Bewertung: 8
David Lyne

Eine verhängnisvolle Affäre

"Ich habe 'Eine verhängnisvolle Affäre' gesehen. Der hat mir einen Riesenschrecken eingejagt. Der hat allen Männern in den USA einen Riesenschrecken eingejagt" (Schlaflos in Seattle, 1993)

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Inhalt

Der New Yorker Anwalt Dan Gallagher (Michael Douglas) hat alles, was man sich nur erträumen kann. Er hat einen interessanten und gut bezahlten Job, sowie eine liebende Ehefrau, eine süße kleine Tochter und bald auch ein eigenes großes Haus in der Vorstadt. Eines Tages lernt Dan während eines Meetings die resolute Alex Forrest (Glenn Close) kennen. Als Dans Ehefrau mit Tochter Ellen übers Wochende verreist, beginnt Dan sich mit Alex zu treffen.

Zunächst scheint es ein eher zwangloses Date zu werden, doch am Ende des Abends landen die beiden zusammen in Alex' Bett. Für Gallagher ist danach sofort klar: aus dem Seitensprung kann keine dauerhafte Bindung entstehen. Das macht er Alex auch sofort deutlich. Für ihn ist die Affäre mit dem nächsten Morgen beendet. Alex ist wütend und enttäuscht, dass Dan sie nur als Bettgespielin missbraucht hat, während sie sich in den smarten Anwalt verliebt hat. Als er sie nach einer zweiten gemeinsamen Nacht endgültig zu verlassen droht, begeht sie einen Selbstmordversuch, um ihrer Verzweiflung über die Trennung Ausdruck zu verleihen. Doch Gallagher lässt sich nicht beirren und bricht schließlich jeglichen Kontakt zu Alex ab. Sie steigert sich immer stärker in die Affäre hinein und behauptet schließlich sogar, von Gallagher schwanger zu sein. Doch als auch dies nicht die erwünschte Wirkung zeigt und Gallagher die Beziehung zu ihr nicht wieder aufnimmt, beginnt Alex ihn immer obsessiver zu begehren, und setzt ihn immer mehr unter Druck, zur Not auch mit rabiaten Mitteln.

Kritik

In dem Film "Schlaflos in Seattle" mahnte Tom Hanks einst seinen Film-Sohn zur Vorsicht im Anbahnen von Blind Dates, denn der Film habe etlichen Männern einen Riesenschrecken eingejagt. Und auch Hauptdarstellerin Glenn Close gibt zu, dass noch heute Männer auf sie zukommen und ihr erzählen, wie sehr ihre Darstellung der psychisch-kranken Alex Forrest sie schockiert hat.

Alex Forrest gehört für mich zu den furchteinflößendsten Charakteren der Filmgeschichte. Nicht aufgrund der Brutalität ihres Handelns, sondern aufgrund der stetigen und eindringlichen Entwicklung der Figur von der enttäuschten Geliebten hin zur erbarmungslosen Stalkerin, die selbst vor eiskaltem Mord nicht zurückschreckt. Glenn Close' Darstellung der erotomanen Alex ist ungeheuer intensiv und angsteinflößend. Vielleicht spielt auch ein klein wenig mit, dass nicht etwa der stärkere Mann eine vermeintlich schwächere Frau tyrannisiert, sondern eine nach außen hin karriere-orientierte Powerfrau den Bezug zur Realität verliert und vermeintliche Liebe zum Wahn wird. Noch heute sind es ja immer noch überwiegend Männer, die ihren Ex-Partnerinnen das Leben zur Hölle machen, daher kann es besonders für Männer schockierend sein zu sehen, wie eine Frau sich des Lebens eines Mannes bemächtigt.

Michael Douglas' Charakter ist die meiste Zeit lang fassunglos und vor allem vollkommen machtlos. Alex drängt sich in sein Leben und er weiß nicht, wie er reagieren soll. Er realisiert, dass er mit der Zustimmung zur Affäre einen Fehler begangen hat, kann jedoch nicht damit umgehen, dass Alex keine Vernunft walten lässt und sich immer mehr in die Sache hineinsteigert. Die Polizei hält sich gezwungenermaßen aus allem heraus und reagiert, wie man es schon so oft von Stalking-Opfern gehört hat: Sie kann und darf nicht eingreifen, solange man dem Stalker nichts nachweisen kann.

Leider erfährt man nicht viel über den Charakter Alex an sich. Ihre psychische Situation, sowie die Hintergründe ihrer starken Verlustangst bleiben im Verborgenen. Regisseur Adrian Lyne setzt hingegen ganz auf den stetigen Verlust der Grenzen zwichen Gut und Böse, was am Ende in einem gigantischen Showdown gipfelt, der vielleicht ein klitzekleines Bisschen vorhersehbar ist.

Oft kritisiert wurde letztendlich auch die Darstellung einer erfolgreichen und emanzipierten Frau und ihre Demontage in eine hysterische, sitzengelassene Geliebte. Ich finde weder, dass der Film sonderlich sexistisch ist, noch, dass er das monogame Liebesleben in den Himmel lobt, wie einige amerikanische Rezensenten kritisiert haben. Vielmehr konzentriert sich der Film doch in erster Linie auf das Unvorhergesehene und Unfassbare, dass Yuppie Dan nach seinem unbedachten Seitensprung erleben muss. An Spannung ist der Film hier wirklich kaum zu überbieten.

Neben Glenn Close liefert auch Michael Douglas eine gewohnt solide Vorstellung ab, die sich jedoch nicht sonderlich von seinen Rollen in "Basic Instinct" oder "Der Rosenkrieg" unterscheidet. Auch die weiteren Darsteller treten ob der grandiosen Darstellung von Glenn Close ein wenig in den Hintergrund, was jedoch auch vollkommen verständlich und gerechtfertigt ist.

Fazit

Ein wirklich beeindruckender Film, der es versteht, mit immenser, stetig wachsender Spannung zu erzählen, was sich aus einem unbedachten Seitensprung entwickeln kann.

Melanie Wolff - myFanbase
11.08.2009

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