Bewertung: 6
David Frankel

Ein Jahr vogelfrei!

"The birds wait for no man."

Foto: Copyright: 20th Century Fox
© 20th Century Fox

Inhalt

Der ehrgeizige Kenny (Owen Wilson) will seinen bisher ungebrochenen Rekord im Birding, das Beobachten von Vögeln, aufrechterhalten oder besser: selbst brechen. Ganz zum Verdruss zu seiner Frau Jessica (Rosamund Pike) zieht er quer durch die USA, um die meisten Vogelarten zu entdecken. Auch Stu (Steve Martin), der seiner Arbeit in einem erfolgreichen Unternehmen müde ist, möchte sein Hobby ausleben und nimmt an dem Big Year teil. Bald schon findet er im perspektivlosen Brad (Jack Black) einen Verbündeten, der seine Liebe zu den Vögeln teilt. Gemeinsam wollen sie Kenny vom Thron werfen, was sich schwieriger erweist als gedacht. Der Vogelexperte scheint ihnen immer einen Schritt voraus zu sein und während sich die drei Männer auf eine Reise quer durch Amerika begeben, lernen sie nicht nur etwas über die Vogelarten dazu.

Kritik

Es ist kein Witz, dieses sogenannte Birding gibt es wirklich. Jedes Jahr in Amerika nehmen leidenschaftliche Vogelexperten an einem Big Year teil, um verschiedene und so viele Vogelarten wie möglich in der freien Natur zu beobachten. Das für manche etwas ungewöhnlich klingende Hobby ist der Anlass des Films, drei Birder hautnah auf ihrer Reise zu begleiten.

Deshalb stehen auch die drei Hauptcharaktere verstärkt im Vordergrund. Regisseur David Frankel, der mit "Der Teufel trägt Prada" herrlich verstand, Komik zu erzeugen und mit "Marley & Ich" zeigte, wie eng Freud und Leid beieinander liegen, hat sich mit Owen Wilson, Jack Black und Steve Martin drei tolle Darsteller ausgesucht, die mit einer Leichtigkeit ihre Charaktere real werden lassen. Dabei sind die Männer so unterschiedlich, wie sie nur sein könnten: Stu ist erfolgreicher Geschäftsmann, der alles im Leben erreicht hat, eine glückliche Familie inbegriffen. Ganz im Gegensatz zum geschiedenen Brad, dessen einziger Lebensinhalt die Vögel sind. Und Kenny führt als Rekordmeister im Birding ein scheinbar unbeschwertes Leben, doch Familie und Vögel unter einen Hut zu bekommen, ist für ihn alles andere als leicht. Schnell kann man sich mit den Charakteren anfreunden und sie ins Herz schließen.

Das liegt natürlich zum großen Teil an den Schauspielern, denn Wilson, Black und Martin verstehen es, lockere Durchschnittstypen aus dem Alltag zu präsentieren. Dass sich irgendwann zwischen Schneesturm und Grand Canyon die Wege kreuzen, ist selbstverständlich. Sie agieren herrlich miteinander und der Versuch, den anderen auszustechen, ist nett zu beobachten. Besonders die langsam beginnende Freundschaft zwischen Stu und Brad oder die langsame Annäherung zwischen Brad und seinem Vater sind nett, ehrlich und einfach realistisch gemacht. Nett war auch der Auftritt von Ex-Bond-Girl Rosamund Pike.

"Ein Jahr vogelfrei!" verzichtet auf eine überdrehte Handlung, sondern bietet eine nette Geschichte mit drei liebenswürdigen Charakteren. Dass es hier nicht spannend oder wendungsreich zugeht und der Film nicht die Entdeckung des Jahres ist, dürfte klar sein. Was unerwartet kommt, ist der vergleichsweise kleine Anteil an witzigen Szenen. Bei dem Cast dürfte man eigentlich viele schräge Gags erwarten, doch dem ist nicht so. Natürlich gibt es viele Szenen zum Schmunzeln und eine Prise Humor ist immer mit dabei, aber Regisseur Frankel hat aus dem Hobby der drei Männer keine überdrehte Komödie verfilmt. "Ein Jahr vogelfrei!" ist viel ernster, als angenommen und entführt auf eine interessante Art in die Welt des Birdings. Am Ende wissen die Protagonisten, auf was es wirklich ankommt und zum Schluss wird es sogar noch spannend, da nicht immer klar ist, wer die Nase vorne hat. Ansonsten plätschert die Handlung vor sich hin, aber Langeweile kommt durch die tollen Tier ľund Naturaufnahmen quer durch die USA und den amüsanten Charakteren nicht auf.

Fazit

Wer eine trottelige Komödie erwartet, ist bei "Ein Jahr vogelfrei!" fehl am Platz. Trotz lustiger Szenen ist der Film ernster als gedacht und zeigt drei Männer in verschiedenen Lebenslagen, die nach ihrem Sinn des Lebens suchen und ihm neben Vögel, Familie und Abenteuer einen Schritt näher kommen.

Tanya Sarikaya - myFanbase
02.06.2012

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