Bewertung: 8
Henry Bean

Noise

Und du willst, dass ich mich einfach anpasse?

Foto: Copyright: SchröderMedia Handels GmbH
© SchröderMedia Handels GmbH

Inhalt

David Owen (Tim Robbins) ist ein guter Familienvater und Ehemann, der in New York ein glückliches Leben führen könnte, wenn es da nicht ein Problem gäbe. Die faszinierende Stadt ist ihm viel zu laut. Besonders die unnötigen Geräusche von fälschlich ausgelösten Alarmanlagen und Rückfahrsignale von Lastwagen setzen ihm immer wieder zu und beeinträchtigen sein Leben immer mehr. Ein Umzug kommt schon aus Prinzip nicht in Betracht, weil er sich nicht einfach fremdbestimmen lassen will. Mühsam versucht David die Geräusche zu überhören, doch sie machen ihn wahnsinnig. Schließlich kann er nicht mehr anders als aktiv zu werden. Er schlägt die Scheiben des lärmenden Autos ein, öffnet die Motorhaube und durchtrennt das Kabel, um die Alarmanlage zum Erliegen zu bringen. Die bringt ihn zunächst mit der Justiz in Konflikt und der aufrichtige David versucht sein Recht politisch durchzusetzen. Als er damit abern ur auf taube Ohren stößt, kann er sich wieder nicht anders helfen, als selbst Hand anzulegen und als "Der Rectifier" (Berichtiger) durch die Straßen zu ziehen. Dies bringt seine Ehe allerdings auch immer weiter in Gefahr.

Kritik

Laute Nachbarn, spielende Kinder, lärmende Bahnen, Flugzeuge in der Nähe des Flughafens usw. es gibt zahlreiche Gründe für übermäßige Lautstärke und viele gehören einfach zum modernen Leben dazu. Autoalarmanlagen hingegen hat David Owen als eindeutig überflüssig ausgemacht, weil sie sehr oft fälschlicherweise angehen. Da das Gesetz zudem vorschreibt, dass sie nach drei Minuten von selbst wieder ausgehen, kümmern sich die Besitzer auch gar nicht mehr darum. Die Folge ist ständiger dreiminütiger Lärm, der David den letzten Nerv raubt und sein Leben beeinträchtigt, weil er nichts machen kann, bis das Geräusch weg ist. Jeder kennt es bestimmt, wenn ein Geräusch einen zur Weißglut treibt, sei es die Mücke im Schlafzimmer, die ums Ohr säuselt, ein tropfender Wasserhahn oder einfach nur die Feier der Nachbar, die einem den Schlaf raubt. Auch wenn man in Deutschland das Problem der Alarmanlage so nicht hat (oder bin ich selbst schon so abgestumpft, dass ich es nicht mehr wahrnehme), kann man sich also trotzdem gut in David hineinversetzen. Und Tim Robbins schafft es natürlich mal wieder vorbildlich, die Anspannung des Protagonisten darzustellen. Man erkennt immer, wie sehr ihn der Lärm belastet, wie die Sirenen an seinen Nerven zehren, selbst wenn sie mehrere Häuserblöcke entfernt sind.

Dabei ist es spannend, mitzuerleben, wie man zunächst selbst denkt, David könne doch einfach wegziehen, wenn ihn das so stört, langsam aber immer selbstverständlicher einsieht, dass es hier vor allem um das Prinzip geht. Natürlich gibt es Mittel, dem Lärm zu entgehen, doch darum geht es nicht. Es geht um Respekt vor den Mitmenschen, um das Hinterfragen von Errungenschaften, die vielleicht doch nicht so viel nutzen, und um den einsamen Kampf eines Menschen, der einfach nicht verstanden werden will. Als Zuschauer kommt man ihm mit jeder Minute näher, ist beeindruckt von dem Willen und der Hartnäckigkeit, mit der David den Widerstand nach und nach aufbaut und in der Stadt voller Anonymität Gleichgesinnte findet, um sein Anliegen nach ganz oben zu bringen. Dieser leise Film fesselt durch die Geschichte selbst, die Tim Robbins als zentrale Figur bestens zu transportieren weiß. Ohne irgendwelche sinnlosen Effekte oder übertriebene Handlungsstränge verfolgt man den Werdegang des David Owen und die Zeit vergeht wie im Fluge. Am Ende hofft und bangt man, dass er sein Ziel erreichen kann, als er zum letzten ihm verbliebenen Mittel greift, um erhört zu werden. Als Großstadtkind, dass sich irgendwie zurecht findet und mit den Umständen zu leben weiß, eröffnet sich nicht unbedingt gleich eine neue Perspektive auf das Leben an sich, aber man wird schon nachdenklicher und ist vielleicht unterbewusst beim nächsten Mal etwas leiser bzw. rücksichtsvoller. Es ist jedenfalls immer mal gut, wenn man derart intensiv aufgezeigt bekommt, wie krankhaft Lärm machen kann und wie abgestumpft man schon geworden ist. Es kann ja jeder Mal selbst in seine Umwelt reinhorchen und seine eigenen Schlüsse ziehen, wie schön es doch auch sein kann, wenn keine oder nur natürliche Geräusche zu hören sind.

Fazit

Tim Robbins sorgt als Protagonist dafür, dass die interessante Geschichte auf den Zuschauer übertragen wird und dieser immer mehr Verständnis für die Situation aufbringt und zum Nachdenken angeregt wird.

Emil Groth - myFanbase
01.09.2011

Diskussion zu diesem Film