Bewertung: 6
Mat Whitecross

Sex & Drugs & Rock & Roll

"I'm spasticus, I'm spasticus"

Foto: Copyright: Universum Film GmbH
© Universum Film GmbH

Inhalt

Er ist einer der ganz großen Rockstars der späten 70er Jahre: Ian Dury (Andy Serkis), exzentrischer Sänger der Blockheads, welcher jedes Konzert zu einem surrealen Trip werden ließ. Doch der Weg zum Erfolg war ein langer und beschwerlicher, vor allem auch wegen der Behinderung Durys, die ihn aber nie davon abhielt, seine Träume zu verwirklichen. Neben den Schwierigkeiten und der Unerbittlichkeit des Showbusiness hatte Dury immer auch mit privaten, familiären Schwierigkeiten zu kämpfen. Da wäre seine Frau Betty (Olivia Williams), von der er getrennt lebt und mit der er zwei Kinder hat. Besonders sein Sohn Baxter (Bill Milner) hat schwer mit der ständigen Abwesenheit seines Vaters zu kämpfen. Als seine erste Band auseinanderbricht, trifft Dury schließlich auf die wunderschöne Denise (Naomie Harris) und den genialen Musikern Chaz (Tom Hughes), mit deren Hilfe Dury schließlich der ganz große Durchbruch gelingt. Doch der Erfolg hat auch seine Konsequenzen…

Kritik

Wohl jeder kennt die Floskel "Sex & Drugs & Rock & Roll". Doch die wenigsten wissen wohl, wer diesen legendären Schlachtruf erfunden hat und damit Musikkarriere schrieb. Es war Ian Dury, Sänger der Blockheads, eine schrille Rock-Band, die Ende der 70er-Jahre große Erfolge feierte. Dieser Film erzählt die Geschichte dieser schillernden Figur der Musikgeschichte und setzt sich sowohl mit dem musikalischen Aufstieg, als auch mit den privaten Problemen Durys auseinander. Entstanden ist ein Film, der durch seine vielen visuellen Spielereien und einem exzellent aufspielenden Hauptdarsteller ein interessantes, stellenweise auch berührendes Portrait eines Menschen darstellt, der allen Widrigkeiten zum Trotz für seine Träume gekämpft und den Glauben an das Unmögliche nie verloren hat.

Die Frage, wie man einer so charismatischen und wahnwitzigen Künstlerfigur wie Ian Dury ein filmisches Denkmal setzt, ist erstmal nicht so leicht zu beantworten. Regisseur Mat Whitecross entschied sich für die Variante, die Exzentrizität Durys in ebenso extravagante filmische Bilder zu verpacken und so entstand ein Film, der in seiner visuellen Gestaltung oft wie ein irrer Musikclip wirkt. Schon gleich zu Anfang folgt eine im Comicstil gehaltene Einführung, die den Ton, den der Film später anschlägt, schon ganz gut transportiert. Erzählt wird die Lebensgeschichte Durys nicht chronologisch, sondern mit Hilfe verschiedener Rückblicke in seine Kindheit und Jugend, die immer recht plötzlich in den Film eingeflochten werden.

Dabei pendelt der Film ständig zwischen irrwitziger Heiterkeit und tiefer Traurigkeit. Besonders die Einblicke in Durys durch seine körperliche Behinderung geprägte Kindheit und Jugend sind oftmals wirklich tieftraurig und berührend. Besonders das ambivalente Verhältnis zu seinem Vater ist zentral für den Werdegang Durys und wird auch im Film äußerst sensibel umgesetzt. Neben der Nachzeichnung einer besonderen musikalischen Karriere spielt im Film der familiäre Kontext Durys somit auch eine ganz zentrale Rolle. Das Verhältnis zu seinem Sohn Baxter, seiner Ehefrau Betty, von der er getrennt lebt, und seiner Muse und Freundin Denise stehen im Zentrum der filmischen Erzählung und die kleinen, stillen, menschlichen Momente, abseits des ganzen Rock-Theaters, zählen dann auch schließlich zu den stärksten Momenten.

Die Nachzeichnung des musikalischen Werdegangs ist dabei nicht ganz so gut gelungen, was auch an der Sprunghaftigkeit des filmischen Erzählens liegt, bei dem versucht wird, eine lange Zeitspanne komprimiert in einen Film zu pressen. Das wirkt dann manchmal ein wenig gehetzt und führt dazu, dass der schlussendliche Durchbruch Durys und der Blockheads schließlich ein wenig plötzlich kommt. Da wäre ein bisschen mehr Ausführlichkeit in der musikalischen Entwicklung sicher noch besser gewesen. Auch sonst sind die dramaturgischen Schnittstellen recht typisch für einen Film dieses Genres. Es gibt viele Exzesse, Streitereien und Zerwürfnisse. Eine typische Karriere eines Rockstars also.

Der vielleicht größte Triumph des Films liegt in der Wahl des Hauptdarstellers begründet, der vom den virtuosen Filmkünstler Andy Serkis mit einer umwerfenden Ausdrucksstärke verkörpert wird, die einen staunen lässt. Serkis, der vor allem als Motion-Capture-Künstler bekannt ist und unter anderem mit der Rolle des Gollum in der "Herr der Ringe"-Trilogie Filmgeschichte schrieb, dominiert wirklich jede Szene und lässt alle anderen Darsteller neben ihm verblassen. Das ist schon eine beachtliche Leistung, ist der Film doch mit Olivia Williams, Ray Winstone und dem zukünftigen Bond-Girl Naomie Harris hochkarätig besetzt.

Fazit

"Sex & Drugs & Rock & Roll" ist ein vielschichtiges Musiker-Biopic, welches vor allem in den stillen, privaten Momenten seine Stärken hat und getragen wird von einem ganz famos aufspielenden Hauptdarsteller.

Moritz Stock - myFanbase
26.04.2012

Diskussion zu diesem Film