Bewertung: 8
Paul Haggis

72 Stunden - The Next Three Days

What if you had 72 hours to save everything you live for?

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Inhalt

Lara (Elizabeth Banks) und John (Russell Crowe) Brennan genießen ihr Familienidyll mit ihrem kleinen Sohn Luke, als sie plötzlich aus ihrem gewohnten Alltag gerissen werden. Lara wird wegen Mordes an ihrer Chefin verhaftet und zu einer 20-jährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Alle Versuche, in Berufung zu gehen, schlagen fehl. Als es John immer schwerer fällt, seinen Alltag zu meistern, für seinen kleinen Sohn da zu sein und seine Frau nur knapp einen Selbstmordversuch überlebt, wird ihm klar: Er muss Lara aus dem Gefängnis holen.

Unter dem Vorwand, für sein Seminar an der Universität zu recherchieren, trifft sich John mit dem Buchautor Damon Pennington, der selbst schon sieben Mal aus dem Gefängnis ausgebrochen ist. Dieser durchschaut schnell das eigentliche Vorhaben des verzweifelten Ehemanns und Vaters und gibt ihm hilfreiche Tipps. Er warnt ihn jedoch auch vor den Gefahren und Folgen, die die Befreiung von Lara mit sich bringen könnten; er muss das Land verlassen, seine Familie wird er vielleicht nie wieder sehen, im schlimmsten Falle muss er auch bereit sein, seinen Sohn zurück zu lassen oder über Leichen zu gehen. John weiß also, welche Risiken er mit der Umsetzung seines Plans eingehen wird, doch wie nervenaufreibend die Zusammenführung seiner Familie werden sollte, muss er schon bald am eigenen Leib erfahren...

Kritik

"72 Stunden" ist ein klassischer Thriller, der romantische und dramatische Elemente enthält. Besonders ungewöhnlich und mitreißend ist das hohe Maß an Emotionalität. Die dramatische Situation der Familie ist nahezu greifbar. Die Verzweiflung, der Schmerz und die Angst, die die Beteiligten empfinden müssen, wird einerseits durch die überzeugende Leistung der beiden Hauptdarsteller transportiert. Andererseits fällt auf, dass kaum Worte nötig sind, um die Empfindungen auszudrücken und beim Zuschauer auszulösen. Die Emotionen der Protagonisten werden größtenteils durch Mimik und Gestik auf den Bildschirm projiziert, was die Intensität der Empfindungen noch verstärkt. Auch die spannungserzeugenden Momente sind zwar stereotyp, aufgrund der sehr gelungenen filmischen Darstellungen (Motive, Perspektiven und Kameraführung) ziehen sie die Zuschauer dennoch in ihren Bann.

Unterstützt wird die mitreißende Story von einer positiv überraschenden Musikauswahl, die in emotionalen Momenten die dargestellten Gefühle verstärkt und auch in spannenden Szenen eine die Stimmung unterstützende Funktion einnimmt ohne zu stören wie man es aus anderen Filmen kennt. Leider hat der Film auch Schwachstellen, so zum Beispiel logische Lücken bei der polizeilichen Ermittlungsarbeit. Einige Informationen, die für die Nachvollziehbarkeit von Johns Handlungen durchaus nützlich gewesen wären, fehlen. Trotz dieser Schwachstellen ist die Story durchaus verständlich und die spannungsreichen Momente werden nicht zerstört.

Als besonders gelungen ist das Ende anzusehen, das ohne an dieser Stelle zu viel zu verraten sehr überraschend ist. Ähnlich wie der ganze Film sorgt es für Spannung, aber auch für emotionale Anspannung. Eine sehr auffällige, dennoch mitreißende Taktik des Films ist, dass man im Verlauf des Films nicht erfährt, ob Lara nun tatsächlich schuldig ist oder nicht. Man nimmt in gewisser Weise die Position eines Freundes der Familie ein und muss rein subjektiv bewerten, ob man ihr die Tat zutraut beziehungsweise ob man Johns Beteuerungen Glauben schenkt. Dieser Zwiespalt, in dem sich der Zuschauer befindet, wird auch im Film durch die Eltern von John dargestellt. Die Beziehungen, insbesondere die zwischen John und seinem Vater, sind angespannt, dennoch geht es um Vertrauen, Glauben und letztlich auch um Vergebung. Auch die Entwicklung dieses Verhältnisses spendet dem Film viel Gefühl und Inhalt. So kann man bei "72 Stunden" mehr erwarten als einen puren Actionstreifen. Auch inhaltlich ist er gut durchdacht und neben den gelungenen Actionszenen dürften auch die Emotionen den Zuschauer mitreißen.

Fazit

Insgesamt ist "72 Stunden" ein durchaus unterhaltsamer Thriller. Aufgrund der Genre-Mischung (Drama/Thriller/Romanze) bleibt das Ende des Films bis zum Schluss unvorhersehbar. So wird zusätzlich Spannung erzeugt. Trotz der sehr klischeehaften Thriller-Elemente und den wenigen Schwachstellen zieht der Film seine Zuschauer in den Bann, fesselt sie an den Fernsehsessel und ist dank seiner Vielfältigkeit durchaus auch für Fans anderer Genres zu empfehlen.

Janina Funk - myFanbase
16.10.2011

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