Bewertung: 9
Frank Darabont

Verurteilten, Die

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Inhalt

Andy Dufresne (Tim Robbins) wird wegen Mordes an seiner Frau und deren Geliebten zu zweimal lebenslänglicher Haft verurteilt. Diese Strafe soll er im Shawshank-Gefängnis, wo Korruption und Gewalt an der Tagesordnung sind, absitzen. Die Gefangenen fristen ein sehr menschenunwürdiges Dasein, werden von den Wärtern schikaniert und auch mit einigen Mitinsassen bekommt Andy Probleme. Er selbst lebt sich jedoch ganz gut ein und findet sogar ein paar Freunde, unter anderem den seit 20 Jahren inhaftierten Red (Morgan Freeman). Mit den Jahren macht sich Andy einen Namen, indem er den Wärtern bei ihren Steuererklärungen hilft. Er kämpft um Mittel für die Gefängnis-Bibliothek und ermöglicht einigen Gefangenen sogar, den High-School-Abschluss nachzuholen. Auch der Gefängnisdirektor erkennt das Potential und nutzt Andys Wissen, um Schmiergelder zu waschen. Andy möchte die Korruption nicht länger unterstützen, steckt jedoch schon zu tief drin, um noch auszusteigen. Für ihn gibt es nach 19 Jahren Haft nur eine Lösung, dieselbe wie zu Beginn seiner Strafe: Er muss dort raus...

Kritik

Schuldig oder nicht schuldig, das ist überhaupt nicht die Frage ("Ich bin unschuldig, Red. Genauso wie jeder andere hier."). Ein sehr spannender Fakt des Films ist, dass man sich als Zuschauer tatsächlich diese Frage nicht ein einziges Mal stellt. Zwar beteuert Andy immer wieder seine Unschuld und eine Erzählung eines anderen Häftlings spricht dafür, dass der wahre Täter in einem anderen Gefängnis sitzt, doch die Frage der Schuld wird nie direkt geklärt. Es ist jedoch offensichtlich, dass Andy es nicht getan haben kann. Wie schon seine Mithäftlinge erkennen, kann er eigentlich keiner Fliege was zu Leide tun. Tim Robbins verkörpert perfekt den ruhigen, rationalen, bedachten Mann, der alles dafür gibt, sich auch nach etlichen Jahren im Gefängnis noch als Mensch zu fühlen.

Der Film zeigt eindrucksvoll, wie sehr solch lange Haftstrafen einen Menschen verändern können. Viele, die ihr halbes Leben und länger in dem Gefängnis verbracht haben, kommen draußen nicht mehr alleine klar. Dies war, ebenso wie die Gewalt und die unwürdige Behandlung der Häftlinge, ein Problem der damaligen Zeit, das absolut einprägsam dargestellt wird. Ebenso beeindruckend ist die Entwicklung der Charaktere. Sie vollzieht sich langsam und übergangslos, fast schleichend, vergleicht man jedoch die Figuren zu Anfang des Films mit denen, die sie am Ende geworden sind (dazwischen liegen 19 Jahre), so sind viele von ihnen andere Menschen als sie waren. Insbesondere zeigt sich diese Entwicklung an der tiefen und besonderen Freundschaft, die zwischen Andy und Red entsteht.

Die Bilder des Films sind obwohl oder vielleicht auch gerade weil sie fast ausnahmslos zwischen Steinen, Gefängnismauern und grauen Gittern wechseln, sehr ausdrucksstark und überwältigend. Sie transportieren die Stimmung, die im Gefängnis herrschen muss; die Beklemmung, wenn sich die Zellentür hinter den Insassen schließt ist nahezu greifbar. Umso befreiender wirken die wenigen Bilder, die die Welt außerhalb des Gefängnisses zeigen. Der Film schafft es, dem Zuschauer die Wichtigkeit von Freiheit zu zeigen.

Neben der herausragenden schauspielerischen Leistung der Darsteller ist vor allem die Entwicklung der Story fesselnd. Ständig fragt man sich, wann Andys Fall endlich aufgeklärt wird und ihm Gerechtigkeit widerfährt. Doch eben diese Frage verliert im Laufe des Films an Relevanz.

Die Erzählstränge und die sich immer wieder wendende Storyline lenken gänzlich von der Frage der Schuld ab. Besonders deutlich gemacht wird dies an dem immer wiederkehrenden Satz: "Ich bin unschuldig. Genauso wie jeder andere hier." Vor allem das Ende, das ich hier nicht vorweg nehmen möchte, ist überraschend und sehr durchdacht.

Fazit

Nicht ohne Grund war dieser Film für sieben Oscars nominiert. Für ein Drama beinhaltet er ungewöhnlich viele Wendungen. Er reißt den Zuschauer mit und fesselt ihn, obwohl er weder Actionszenen noch rasante Bilder bietet. Die Entwicklung der Story und der Charaktere sowie die Emotionen, die der Film transportiert, ziehen den Zuschauer in seinen Bann. Jeder, der intelligent gestaltete, tiefgründige, gedankenreiche Filme mag und sich gerne von seinen Emotionen mitreißen lässt, sollte sich dieses dramatische Meisterwerk ansehen.

Janina Funk - myFanbase
12.09.2011

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