Bewertung: 5
John Madden

Killshot

"I shoot people. Sometimes for money, sometimes for nothing."

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Inhalt

Carmen Colson (Diane Lane) und ihr Ehemann Wayne (Thomas Jane) durchleben eine Ehekrise und stehen kurz vor der Scheidung. Als sie beide bei einem Zwischenfall in einem Maklerbüro zufällig die Wege von Mafia-Auftragskiller Armand "The Blackbird" Degas (Mickey Rourke) und Gelegenheitsgauner und Psychopathen Richie Nix (Joseph Gordon-Levitt) kreuzen und anschließend um ihr Leben fürchten müssen, werden sie in das Zeugenschutzprogramm aufgenommen. Diesem Umstand verdanken Carmen und Wayne es, dass sie in der Folge in der fremden Umgebung wieder zueinander finden, doch Degas und Nix sind ihnen bereits auf den Fersen...

Kritik

Mickey Rourke hat es geschafft. Mit der Performance seines Lebens in "The Wrestler" ist ihm das gelungen, was ihm viele nach einer misslungenen Boxkarriere, Drogeneskapaden und anderen Fehltritten nicht zugetraut hätten, und er wurde zum Topfavoriten auf den Oscar. Mit "Killshot" versucht er nun, seine Leistung aus "The Wrestler" zu bestätigen. Allerdings gelingt ihm das trotz solider Leistung in keiner Sekunde des Films, was aber auch vor allem an der höchst mittelmäßigen Umsetzung der gleichnamigen Buchvorlage von Elmore Leonard liegt.

"Killshot" beschränkt sich auf zwei unterschiedliche Erzählstränge. Der eine handelt von dem Mafia-Auftragskiller mit indianischen Wurzeln, Armand "The Blackbird" Degas, und wie er auf Richie Nix trifft, der seinen bisherigen Unterhalt als Bankräuber und andere Gaunereien verdient hat. Der zweite Erzählstrang beinhaltet die Beziehung von Carmen zu ihrem Noch-Ehemann Wayne. Leider können beide Stränge nicht überzeugen.

Das Problem an der Storyline um Degas und Nix ist, dass diese zwei Charaktere in einem Maße überzeichnet sind, dass sie praktisch unwirklich wirken. Richie Nix ist ein extrem redseliger, lauter und schmieriger Mensch, für den man in keiner Sekunde des Films Sympathie oder Verständnis aufbringen kann und der, mit Verlaub, einfach nur nervt. Dafür kann Joseph Gordon-Levitt, einer der besten Jungschauspieler momentan, am wenigsten, auch wenn er teilweise sehr nahe am Overacting ist. Die nicht genug ausbalancierte Rolle macht das einfach aus ihm. Ähnlich ist es bei Mickey Rourke und seiner Rolle als "Blackbird". Wo Nix aber noch vor allem dadurch aufgefallen ist, dass er wie ein Wasserfall redet, ist "Blackbird" die Ruhe selbst und beschränkt sich auf lakonische Kommentare und Einzeiler, die allesamt viel zu abgegriffen und klischeebeladen wirken als dass man sie ernst nehmen könnte. Dennoch schafft es vor allem Rourke, aus seiner Rolle das Maximum herauszuholen, indem er seine unglaubliche Präsenz und starke Mimik einsetzt, um einen Killer mit Prinzipien zu portraitieren.

Bei Wayne und Carmen gestaltet sich nicht die Glaubwürdigkeit der Charaktere, sondern der vorhersehbare Storyverlauf zu einem Problem. Die Geschichte von einem Ehepaar, das in Trennung lebt und wo der Mann die Frau zurück will, diese aber ablehnt, war bereits Teil viel zu vieler Filme und wird auch durch "Killshot" um keine Facette reicher. Dennoch muss man auch hier beiden Schauspielern, sowohl Diane Lane als auch Thomas Jane, zugute halten, dass sie so gut es geht versuchen, ihre schwache Storyline durch gute Leistungen zu beschönigen. Jane wird dafür deutlich weniger Gelegenheit geboten als Lane, die aber auch nur etwas mehr als ihr Standardrepertoire abrufen kann bzw. darf.

Ein weiteres Problem ergibt sich, als sich die Schicksale der beiden Killer und des Ehepaars treffen, da die sich daraus entwickelnde Geschichte, und damit der gesamte Plot des Films, stark vorhersehbar ist und trotz lediglich knapp 90 Minuten deutliche Längen aufweist, insbesondere wenn es Carmens und Waynes neues Leben im Zeugenschutzprogramm betrifft. Auch die Darstellung von Nix' Zusammenleben mit seiner Freundin Donna (Rosario Dawson) leidet darunter, dass es Regisseur John Madden nicht schafft, etwas Dynamik hereinzubringen und stattdessen mit Donna den nächsten unglaubwürdigen Charakter als kindlichen Elvisfan schafft.

Dazu kommt ein teilweise regelrecht aufdringlicher Soundtrack, der kaum variierende Motive aufweist und so mancher Szene die Stärke nimmt. Daraus entwickelt sich insgesamt ein Film, der einfach nicht rund wirkt, da er nicht weiß, wie er eine grundsätzlich interessante Geschichte ("Blackbird" und Nix) mit echten Charakteren füllt bzw. einer gänzlich uninteressanten Story (Carmen und Wayne) den nötigen Pepp gibt. Darüber hinaus ist "Killshot" auch teilweise nicht in der Lage, diese beiden Sichtweisen derselben Tragödie zu einer homogenen Masse zu machen.

Fazit

Alles in allem ist "Killshot" allein aufgrund der großen Namen im Cast eine Enttäuschung, nicht weil er wirklich schlecht ist, sondern weil so viel mehr drin gewesen wäre, wenn man die Charaktere sorgfältiger ausgestaltet und unnötige Storylines interessanter gestaltet oder zumindest gestrafft hätte. So bleibt trotz einer interessanten Thematik und guter schauspielerischer Leistungen von vor allem Diane Lane und Mickey Rourke, die den Film auf Mittelmaß heben, ein fader Beigeschmack.
John Madden scheint seit "Shakespeare in Love" leider deutlich die Puste auszugehen, was nicht zuletzt die ebenso enttäuschende Inszenierung von "Der Beweis" zeigte.

Andreas K. - myFanbase
05.04.2009

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