Bewertung: 8
James Gray

Two Lovers

"You think I don't know love?"

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Inhalt

Nachdem Leonard Kraditor (Joaquin Phoenix) von seiner Verlobten verlassen wird und daraufhin in eine tiefe Depression stürzt, zieht er wieder bei seinen Eltern in Brooklyn ein. Nebenbei hilft er seinem Vater Reuben (Moni Moshonov) in einem Laden für chemische Reinigung aus. Doch nach einem weiteren Selbstmordversuch merken Leonards Eltern, dass sie ihn aus seiner Lethargie befreien müssen und beschließen, ihn mit der Tochter eines Kollegen Reubens bekannt zu machen. Als sich Leonard und Sandra (Vinessa Shaw) ein wenig annähern, lernt Leonard schließlich Michelle (Gwyneth Paltrow) kennen, die erst seit kurzem im selben Gebäude wohnt und fühlt sich zu ihr sofort hingezogen. Nun muss er sich entweder für Sandra entscheiden, womit er die Erwartungen seines Umfelds erfüllen würde, oder doch einen Versuch mit Michelle wagen, die einen noch viel gebrocheneren Eindruck macht als Leonard.

Kritik

Zugegeben, die obige Inhaltsbeschreibung klingt nach einer klassischen Dreiecksgeschichte, wie sie bereits zu Genüge in anderen Filmen zu sehen war. Dennoch wäre es zu einfach und vor allem schade, sich deswegen "Two Lovers" entgehen zu lassen. Denn James Gray schafft es in seinem dritten Film mit Joaquin Phoenix in Folge (nach "Helden der Nacht" und "The Yards"), ein packendes und erwachsenes Liebesdrama zu schaffen, das weniger auf oberflächliche Melodramatik aus ist als auf die Darstellung von drei Menschen in Brooklyn und ihre Fehler, Ängste und Erwartungen an das Leben und die Liebe, und sich damit eher an Liebesfilme der vergangenen Jahrzehnte orientiert als an den oft effekthaschenden der letzten Zeit. Dass Gray dieser Drahtsteilakt gelingt, ist vor allem seinem Schauspielensemble zu verdanken, das durch die Bank tolle Leistungen abliefert.

Hierbei besonders hervorzuheben ist Joaquin Phoenix mit seiner Darstellung des gebrochenen Mannes, der, zuerst sehr introvertiert, versucht, aus seiner Lethargie herauszukommen, und dabei gleichzeitig Angst davor hat, sich einem Menschen in einem Maße anzuvertrauen, wie er es bei seiner damaligen Verlobten getan hat, weil er eine weitere Enttäuschung nicht verkraften könnte. Dabei muss sich Phoenix weder hinter seinen zwei höchst unterschiedlichen und gleichermaßen oscarnominierten Rollen in "Gladiator" und "Walk The Line" noch seiner leider kaum wahrgenommenen Leistung in "Ein einziger Augenblick" verstecken.

Aber auch Oscargewinnerin Gwyneth Paltrow weiß nach einigen Rollen in der Vergangenheit, die sie kaum forderten, wieder einmal zu überzeugen. Ihre Darstellung der umwerfenden Michelle, die nur auf den ersten Blick ein perfektes Leben führt, ist geprägt durch eine unglaubliche Vielschichtigkeit, die auf weit mehr aus ist, als auf Bewunderung für ihre Fassade und Mitleid für ihren wahren Alltag, in dem sie Drogen nimmt und eine unglückliche Beziehung mit einem verheirateten Mann führt, der für ihre Wohnung aufkommt. Die dritte im Bunde, Vinessa Shaw, komplettiert zusammen mit Isabella Rossellini als Mutter Leonards den hervorragenden Eindruck, den man von den Schauspielern bekommt.

Inszenatorisch beschränkt sich Gray auf eine optisch recht nüchterne Darstellung der russisch-jüdischen Nachbarschaft in Brighton Beach, New York, wo Leonard und Michelle leben, schafft es dabei aber gleichzeitig, die Umgebung bei besonders kraftvollen Szenen sinnvoll einzusetzen.

Fazit

James Gray gelingt in seinem dritten gemeinsamen Film mit Joaquin Phoenix in Folge ein erwachsenes und komplexes Liebesdrama, das zeigt, dass sich Liebe vielmehr im Herzen und im Geist abspielt als in möglichst überstürzten und überraschenden Handlungen, die dem Zuschauer jegliche Möglichkeit nehmen, sich mit den Charakteren zu identifizieren, weil sie sich nicht wie echte Menschen verhalten. Darüber hinaus liefern insbesondere Phoenix und Paltrow großartige schauspielerische Leistungen ab. Es bleibt nur zu hoffen, dass es sich Phoenix noch einmal anders überlegt und sich wieder der Schauspielerei zuwendet. "Two Lovers" zeigt eindrucksvoll, dass ohne ihn einer der besten heutigen Schauspieler fehlen würde.

Andreas K. - myFanbase
19.04.2009

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