Bewertung: 7
Lasse Hallström

Hachiko - Eine wunderbare Freundschaft

Nach einer wahren Begebenheit.

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Inhalt

Auf dem Weg von der Arbeit nach Hause läuft dem Musikprofessor Parker Wilson (Richard Gere) ein herrenloser Hundewelpe regelrecht vor die Füße. Parker nimmt ihn mit zu sich, was Tochter Andy (Sarah Roemer) zwar begeistert, seine Frau Cate (Joan Allen) jedoch verärgert. Für diese steht fest: Der "Gast auf Zeit" soll schnellst möglichst woanders unterkommen. Tage vergehen, ohne dass sein bisheriger Besitzer sich meldet. Als Cate erkennt, wie stark die Bindung zwischen Parker und dem Kleinen ist, änderst sie schließlich ihre Meinung und Hachiko, wie der Hund nunmehr genannt wird, darf bleiben. Er wächst zum außergewöhnlich loyalen Gefährten heran, der sein Herrchen jeden Morgen zum Bahnhof begleitet und ihn nachmittags wieder abholt.

Eines Tages geschieht etwas Schreckliches: Parker verstirbt vollkommen unerwartet. Cate verlässt die Stadt, während Hachiko zunächst von Andy und ihrem Mann Michael (Robbie Collier Sublett) aufgenommen wird. Aber obwohl man ihn liebevoll behandelt, hält es der Vierbeiner in seinem neuen Zuhause nur schwer aus, weshalb Andy ihn schweren Herzens gehen lässt. Hachiko kehrt zurück zum Bahnhof. Ein Jahrzehnt lang wird er tagtäglich um dieselbe Zeit dort sein und vergeblich auf den Professor warten.

Kritik

Es hat ihn wirklich gegeben. Hachiko, den treuen, zur Akita-Rasse gehörenden Hund. Er wurde am 10. November 1923 in Japan geboren und starb 1935. Neun Jahre wartete er auf die Heimkehr seines Herrchens Professor Hidesaburō Ueno. Dem Hund zu Ehren wurde sogar eine Bronzestatue errichtet, die bis heute einen populären Treffpunkt markiert. Lasse Hallström (u.a. verantwortlich für die meisterhafte John-Irving-Verfilmung "Gottes Werk und Teufelsbeitrag" sowie die sinnliche-schöne Tragikomödie "Chocolat") hat die Geschichte Hachikos vom asiatischen Kontinent auf den nordamerikanischen, in die USA, und die heutige Zeit versetzt. Auch war Ueno nicht Musik-, sondern Agrarwissenschaftler. Unabhängig von jeglichen Änderungen der realen Ereignisse, ist Hallström ein ausgesprochen feinfühlig in Szene gesetztes, von sanften Pianoklängen begleitetes Tierporträt gelungen, das so manchen seiner Zuschauer zu Tränen rühren dürfte, vielleicht auch wegen seines nicht gerade ohne Kitsch auskommenden Endes.

Wenn der kleine Welpe in Großaufnahme mit traurigen Augen in die Kamera blickt, kann man gar nicht anders als ihn unwiderstehlich süß zu finden. Es ist sehr löblich, wie Hallström einem das Wesen Hachikos nahe bringt und Empathie möglich macht. Immer wieder sieht der Zuschauer die Welt direkt aus Hachikos Blickwinkel und wird so aufgefordert, sich mit den nun wohl vorherrschenden Gedanken und Gefühlen des Tieres zu beschäftigen. Gekonnt hält der Film die Waage zwischen Komik und Tragik. Wenn Parker auf allen Vieren kriechend versucht, seinem neuen Freund das Apportieren beizubringen, ist das ein richtig lustiger Moment. Wohingegen der Anblick des wartenden Hachiko einem das Herz schwer werden lässt.

Keinen Gefallen hat sich das Drehbuch jedoch damit getan, dass Hachiko am Morgen vor Parkers Tod diesen am Fortgehen hindern will. So wird das Unglück vorweggenommen und damit vorhersehbar. Auch lässt die plötzliche, quasi hellseherische Fähigkeit des Tieres dessen Hoffnung auf das Wiederkommen des geliebten Menschen leicht widersprüchlich anmuten. Die letzten Minuten indes werden wohl unterschiedliche Reaktionen im Publikum hervorrufen. Die einen dürften sie viel zu dick aufgetragen finden, während sich die anderen nun endgültig nicht mehr halten können und nach den Taschentüchern greifen werden.

Eine bekannte Schauspielerweisheit lautet: "Neben Kinder oder Tieren, kannst du nur verlieren." Klar ist der Vierbeiner der unbestreitbare wahre Hauptdarsteller des Films, doch gerade die vielen gemeinsamen Auftritte mit Richard Gere, die die Beziehung der beiden zueinander intensiv einfangen, sind wunderbar. Dem Hollywoodstar nimmt man den glücklichen Hundebesitzer jederzeit ab. An Joan Allen fällt zunächst einmal ihr seltsam unnatürlich wirkendes Gesicht auf. Die begabte Actrice, welche zu Recht auf drei Oscarnomierungen in der Vergangenheit zurückblicken kann, hat im Vergleich zu früher deutlich an Mimik verloren. Ein trauriges Beispiel für verhängnisvollen Jugendwahn. Und dennoch, Allen versteht es immernoch zu überzeugen. Die restlichen Mimen sind im Grunde allesamt mehr und weniger nur Statisten in Hachikos Biographie. Einzig Sarah Roemer hebt sich aufgrund ihrer Ausstrahlung hervor.

Es gab Kritiken, welche Hallströms Werk eine Art übertriebene Harmoniebedürftigkeit vorwarfen. Ja, die Wilsons entsprechen dem Idealbild der glücklichen amerikanischen Familie und ja, die Bewohner der Stadt sind allesamt sehr nette Menschen. Aber mal ehrlich: Warum sollte man sich bei einem Film wie "Hachiko Eine wunderbare Freunschaft" an fehlenden (menschlichen) Konflikten stören?

Fazit

Wer Tiere im Allgemeinen und Hunde im Besonderen mag, der könnte dieses sensible und zutiefst berührende, wenn auch nicht ganz kitschfreie Drama über bedingungslose Treue lieben.

Maren Langos - myFanbase
15.01.2011

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