jahren eindeutig an. Es ist den Machern von "John Carter - Zwischen zwei Welten" nicht gelungen, neue Facetten in das angestaubte Material hineinzubringen.

Weitestgehend ohne Tiefe und Überraschungen wird gezeigt, wie John Carter für die Prinzessin Dejah Thoris seinen sämtlichen seelischen Ballast abwirft und alles riskiert, um sie und ihr Volk zu retten. Nach Tagen des Fliehens und des Kämpfens fühlt er sich auf diesem rauen, wüstenartigen und zerrütteten Planeten schon heimischer als auf der Erde. Die Hintergründe des Bürgerkrieges zwischen den beiden Städten Helium und Zodanga, deren Bewohner aussehen wie Menschen, bleiben dabei völlig im Dunkeln. Eine Seite, nämlich die, auf die sich Carter schlägt, sind einfach die Guten und die anderen die Bösen. Da fehlt es doch sehr an Substanz.

Außerhalb des Krieges steht das Volk der grünen, vierarmigen Tharks, die offenbar einem ganz anderen Genpool entsprungen sind. Schon beachtlich, dass sich auf einem Planeten, der halb so groß wie die Erde ist und kaum Rohstoffe besitzt, gleich zwei intelligente Rassen entwickelt haben. Dann sind da noch die ominösen Therns, die über sehr fortschrittliche Technologie verfügen und die Ereignisse auf dem Mars und auf der Erde manipulieren, offenbar einfach nur deshalb, weil sie es können. Die Distanz der Zuschauer zur Handlung bleibt von Anfang bis Ende sehr groß, weil es eben keine tieferen Einblicke gibt. Auch Logikfehler sind einige zu entdecken.

Das alles hätte "John Carter - Zwischen zwei Welten" aber nicht zwangsläufig zu diesem kommerziellen Misserfolg, der sogar zu beruflichen Rücktritten geführt hat, machen müssen. Massentauglich ist der Film ja durchaus. Die Effekte sind gut, an den Schauspielern gibt es nichts auszusetzen und der eine oder andere nette Gag ist wohl dabei. Auf der Popcornkino-Skala rangiert "John Carter - Zwischen zwei Welten" nicht tiefer als so manch anderes Multimillionen-Dollar-Filmspektakel der letzten Jahre. Vielleicht waren einfach die Werbestrategien falsch, der Schatten von "Avatar" zu groß oder der Filmtitel zu nichts sagend.

Fazit

"John Carter - Zwischen zwei Welten" hatte aufgrund der flachen Story sicherlich nie das Zeug zu einem großen Kinohit, ist aber immer noch ordentliches Popcornkino, das nicht langweilt.

Maret Hosemann - myFanbase
27.08.2012

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