Bewertung: 6
Joel Schumacher

Twelve

"Ich kenne viele Jungs, ... ähm, also ich bin keine Schlampe oder so."

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Inhalt

White Mike (Chace Crawford) ist ein erfolgreicher 17 Jahre alter Drogendealer in New York. Sein Geld verdient er hauptsächlich durch die kauffreudige Kundschaft minderjähriger, wohlhabender Kids, die sonst durch nichts anderes beglückt werden können. Eigentlich müsste White Mike auch zu dieser Gesellschaft gehören, doch persönlich fasst er gar keine Drogen an. Zum Dealer wurde er erst als sein Leben komplett umgeworfen wurde. Dies geschah nach dem Tod seiner Mutter, von dem er sich bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht erholt hat.

Nicht nur im geschäftlichen Sinne, sondern auch in seinem Privatleben hält er Menschen auf Distanz. Selbst seine Kinderliebe und jetzige Freundin Molly (Emma Roberts). Das erfolgreiche Dealerleben endet aber jäh, als sein Cousin süchtig auf die neue Modedroge Twelve wird und bei einer Transaktion stirbt. Als wäre das nicht genug, wird sein bester Freund Hunter (Philip Ettinger) verdächtigt, den Mord verübt zu haben.

Kritik

"Twelve" steht zwar für eine Modedroge, doch "Twelve" steht auch für eine Generation desinteressierter Jugendlicher, die ein geldreiches Leben führen, bei denen Sex zur Allgegenwart gehört und für die Marihuana jeden Tag zu einem guten Tag macht. "Twelve" ist aber auch ein Bestseller aus dem Jahr 2002 von Nick McDonell, in welchem es um die verlorene Jugend geht. Joel Schumacher nahm sich diesen Kultroman zur Hand und verfilmte ihn. Sein Hauptdarsteller wurde der "Gossip Girl"-Star Chace Crawford, der in der Rolle des verdrossenen Dealers aufgehen kann, ohne seinen Status als Mädchenschwarm des Monats aufgeben zu müssen.

Natürlich mögen sich einige denken, was es sie denn interessieren soll, wenn sich ein par Schnösel reicher Eltern zudröhnen, und dabei Geschlechtsverkehr mit sämtlichen Anwesenden haben, oder haben wollen. Mag auch sein, dass nicht alle in einer Welt von Drogen aufwachsen, sondern gut behütet nie den Kontakt dazu finden. Aber auch das wird in diesem Film relativ gut thematisiert. Beispielsweise mit der immer-schlauer-als-die-anderen-sein Jessica Brayson, gespielt von Emily Meade, die auf einer einfachen Party zum ersten Mal mit der Droge Twelve Kontakt aufnimmt. Ihr Schicksal ist es, das am Ende die Fugen aus den Wänden reißen wird. Es ist ihr Rausch, Glücksgefühl und das Verlangen nach Stoff - welches ihr sogar die Jungfräulichkeit wert ist -, die diesem Film einen gewissen Witz verleihen.

Wie viel Wahrheit in diesem Jugendfilm steckt, mag für einige nicht ganz nachvollziehbar sein, aber diese verschließen dann auch die Augen vor anderen Tatsachen. Die Wahrheit ist, dass es einen großen Teil von Jugendlichen in unserer Gesellschaft gibt, die regelmäßig "verbotene" Drogen konsumieren, was von der älteren Generation kaum wahr genommen wird, oder wovor die Augen zumindest verschlossen werden. Ob es falsch ist, liegt wohl in den Augen jedes einzelnen Betrachters. Ungesetzlich ist es auf jeden Fall, was den Reiz umso verstärkt. Und ist es denn letztlich auch so verwerflich, sexuell aktiver zu werden, wenn so etwas eingeschmissen wird? Aber was ist mit den Millionen junger Leute, die sich tagtäglich den Pornos im Internet hingeben? Einerseits abhängige Jugendliche, die in späteren Jahren den Drogen sowieso abschwören könnten, und andererseits sexuell-apathischer Nachwuchs.

Sex allein ist aber nicht alles, dem sich dieser Film widmet. Ab einem gewissen Zeitpunkt lechzen die Kinder nach der Anerkennung der Eltern. Sie suchen die Geborgenheit und die Liebe, die sie nie zu finden scheinen, da die Mutter und der Vater nie anwesend sind. Was das für Emotionen auslösen kann, können sich letztlich nur noch junge Menschen vorstellen, wodurch dieser Film seine Zielgruppe findet.

Auf jeden Fall bietet Joel Schumacher ein verschachteltes Porträt orientierungsloser Jugendlicher, deren Themen sich nicht mit der Allgemeinheit zu kreuzen scheinen. Zumal wir die Gelegenheit haben, uns einen Einblick über ihre Köpfe zu erlauben, und der Erzähler - im Original von Kiefer Sutherland gesprochen - erfüllt durch zynische und teils sarkastische Bemerkungen seinen Zweck, ein solches Leben zu verurteilen.

Fazit

Ein netter Einblick für all jene, die eine Scheinwelt nicht kennen. Schöne Körper für Gierige und eine mitreißende Handlung, die mit einem Showdown endet. Wirklich empfehlenswert.

Ignat Kress - myFanbase
12.10.2010

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