Bewertung: 5
John Carpenter

John Carpenter's The Ward

"If I were you I'd watch out, new girl."

Foto: Copyright: 2011 Concorde Filmverleih GmbH
© 2011 Concorde Filmverleih GmbH

Inhalt

Ohne Erinnerungen wird die verstörte Kristen (Amber Heard) in eine psychiatrische Anstalt zwangseingewiesen. Man hat sie vor einem brennenden Haus gefunden, welches sie selbst angezündet hat, sich aber nicht mehr daran erinnern kann. Kristen ist der festen Überzeugung, dass sie gesund ist und so schnell wie möglich fliehen muss. Sie rebelliert gegen die Vorschriften und dem Ärzteteam von Dr. Stringer (Jared Harris). Ihr Kampfgeist schlägt jäh in Angst um, als sie von einer mysteriösen Gestalt attackiert wird und die Ärzte ihr keinen Glauben schenken. Als Mitinsassen Kristens verschwinden, wird ihr bewusst, dass ein Geist sein Unwesen treibt und die Ärzte etwas Schreckliches verbergen.

Kritik

John Carpenter is back! Unter anderem bekannt für den Horrorschocker "Halloween" widmet sich Carpenter wieder dem, was er am Besten kann. Mit "The Ward" meldet sich der Regisseur nach zehn Jahren zurück im Horrorgenre und möchte beweisen, dass er nicht zum alten Eisen gehört und dem "Master of Suspense" Wes Craven durchaus die Stirn bieten kann. Tatsächlich fängt Carpenters Film auf den ersten Blick richtig gut und vor allem mysteriös an.

Die psychiatrische Anstalt bietet freilich eine perfekte Kulisse und ein gruseliges Ambiente, so dass es dem Zuschauer nicht schwer fällt, sich in Kristens Situation hineinzuversetzen. Richtig originell und einfallsreich ist die Kulisse zwar nicht, aber dieses Faktum muss man eben ausblenden. Trotzdem wird man das Gefühl nicht los, dass alles schon mal dagewesen ist. Statt diesen Minuspunkt durch die Handlung auszugleichen, bestärken die Drehbuchautoren die Vermutung, dass es sich bei "The Ward" auf den zweiten Blick wieder nur um einen billigen Horrorfilm handelt, der sich allerhand Klischees bedient und die guten alten Konventionen mit allen Mitteln aufrecht erhält. Sei es ein gruseliger Geist, der natürlich sein Unwesen treibt und der nur die Insassen heimsucht, oder hin und wieder verstörende und blutige Säbelaktionen à la "Saw", dieser Film spielt die ganze Palette durch, ohne Eigeninitiative zu ergreifen oder wenigstens etwas Neues hinzuzufügen. Einfallsreichtum sieht wirklich anders aus.

Trotzdem, und das muss man "The Ward" zu Gute halten, geht die Abschautaktik in vielen Szenen auf. Man kann sich problemlos gruseln, die Atmosphäre ist so, wie man es in einem Horrorstreifen haben möchte und die Schocker sind gut platziert und oftmals unerwartet. Richtige Horrorkenner sind zwar abgehärtet und fallen nicht immer auf diese Szenen rein, aber für die meisten Horrorfans ist Gänsehaut vorprogrammiert. Das verdankt man zum einen der guten Inszenierung und dem verunstalteten, aus allen Ecken springenden Geist und zum anderen einer überzeugenden Amber Heard. Ihre Rolle verlangt ihr zwar nicht viel ab, aber man kann der Hauptdarstellerin ihre Angst spürbar abnehmen. Deshalb geht ihre Leistung für diesen Film vollkommen in Ordnung, wenngleich man die Rolle der Kristen auch vielen anderen Schauspielerinnen zugetraut hätte. Über die anderen Figuren bleibt nicht viel zu sagen, denn sie sind genau so, wie man es von klischeehaft Verrückten gewohnt ist. Dies tut "The Ward" aber gut und sie tragen zur düsteren Stimmung und sogar zu einigen humorvollen Szenen bei.

Was die Spannung angeht, so fiebert man zwar nicht zwanghaft der Auflösung entgegen, aber langweilig ist "The Ward" auch nicht. Mit einem richtig guten Ende hätte dieser Film sogar gut abschneiden können, aber der Schluss überrascht mit etwas im negativen Sinne Unerwartetem. Das Mysterium um Kristen wird zwar geklärt und scheint zunächst richtig einfallsreich, wenn da nicht die aufkommenden Logiklöcher wären, bei denen man wohl gehofft hatte, das Publikum würde es so leicht hinnehmen und nichts hinterfragen. Letztlich lässt das aufgezwungene Ende, bei dem man vermeintlich brillant daherkommen wollte, den Zuschauer verwirrt zurück. Wenigstens hat John Carpenter aus einem von Cravens Fehlern gelernt. Statt wie bei "My Soul To Take" auf die 3D-Brille zu setzen, kommt "The Ward" getrost auch ohne eine 3D-Verfilmung aus und erzielt gute Effekte. In vielen anderen Belangen muss sich Regisseur John Carpenter erst wieder bewähren.

Fazit

Richtig geglückt ist John Carpenters Regiecomeback nicht gerade, aber für einen anspruchslosen Horrorfilm, bei dem man sich einfach gruseln möchte, kann man "The Ward" in Betracht ziehen.

Tanya Sarikaya - myFanbase
05.10.2011

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