Bewertung: 6
Roland Emmerich

Anonymus

Wer ist der wahre William Shakespeare?

Foto: Copyright: 2011 Sony Pictures Releasing GmbH
© 2011 Sony Pictures Releasing GmbH

Inhalt

Der Film spielt zur Zeit der Regentschaft von Königin Elisabeth I. von England (Vanessa Redgrave und Joely Richardson) gegen Ende des 16. Jahrhunderts, als plötzlich ein junger, talentierter Autor namens William Shakespeare (Rafe Spall) auf den Theaterbühnen erscheint und die Massen mit seinen Stücken zu begeistern weiß. Doch dieser ist gar nicht der richtige Autor der Texte, sondern ein Earl namens Edward de Vere (Rhys Ifans), der Shakespeare Geld dafür bezahlt, seine Stücke auf der Bühne zu zeigen, ohne dass man den Earl als Autor erkennt. Shakespeare gibt seinen Namen für die Texte her und erhält immer mehr und mehr Anerkennung. Doch bald überschlagen sich die Ereignisse und das Geheimnis droht ans Licht zu kommen…

Kritik

Wer ein bisschen die Ohren gespitzt hat, wenn es in der Literatur-Szene um William Shakespeare ging, ist sicher nicht an der Verschwörungstheorie vorbei gekommen, dass seine Sonette und Stücke gar nicht von ihm geschrieben sind. Da man für solche Texte ein gewisses Maß an Bildung brauchte, das Shakespeare angeblich nicht haben konnte, liegt der Gedanke also nahe. Darum dreht es sich auch in dem Film, der eine von vielen Theorien näher beleuchtet. Das klingt soweit wirklich spannend, doch bei der Umsetzung hapert es an der einen oder anderen Stelle. Das "Problem" dabei ist nämlich, dass man gezwungenermaßen alles erzählen muss, wenn man die Geschichte nacherzählt. So muss ich jetzt schon zugeben, dass mir persönlich die 125 Minuten Film viel zu lang waren und es mich auch nicht gestört hätte, wenn man sich den einen oder anderen Aspekt geschenkt hätte.

Verwunderlich ist dann auch, dass die ersten paar Minuten Film viel zu schnell vonstatten gehen. Hier werden nämlich verschiedene Zeitebenen gezeigt, die letztendlich das Leben von Edward de Vere näher beleuchten sollen. Leider legt man hier nicht so viel Wert auf die Details und deswegen ist man in der dritten Zeit gar nicht mehr sicher, was man da gerade zu sehen bekommt. Die Entwicklung wird viel zu schnell abgefrühstückt – und später zieht sich die Handlung zu sehr in die Länge; da hätte man wirklich besser mit seiner Zeit arbeiten können.

Ansonsten ist die Grundidee der Handlung natürlich wahnsinnig spannend, zumal Verschwörungstheorien ja immer so etwas für sich haben. Alles diesen Teil der Geschichte betreffend habe ich wirklich gern gesehen und das hätte man meinetwegen auch ein bisschen mehr ausbauen können. Nicht so punkten konnten die Intrigen am königlichen Hof. An und für sich habe ich gegen solche Geschichten nichts einzuwenden, zum Beispiel konnte auch die Serie "Die Tudors" bei mir überzeugen. Doch in diesem Zusammenhang war das einfach zu viel des Guten und passte, meiner Meinung nach, auch oft nicht so recht zu der eigentlichen Geschichte: der Entstehung der Werke William Shakespeares. Natürlich ist vieles davon dafür notwendig, dass man Edward de Veres Aktionen nachvollziehen kann, doch je weiter der Film fortschreitet, desto unwichtiger werden diese Intrigen. Gegen Ende schienen diese für mich immer mehr an den Haaren herbei gezogen und es schien, als hätte man hier einfach den Fokus verloren.

Gegen die Leistung der Schauspieler kann man aber nichts sagen, denn die waren durchweg wirklich sehr gut. Die tolle Darstellung von Rafe Spall als Shakespeare geht leider etwas in der Synchronisation verloren und so wirkt er in der deutschen Fassung viel zwielichtiger, als er eigentlich ist. Eine ganze Zeit lang habe ich mich auch gefragt, was der Charakter des Schriftstellers Ben Jonson (Sebastian Armesto) in dem Film zu suchen hat, da er die ganze Handlung lang eigentlich nur Mitwisser des Deals zwischen dem Earl und Shakespeare ist. Erst gegen Ende wird aufgedeckt, wieso er die ganze Zeit so präsent war und die Auflösung fand ich dann auch ziemlich gut durchdacht – nur im Verlauf war ich regelmäßig verwirrt. Da war mir der Film einfach in sich zu unschlüssig.

Wenn man sich den Film für das Filmregal zu Hause zulegt, sollte nach dem Schauen unbedingt einen Blick in das Bonusmaterial "Wer war der wahre William Shakespeare?" werfen. Das ist nochmal sehr aufschlussreich und bringt hier und da mehr Licht in die verworrene Verschwörungsgeschichte.

Fazit

Alles in allem ist die Idee und eigentlich auch die Umsetzung sehr spannend produziert. Störend waren dann wirklich die vielen Intrigen am Hof der Königin; die hätte man sich an manchen Stellen wirklich sparen können und hätte somit auch nicht die Geduld der Zuschauer strapaziert. Wer generell Historienverfilmungen mag, wird "Anonymus" sicher mögen. Hat man aber auf eine knackige Verschwörungsgeschichte gehofft, sollte man besser seine Erwartungen an den Film zurückschrauben.

Technische Details

FSK: 12 Jahre
Bildseitenformat: 16:9 - 2.35:1
Sprache: Deutsch Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1), Französisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Arabisch, Dänisch, Niederländisch, Finnisch, Französisch, Norwegisch, Schwedisch, Türkisch
Veröffentlichungsdatum: 16. Mai 2012

Luisa Schmidt - myFanbase
08.04.2012

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